Lachgas

Substanz

Lachgas (Distickstoffmonoxid) ist ein schmerzstillend wirkendes Narkosemittel, das in niedrigen und mittleren Dosierungen leicht dissoziativ wirkt. Es ist als Gas in grauen oder silbernen Kapseln [für Sahnespender] oder in Gasflaschen verschiedener Größe erhältlich. Das Gas ist farb- und geruchlos, nicht brennbar und schmeckt ein wenig süßlich. Es wird meist aus Luftballons inhaliert, seltener auf Grund verschiedener Risiken direkt aus den Sahnespendern oder Gasflaschen.

Andere Namen für Lachgas sind Nitrous, Nitrous Oxide oder N2O.

Wirkung

Das Gas hat eine starke analgetische [schmerzstillende] Wirkung und einen schwachen narkotischen [einschläfernden] Effekt. Der Rausch setzt unmittelbar nach dem Inhalieren ein, ist kurz, tief und hält ein paar Sekunden bis zu 2 Minuten an.

Es gibt sehr unterschiedliche Wirkungen: Prickeln am ganzen Körper, Wärmegefühl, Euphorie, Entspannung, gedämpftes Schmerzempfinden,eine tiefere Stimme und das Gefühl, losgelöst von Zeit und Raum zu sein.
Einige Konsument_innen berichten von einer bewusstseinserweiternden Wirkung. So kann es zu dem Gefühl eines tieferen Verständnisses »von den Dingen« oder der Ahnung einer »höheren Wirklichkeit« kommen. Auch das Gefühl „nicht mehr eins zu sein“ bis hin zum Verlust des Gefühls für die eigene Person ("Ich–Ausflösung") kann auftreten.

Möglich sind leichte optische Halluzinationen: bei geöffneten Augen Sicht durch einen Schleier, Tunnelblick; bei geschlossenen Augen möglicherweise veränderte Formen und Farben. Ebenso können akustische Halluzinationen auftreten: Geräusche und Musik werden gedämpfter oder intensiviert wahrgenommen, oftmals kommt es zu Hall- und Echoeffekten.

Aufgrund der ausgelösten Euphorie lachen viele Konsument_innen laut und herzlich. Dies geschieht häufig gegen Ende des Rausches und kommt vor allem vor, wenn Lachgas in Gesellschaft konsumiert wird.

Die Erinnerung an das Erlebte schwindet sehr schnell.

Nachweis

Das Gas ist ca. eine Stunde nach Einnahme wieder vollständig aus dem Körper ausgeschieden.

Kurzzeitnebenwirkungen

Es kann zu Übelkeit und durch einen Druckanstieg im Innenohr zu Schwindelgefühlen kommen. Erschöpfungszustände, Blähungen, Taubheitsgefühle in Armen und Beinen, Kopfschmerzen und eventuell Zuckungen [auch Krämpfe] der Gliedmaßen sind weitere mögliche Begleiterscheinungen.

Ein weiteres Risiko ergibt sich aus der eventuell falschen Mischung von Sauerstoff und Lachgas. Wenn der Anteil des Lachgases in der Atemluft über 90% beträgt, drohen Bewusstlosigkeit und sauerstoffmangelbedingte Hirn- und Organschäden. Bei zu großem Sauerstoffmangel im Blut und in der Atemluft besteht Erstickungsgefahr.

Unmittelbar nach dem Konsum können kurzzeitige depressive Verstimmungen eintreten, die teilweise mit Schuldgefühlen einhergehen. Oftmals besteht ein starkes Verlangen, das Konsumerlebnis direkt zu wiederholen (Craving). Bei exzessivem Konsum sind Herzrhythmusstörungen und ein rapider Abfall des Blutdrucks möglich.

Langzeitnebenwirkungen

Da der Gebrauch von Lachgas einen Druckanstieg im Innenohr auslöst, kann es vor allem bei Konsument_innen mit Mittelohrentzündungen bzw. Problemen mit dem Trommelfell zu Schädigungen des Ohrs oder zu Hörverlust kommen.

Bei regelmäßigem bis hochdosiertem Konsum können Nervenschädigungen auftreten, da Lachgas in den Wirkmechanismus von Vitamin B12 ["Nervenschutz-Vitamin"] eingreift – dies kann zu Störungen des Bewegungsapparates führen in Form von Kribbeln und anschließender möglicher Taubheit in den Gliedmaßen].

Durch zu häufigen Sauerstoffmangel im Blut [Hypoxia] können Gehirnzellen unwiederbringlich zerstört werden. Dies kann sich auf die Merkfähigkeit auswirken und zu Konzentrationsschwäche führen.

