Psychose

Unter Psychosen werden Veränderungen bzw. Störungen im Denken, Erleben und in der Realitätswahrnehmung eines Menschen und damit eine mehr oder weniger schwerwiegende, psychische Erkrankung verstanden. In den klinischen Klassifikationssystemen (ICD-10, DSM-IV) ist der Begriff inzwischen allerdings abgeschafft worden. In der aktuellen Namensgebung dieser Systeme kommt nur noch das Adjektiv "psychotisch" vor, "Psychose" wurde in "psychotische Störung" umbenannt. Psychosen werden in organische und nicht-organische unterteilt. Sie sind behandelbar, bei der Mehrheit der Erkrankten nehmen sie einen günstigen Verlauf.

Es wird davon ausgegangen, dass Fehlreaktionen im Gehirn, welche auf biochemischen Vorgängen basieren, zumindest als eine Ursache für das Auftreten psychotischer Störungen verantwortlich gemacht werden können.  

Eine Psychose kann für den Betroffenen/die Betroffene viele Einschränkungen und Beeinträchtigungen im sozialen, beruflichen u.a. Bereichen mit sich bringen. Des weiteren ist das gesellschaftlich vorherrschende Bild eines psychisch kranken Menschen für denjenigen/diejenige oft stigmatisierend und abwertend.

Mögliche Symptome einer Psychose (unvollständig)
  • Veränderung der Gedanken und deren Interpretationen, Wahrnehmungsstörungen im Bezug auf den eigenen Körper, die Sinne ("etwas hören, sehen oder fühlen, was nicht real ist"), Wahnideen (Vorstellung, man sei eine religiöse oder politische Persönlichkeit, man besitzt unnatürliche/übermenschliche Kräfte oder Fähigkeiten ...)
  • Sprachverarmung, Veränderung des Sprechens (zusammenhanglose, abgehackte, unvollständige Sätze ...)
  • starre, unbewegliche Mimik/Gestik
  • Verlust der Identität, Veränderung und/oder Entfremdung der Persönlichkeit
  • akustische und/oder optische Halluzinationen
  • Verfolgungswahn

Die einzelnen Symptome können aber auch im alltäglichen Leben auftreten. Das muss nicht bedeuten, dass man eine Psychose hat.

Behandlungsmöglichkeiten

Eine Psychose ist ein Krankheitsbild, das von den Krankenkassen anerkannt wird und dessen Behandlung von der jeweiligen Kasse übernommen wird (allerdings nicht immer ohne Probleme). Vor einer ambulanten oder stationären Behandlung ist es ratsam, sich mit dem jeweiligen zuständigen Kostenträger in Verbindung zu setzen, um einen Antrag bezüglich der anfallenden Kosten zu stellen.

Dies lässt sich auch mit einem Psychotherapeuten/einer Psychotherapeutin absprechen:
Eine PsychotherapeutInnen-Suchmaschine mit Auswahlmöglichkeiten für Region/Stadt, Zielgruppen, Problembereiche und therapeutische Verfahren findest Du im Internet:
www.psychotherapiesuche.de
 
Wenn der seelische Zustand für eine/n selbst belastend oder unerträglich wird, ist es ratsam, den Hausarzt/die Hausärztin aufzusuchen, um mit diesem/dieser eine eventuelle Anmeldung bzw. ein Vorgespräch in einer Klinik vorzubereiten. Die Behandlung kann ambulant oder stationär in einer psychiatrischen Klinik erfolgen. Vor oder während eines Klinikaufenthalts kann - wenn erforderlich - eine ambulante Therapie in Anspruch genommen werden.

Oft werden psychotische Störungen mit Medikamenten behandelt. Hierbei werden Psychopharmaka, sogenannte Neuroleptika eingesetzt. Die medikamentöse Behandlung kann mit psychotherapeutischen Verfahren (stützende Gespräche) und soziotherapeutischen Maßnahmen (lebenspraktische Maßnahmen) kombiniert werden.

Eine geeignete Hilfe muss alle drei Ebenen beachten - Psycho-, Sozio- und Pharmakotherapie und effektiv verbinden. Hilfeangebote sind allerdings nicht selten einseitig biologisch-medizinisch ausgerichtet: Medikamente werden zu oft unüberlegt und schnell verordnet.

Der Begriff "Psychose" sollte, wie alle anderen psychischen Krankheitsbilder auch, sehr sorgsam verwendet und kritisch betrachtet werden. Sie wird mitunter zu schnell, leichtfertig und fehlerhaft diagnostiziert - auch von dem Betroffenen selbst. Es besteht die Gefahr, dass Krankheitsbilder wie Psychose, Schizophrenie, Neurose usw. Menschen stigmatisieren - und ihnen damit mehr schaden als nützen.

Unter folgendem Link findest Du Infos zur Antipsychiatrie-Bewegung, die sich kritisch mit Psychiatrie auseinandersetzt.

http://www.sgipt.org/medppp/antips1.htm

Was tun, wenn ein mir nahestehender Mensch psychose-ähnliche Symptome aufzeigt?

Günstig wirkt sich aus, wenn Angehörige den Menschen in seiner Krankheit so weit wie möglich akzeptieren. Werden der Person dagegen Gleichgültigkeit, feindselige Ablehnung oder soziale Ausgrenzung entgegengebracht, wird sich dies negativ für den Verlauf auswirken.
Für eine/n Angehörige/n oder Partner/in kann es schwierig sein, wenn die Person einer Behandlung oder Therapie ablehnend gegenübersteht, obwohl das Krankheitsbild stark ausgeprägt ist. Wenn der Druck oder die Beziehung unerträglich wird, kann es hilfreich sein, dass Angehörige oder PartnerInnen selbst eine Beratungsstelle aufsuchen.

Psychisch erkrankte Menschen sollten die Verantwortung für ihr Tun und Lassen weitestgehend behalten dürfen, auch wenn ihr Handeln nicht immer verstanden wird oder ihre Lebensentwürfe manchmal ungewöhnlich sind. Menschen, welche Psychose-Erfahrungen hatten/haben, können gleichzeitig und gerade deshalb, eigenwillige außergewöhnliche Persönlichkeiten sein.