Ecstasy: Mal druff, mal breit?

hallo, ich 17, 60kg und eine Freundin gleich alt gleiches Gewicht haben uns neulich gelbe Nintendos geholt, wir haben diese dann gemeinsam im Park ausprobiert und zuerst je ne halbe geschmissen, nach einer stunde legten wir beide nach. Mir ging es im Rausch gut, ich hatte Teller und war allgemein gut drauf wie man es von teilen kennt. Sie war allerdings total ruhig hatte keinen Bewegungsdrang und hat total kleine Pupillen bekommen bevor sie dann auch Teller bekam. Sie hatte am selben Tag beim Arzt irgendwelche Spritzen bekommen und deswegen meinten wir dass ihr Verhalten und ihre Stimmung dann damit zusammenhing. Ich habe gestern am Festival dann nochmal ne halbe Nintendo und nach ca 1 h die andere Hälfte, bekam darauf hin dann aber neben Kieferkauen und Laberflash extrem Augenzittern was ich noch nie gehabt habe. Am Festival selber war ich dann auch nicht wirklich drauf sondern hab mich wie meine Freundin letztes Mal eher stoned gefühlt, dh ich war ruhig und hab nur gechillt (was ich am Festival nicht wollte). Jetzt wollte ich fragen an was das lag, dass es mir auf den selben Pillen das 2. mal so anders ging und wieso ich nicht typisch drauf war und auch so kleine Pupillen hatte (ca 8 std nach der 1. Hälfte hatte ich dann leicht Teller) ? und wieso hatte ich das Augenzittern? Jedes mal hatte ich die selben Pillen und gleich nachgelegt, hatte ca 1 Monat Pause.


Dr.-Frühling-Team:

Hallo

Du willst von uns wissen, warum die gleiche Ecstasy-Pille beim 2. Mal eine ganz andere Wirkung auf Dich hatte. Außerdem wundern Dich Deine körperlichen Symptome, die Größe Deiner Pupillen und das Augenzittern und Du fragst, woran das liegt.

Genau herausfinden, woran die unterschiedlichen Wirkungen gelegen haben, können wir nicht. Wir können Dir aber Erklärungsansätze bieten.

Zur Wirkung:
Ecstasy ist ein Mix aus vielen Inhaltsstoffen, die in der Pille nicht überall gleich verteilt sind. Das bedeutet, je nach Hälfte der Pille und genauso von Pille zu Pille können Wirkstoffgehalt und Streckmittelanteil schwanken. Über die konsumierte Menge MDMA (psychoaktiver Hauptwirkstoff im Ecstasy) kann man sich also nie 100%ig sicher sein, ebenso wenig über den Streckmittel-Anteil. Durch die Streckmittel könnten Wechselwirkungen mit dem MDMA entstehen, die schwer abzuschätzen sind. Manche typischen Wirkungen könnten entstehen und andere wiederum nicht.

Die Rauschwirkung hängt nicht nur von der Dosierung ab, sie ist weiterhin abhängig vom Wirkstoffgehalt, der Konsumhäufigkeit und der Konsumform, den Gewöhnungseffekten sowie von Set (psychische und physische Voraussetzungen) und Setting (Umfeld) des User*s / der User*in. Wenn Du am selben Tag andere Substanzen (auch Medikamente) zu Dir nimmst bzw. verabreicht bekommst, kann das Einfluss auf das Rauscherleben haben oder je nach Substanzen auch schwerwiegendere Wechselwirkungen erzeugen. Das könnte eine Erklärung für den Zustand Deiner Freundin bei der Situation im Park sein. Da die Wechselwirkungen teilweise sogar für Ärzt*innen / Ärzt*e schwer einzuschätzen sind, ist es grundsätzlich mit höheren Risiken verbunden, während oder kurz nach einer medizinischen Behandlung zusätzlich (psychoaktive) Substanzen zu nehmen. 

Wie erwähnt, spielen auch das Umfeld und die psychische Verfassung, gerade bei entaktogenen (= das Innere berührende) Substanzen, eine große Rolle. Vielleicht hatte Deine Psyche von dem Festival bereits zu viel Input für den Tag und konnte sich nicht darauf einlassen, richtig "drauf" zu sein und wollte sich eher zurückziehen. Doch was in Dir vorgeht weißt Du wahrscheinlich selbst am Besten. Empfehlenswert ist jedoch, nur zu konsumieren, wenn Du eh schon gute Laune hast, ausgeschlafen bist und Dich körperlich wie psychisch fit fühlst.

Dass Du Dich eher stoned gefühlt hast, kennen wir aus verschiedenen User*innen-Berichten. Mal wird vermutet, dass man zu wenig geschlafen hat, dass andere Streckmittel die Wirkung abschwächen oder auch, dass es zu wenig MDMA war. Einige User*innen liegen auf MDMA nur rum, kuscheln und/oder unterhalten sich, sind ein bisschen verpeilt, aber genießen genau das. Wenn der Körper zum Tanzen keine Kraft hat oder das Umfeld überfordernd ist, verlagert sich die Wirkung auf andere Bereiche, z. B. aufs Reden, wie Du zu Deinem Festivalkonsum beschreibst.