Bei Untersuchungen von Anästhesist_innen, die berufsbedingt ständig Lachgas ausgesetzt sind, wurde deutlich, dass es bei dauerhaftem Einatmen zu Störungen der Blutbildung und der Fortpflanzungsfähigkeit kommen kann. Des Weiteren kann chronischer Konsum zu vielfältigen Schäden im Zentralen Nervensystem (ZNS) führen, da verschiedene Arten von Nervengewebe geschädigt werden könnten. Als mögliche Folgen diskutiert werden auch (Schleim)Hautkrebs sowie Leber- und Nierenschäden.

Eine physische (körperliche) Abhängigkeit ist nicht bekannt. Bei Dauerkonsument_innen kann es jedoch zu einer ausgeprägten psychischen Abhängigkeit kommen. Damit verbunden ist eine rasche und erhebliche Dosissteigerung auf Grund einer sich entwickelden Gewöhnung.

Wechselwirkungen

Grundsätzlich gilt: Die Risiken beim Mischkonsum sind höher als beim Monokonsum. Dein Körper und Deine Psyche werden stärker belastet. Einzelne Substanzwirkungen können verstärkt oder geschwächt werden. Es können auch ganz unerwartete Effekte auftreten, die nicht der Summe der Einzelwirkungen entsprechen. Die Wirkungen der jeweiligen Substanzen können zu verschiedenen Zeiten eintreten und unterschiedlich lange anhalten, dadurch können Wechselwirkungen zeitverzögert auftreten. 

Lachgas + Alkohol: Übelkeit und Erbrechen möglich!

Lachgas + Cannabis: Der Lachgasrausch wird verlängert und der Cannabisrausch stark intensiviert. In hohen Dosen gefährlich, da beide Substanzen den Blutdruck senken können. Vorsicht beim Umgang mit Joints. Lachgas wirkt brandfördernd!

Lachgas + Poppers: Die stark blutdrucksenkende Wirkung dieser Kombination kann zu einer schlechteren Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff führen. Daher ist von der gleichzeitigen Einnahme dringend abzuraten.

Lachgas + Halluzinogene [z.B. LSD, Zauberpilze, Meskalin]: Lachgas kann die Wirkung einer halluzinogenen Substanz extrem verstärken. Selbst nach dem scheinbaren Abklingen der bewusstseinserweiternden Wirkung kann diese durch N2O wieder hervorgerufen werden.

Lachgas + Dissoziativa [z.B. DXM, DHM, Ketamin]: Von der gleichzeitigen Einnahme ist abzuraten, da es zu einer angstvollen Ich-Auflösung kommen kann. Das Risiko eines Blackouts steigt enorm.

Lachgas + Opioide [z.B. Codein, Heroin, Tramadol]: Von der gleichzeitigen Einnahme ist abzuraten, da die Kombination zu einer Atemdepression führen kann.

Safer Use

Risikofreien Konsum gibt es nicht! Die Anwendung von Safer-Use-Regeln kann helfen, Risiken zu minimieren:

(Sehr) Jungen Menschen raten wir vom Lachgaskonsum ab. Je früher Du mit dem Lachgaskonsum beginnst, desto höher ist das Risiko von Entwicklungsbeeinträchtigungen bzw. andauernden Nach- und Nebenwirkungen.
Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Epilepsie oder Neigung zu Krampfanfällen, mit Atemwegserkrankungen wie Asthma und Personen mit Mittelohrentzündung raten wir ebenfalls vom Konsum ab. Personen, die schon einmal Rippenbrüche oder einen Tauchunfall hatten, sollten kein Lachgas konsumieren, da dies eventuell vorhandene Lungenprobleme verstärken kann!

Die gleiche Dosis ruft bei Menschen mit geringem Körpergewicht, kleiner Statur oder wenig Körperfett in der Regel eine stärkere Wirkung hervor, u.a. weil sich Lachgas vor allem an die Fettzellen bindet. Auch die Risiken steigen. Pass also die Dosis Deinem Körper an.

Achte darauf, dass immer jemand in Deiner Nähe ist, der/die im Notfall Hilfe leisten oder holen kann.

Stell sicher, dass sich in den Kapseln [grau/silbern] N2O befindet! Verwechslung mit [goldenen] CO2 [Kohlenstoffdioxid]-Kapseln führt zu einer erhöhten Erstickungsgefahr und kann zu bleibenden Lungenschäden führen.

Verwende kein technisches Lachgas, das beim Autotuning benutzt wird! Es enthält Verunreinigungen, die lebensgefährlich sein können.

