Angstvolle Ich-Auflösung

Ein außergewöhnlicher Bewusstseinszustand (ABZ) beschreibt einen Zustand, "in dem eine Person einen Wechsel oder eine Veränderung in Bezug auf das normale psychologische Funktionieren (das Bewusstsein) erlebt". (Working Group Arctic and Subarctic)

Dieser Zustand kann sowohl zufällig auftreten, als auch durch bestimmte Anwendungen hervorgerufen werden. Zu diesen Anwendungen zählen psychologische Techniken (Yoga, Meditation, Hypnose etc.), pharmakologische (Konsum psychoaktiver Substanzen) und manipulative Techniken (Schlafentzug, Fasten etc.). Psychoaktive Substanzen, die außergewöhnliche Bewusstseinszustände auslösen können, sind die Entaktogene und Entheogene.

Pharmakologische - also durch Substanzkonsum induzierte - außergewöhnliche Bewusstseinszustände sind keine einheitlichen Erlebnisse, sondern von vielen Faktoren (sog. Prädiktoren) abhängig:

  • die gebrauchte Substanz und die Dosis
  • das Set
  • das Setting, vor allem unvorhergesehene Ereignisse vor Eintritt der Wirkung oder während des Trips

Klassifizierung:

Bodmer/Dittrich/Lamparter unterteilen außergewöhnliche Bewusstseinszustände in drei Grunddimensionen. Diese Dimensionen finden sowohl in der experimentellen Psychologie als auch in der psychiatrischen Forschung Anwendung. Sie bieten einen differenzierten Einblick in das menschliche Bewusstsein, welches bislang relativ unerforscht ist. [Bodmer, I./Dittrich, A./Lamparter, D.: Außergewöhnliche Bewußtseinszustände – ihre gemeinsame Struktur und Messung. Berlin, 1994]

1. Die ozeanische Selbstentgrenzung (OSE) 
"...beschreibt angenehme, beglückende Aspekte in Form von grenzenloser Freude, einem tiefen inneren Frieden und einer umfassenden Liebe: Erfahrungen des Einsseins, ein Verschmelzen mit sich und der Welt, die Befreiung von den Beschränkungen von Raum und Zeit (Zeitstillstand, -rasen oder Zeitlosigkeit), Ahnung einer höheren Wirklichkeit, Mystisches und spirituelles Erleben". Erfahrungen von "Überkörperlichkeit", dem Losgelöstsein bis hin zum erlebten Schweben oder Fliegen werden häufig beschrieben.
(http://web.hs-merseburg.de/~barsch/Inhalte/Region/8Halluzinogene.pdf)

2. Die Angstvolle Ich-Auflösung (AIA)
...wird allgemein als Horrortrip oder Paranoia bezeichnet. Sie beschreibt den durch Angst dominierten Aspekt, ausgelöst durch die Furcht vor dem Verlust normaler Fähigkeiten des Wachzustandes wie Urteilsfähigkeit, Selbst- und Realitätskontrolle, einhergehend mit einer völligen Bezugslosigkeit zu sich und der Welt.
(Verzerrte und verfremdete Wahrnehmung der Umgebung; Gefühl des Bedroht- u. Gequältseins; Gefühl, eine fremdbestimmte Marionette zu sein; Angst aus diesem Zustand nicht mehr herauszukommen)
Untersuchungen des Züricher Uniklinikums zeigen, dass der Zustand der AIA hirnpsychologisch einem akuten schizophrenen Zustand ähnelt.

3. Die visionäre Umstrukturierung (VUS)
"...beschreibt die vielschichtigen Einzelaspekte der Veränderungen im Bereich der Wahrnehmung." (eve & rave s.u.)
Die veränderte Wahrnehmungsstruktur umfasst den optischen, akustischen und den sensorischen Bereich. Die VUS beinhaltet neben der Wahrnehmungs- auch eine Bedeutungsumstrukturierung:

Illusionen:
Bilder, die der Realität entlehnt sind, werden uminterpretiert

Synästhesien:
Überlagerung der Sinne (z.B. Farben hören, Töne sehen)

Pseudohalluzinationen:
Sehen von Dingen oder Szenarien, die nicht real existieren, wobei diese Dinge als nicht real erkannt und bewertet werden

echte Halluzinationen:
Sehen und/oder Hören von nicht real existierenden Dingen, ohne sich dessen bewusst zu sein

Dehabituation:
Bekannte Dinge aus der vertrauten Umgebung bekommen eine völlig neue Bedeutung, überaus deutliche Erinnerung an bestimmte Ereignisse, äußerst lebhafte Phantasie, gesteigerte Kreativität und Assoziationsvermögen

Ozeanische Selbstentgrenzung und Angstvolle Ich-Auflösung müssen nicht getrennt auftreten. Es kann auch sein, dass sie gleichzeitig oder abwechselnd vorkommen. Häufig, aber nicht immer treten auch Müdigkeitserscheinungen und Geräuschhalluzinationen auf, welche Dittrich von "Objekthalluzinationen" unterscheidet.

Quellen:
http://www.eve-rave.net/abfahrer/kultur.sp?text=3
http://web.hs-merseburg.de/~barsch/Inhalte/Region/8Halluzinogene.pdf
http://sterneck.net/cybertribe/drogen/wolfgang-sterneck-psychedelika/index.php