Zur Toleranz:
Du hast geschrieben, dass Du ca. 1 Monat Pause zwischen den Trips hattest. MDMA wirkt auf das Serotoninsystem, welches hauptsächlich verantwortlich ist für seelisches Wohbefinden und Glücksempfinden. Während des Rausches werden die Serotonin-Speicher gelehrt. Es kann mitunter, gerade bei jungen Menschen, 4-6 Wochen dauern, bis im Körper wieder völliges Gleichgewicht im Serotoninhaushalt hergestellt ist. Wird regelmäßig in kürzeren Abständen konsumiert, können die Serotoninspeicher länger oder stärker "entleert" sein. Dann sind lange Konsumpausen von mehreren Monaten ratsam. Ohne längere Pausen ist dann kaum bis keine typische MDMA-Wirkung spürbar, weil einfach nicht genug Serotonin im Körper verfügbar ist.

Die Symptome, die Du für Deine Festivalerfahrung beschreibst, könnten auch dazu passen. Verschiedenen Konsument*innen-Berichten zufolge haben die Nintendo-Pillen einen MDMA-Gehalt zwischen 190 und 220 mg MDMA. Für Deinen Körper (60 kg) ist das sehr viel. Eine wirksame Dosis liegt zwischen 60 und 90 mg. Wenn Du die ganze Pille genommen hast, hattest du möglicherweise mehr als das Doppelte intus. Das Augenzittern und starke "Kiefern" sind bekannte Nebenwirkungen, sie treten aber vor Allem bei Überdosierungen auf. Wenn dann nicht genug Serotonin in Deinem Körper vorhanden ist, entsteht nicht die gewünschte empathogene / entaktogene "Glücks-Wirkung", aber die Nebenwirkungen verstärken sich. Hier raten wir dringend zur Vorsicht. Wenn an dieser Stelle noch mehr nachgelegt wird hat das keine Verbesserung der Rauschwirkung zufolge, aber die eher unangenehmen Nebenwirkungen verstärken sich (Herzrasen, Übelkeit, Zittern, Bewegungsdrang, Hibbeligkeit usw.). Es kann auch dann zum lebensgefährlichen Serotoninsyndrom kommen und der Kreislauf kann überlastet werden, was eventuell zu einem medizinischen Notfall führt.

Sollten in Zukunft solch starke Nebenwirkungen auftreten, wäre es besser, nicht mehr nachzulegen und eine längere Konsumpause einzulegen. Wichtig ist außerdem zu unterstreichen, dass kein Trip dem anderen gleicht. Jedes Mal sind die Umstände etwas anders und somit auch die Wirkungen. Ratsam ist es, sich auf das was passiert einzulassen und nicht krampfhaft eine andere Wirkung herbeizusehnen, denn sonst kann es sehr anstrengend und enttäuschend werden.

Weitere Infos zu MDMA kannst Du hier nachlesen:
http://drugscouts.de/de/lexikon/mdma

Zu Deinem Alter:
Du hast angegeben, dass Ihr 17 Jahre alt seid. Speziell dazu müssen wir Dir jedoch schreiben, dass es grundsätzlich besser ist, wenn man mit dem Konsum diverser psychoaktiver Substanzen noch ein paar Jahre wartet. Mit 17 ist man häufig noch mitten in der Pubertät und mit allen dazugehörigen körperlichen und psychischen Entwicklungsprozessen. Speziell in dieser Phase kann häufigerer Drogenkonsum oder auch nur einzelne negative Drogenerfahrungen und deren Nachwirkungen noch einiges durcheinander bringen. Insofern empfehlen wir Euch mit weiteren Drogenerfahrungen besser noch zu warten, wenigstens bis Ihr Euch jeweils für Euch selbst halbwegs sicher seid, dass Ihr "mitten im Leben steht", Euch unangenehme Erfahrungen "nicht so leicht aus der Bahn werfen können" usw.


Alles Gute
Dein Dr-Frühling-Team


Die Informationen in unserer Antwort sind keine Anleitung oder Motivierung zum Drogenkonsum! Aufgeführte Substanzen können dem BtMG [Betäubungsmittelgesetz] unterliegen. Besitz, Erwerb und Handel damit sind strafbar! Wenn die Stoffe frei verfügbar sind, heißt das nicht, dass ihr Gebrauch ungefährlich wäre.
Dieser Text wurde nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Dennoch können Irrtümer nicht ausgeschlossen werden. Die Drug Scouts übernehmen keine Haftung für Schäden, die durch irgendeine Art der Nutzung der Informationen dieses Textes entstehen.