N2O sollte niemals direkt aus der Kapsel oder Gasflasche inhaliert werden! Beim direkten Konsum von Lachgas aus den Kapseln oder den Gasflaschen besteht die Möglichkeit, dass die Lippen an den Gasquellen festfrieren – immer zuerst in einen Luftballon/ein Kondom o.ä. umfüllen!
Benutzt man zur Inhalation aus Gasflaschen eine Maske, die Mund und Nase umschließt, kann man diese nicht mehr vom Mund lösen, wenn das Gas in der Flasche vollständig aufgebraucht ist - es besteht Erstickungsgefahr!

Gasflaschen sollten nur senkrecht stehend verwendet werden. Liegt die Flasche, kann es zum Austritt von flüssigem N2O kommen, der Kontakt mit Haut oder Augen kann schwere Schäden verursachen. 

Es wird empfohlen, Luftballons vor dem Benutzen auszuwaschen, um gesundheitsschädliches Talkum zu entfernen.

WICHTIG: Immer zwischendurch Luft holen [Luftballon mehrmals absetzen und nicht so viel nacheinander inhalieren], um eine ausreichende Sauerstoffzufuhr sicherzustellen! 

N2O möglichst im Sitzen oder Liegen konsumieren, da Gleichgewichtsprobleme auftreten können [Sturzgefahr].

Bei Überdosierung hilft es, über eine kurze Zeit in schneller Folge ein- und auszuatmen (Hyperventilation). Dadurch wird das Gas aus dem Körper transportiert.

Vermeide möglichst Mischkonsum, besonders wenn Du eine Substanz zum ersten Mal ausprobierst. Das Risiko unkalkulierbarer und z.T. lebensbedrohlicher Wechselwirkungen ist immer höher, wenn Du mit einer oder mehreren konsumierten Substanz(en) noch keine Erfahrungen hast.

Insbesondere bei wiederholtem Konsum auf eine gute Vitamin-B12-Versorgung achten [z.B. Cornflakes, Multivitaminsäfte, zur Not mit Präparaten aus der Apotheke] Dies gilt insbesondere für Veganer_innen!

Während eines Lachgasrausches nicht Auto oder Fahrrad fahren!

Lachgas wirkt brandfördernd, daher ist bei offener Flamme und beim gleichzeitigen Umgang mit Zigaretten oder Joints Vorsicht geboten!

Versuche nicht die Kapseln mit Hammer und Nagel zu öffnen. Aufgrund des enormen Drucks und der Temperatur der Kapsel beim Öffnen [-91°C] kann es zu gefährlichen Verletzungen kommen.

Verwechsle den Konsum von Lachgas nicht mit dem Schnüffeln von Feuerzeuggas [Butangas], Deosprays [Propan- und Butangas], Eisspray [Butan-, Propan- und Pentangas] oder ähnlichem. Bei diesen Stoffen sind die Nebenwirkungen und die gesundheitliche Schädigung bedeutend größer und es ist eine Vielzahl von Todesfällen bekannt!

Wenn Du Deinen Konsum verändern willst, beenden möchtest oder einfach nur Fragen hast, scheu Dich nicht, eine Einrichtung Deiner Wahl zu kontaktieren.

Schwangerschaft/Stillzeit

Während der Schwangerschaft kein Lachgas konsumieren! Bei schwangeren Frauen ist das Risiko einer Fehlgeburt erhöht. Bei regelmäßigem Konsum können durch den Sauerstoffmangel Organmissbildungen, Entwicklungsbeeinträchtigungen und/oder Nervenschädigungen beim ungeborenen Kind hervorgerufen werden. Ob N2O auch in die Muttermilch übergeht, ist noch nicht ausreichend erforscht. Konsumverzicht wird trotzdem auch während der Stillzeit empfohlen.

 

Erfahrungsberichte

Hier findest Du Erfahrungsberichte von Lachgas Konsument_innen.

Quellen:

Kategorie: 

Haftungsausschluss: 

Diese Informationen sind keine Anleitung oder Motivierung zum Drogenkonsum ! Auch wenn Lachgas relativ frei erhältlich ist, ist der Konsum dieser Substanz mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Lachgas, das zu technischen Zwecken verwendet wird, ist legal, d. h. Besitz, Erwerb und die Weitergabe sind nicht strafbar. Medizinisches Lachgas unterliegt dem Arzneimittelgesetz (AMG). Wird medizinisches Lachgas zu Rauschzwecken (z. B. in gefüllten Luftballons) verkauft, so kann dies als unerlaubtes Inverkehrbringen eines Arzneimittels geahndet und strafrechtlich verfolgt werden. Dieser Text wurde nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Dennoch können Irrtümer nicht ausgeschlossen werden. Die Drug Scouts übernehmen keine Haftung für Schäden, die durch irgendeine Art der Nutzung der Informationen dieses Textes entstehen.