Research Chemicals (RC)

Der Begriff "Research Chemicals" (Forschungschemikalien) bezeichnet im Englischen eine Vielzahl von Substanzen, die meist im Rahmen von chemischer und pharmazeutischer Forschung hergestellt werden bzw. als Nebenprodukt anfallen. Er dient als Oberbegriff für neue Substanzen, deren Wirkungen bislang kaum erforscht sind.

Dieser Artikel bezieht sich nur auf psychoaktiv wirksame RCs, die (auch) als „Freizeitdrogen“ Verwendung finden. RCs bezeichnen in diesem Zusammenhang entweder Stoffe, deren molekulare Struktur der von vorhandenen (illegalisierten) Substanzen ähnelt oder Substanzen mit völlig neuen chemischen Strukturen, deren Wirkungen aber denen bereits existierender (illegalisierter) Drogen ähneln. Link zu Pilleninfo.

Die meisten Research Chemicals sind weitestgehend unerforscht. Über Wirkungen und vor allem (langfristige) Nebenwirkungen ist nur sehr wenig bis gar nichts bekannt. Es gab im Zusammenhang mit dem Konsum von verschiedenen RCs weltweit bereits eine Reihe dokumentierter Todesfälle durch Überdosierung, falsche Beschriftungen, riskante Konsumformen, Mischkonsum und allergische Reaktionen.

Am häufigsten verbreitet und mit dem schnellsten Zuwachs an neuen Substanzen sind Chemikalien aus der Stoffgruppe der Piperazine, da sie sehr kostengünstig und relativ einfach herstellbar sind. Zugleich sind sie aber wegen der unerwünschten Nebenwirkungen (z.B. Übelkeit) nicht ganz so „beliebt“. Häufig werden sie den Endkonsument_innen als Ectasytabletten (MDMA) verkauft und sind in der Regel Stoffmischungen verschiedener Piperazine.

Zu folgenden Research Chemicals kannst Du Informationen auf unserer Seite finden:
4-FA/4-FMP, Alpha-PPP, 2C-B, 2C-B-FLY, ButylonBZPm-CPP, MDAI, Mephedron, Methoxetamin, Methylon, Naphyron, PMA und TFMPP. Außerdem gibts Infos zu Räuchermischungen.

Eine übersichtliche Seite mit Informationen zu Inhaltstoffen diverser (Il)Legal Highs findet ihr hier:
https://legal-high-inhaltsstoffe.de/de/substanzen/analysen.html

Testergebnisse zu Pillen und als RC erworbene Substanzen findet ihr hier:
http://www.ecstasydata.org/

Rechtlicher Status

Einige Research Chemicals unterliegen in Deutschland bereits dem BtMG. Dazu gehören:

2-CB
2C-C
2C-D (2C-M)
2C-E
2C-P
2-CT-7
2CI
2-Fluormethamfetamin (2-FMA)
3-Fluormethamfetamin (3-FMA)
3-Fluormethcathinon (3-FMC)
3-Methylmethcathinon (3-MMC)
3,4-Dimethylmethcathinon (3,4 DMMC)
4-FA
4-Fluortropacocain
4-FMC
4-MA
4-MEC
4-MTA
4-Methylbuphedron (4-MeMABP)
5-(2-Aminopropyl)indol (5-IT)
5-APB und 6-APB (Benzo Fury)
5F-PB-22 (5F-QUPIC)
5-Meo-DIPT
25B-NBOMe (2C-B-NBOMe)
25C-NBOMe (2C-C-NBOMe
25I-NBOMe (2C-I-NBOMe)
AB-FUBINACA
AB-PINACA
AET
AH-7921(Doxylam)
AMT
APICA (SDB-001,2NE1)
BB-22 (QUCHIC)
Buphedron
Butylon
Desoxypipradrol (2-DPMP)
Dimethocain (DMC,Larocain)
2,5-Dimethoxy-4-iodamfetamin(DOI)
Dimethoxymethamphetamin (DMMA)
DOB
DOC
EAM-2201 (5-Fluor-JWH-210)
Ethcathinon
Ethylphenidat
N-Ethylbuphedron (NEB)
4-Ethylmethcathinon (4-EMC)
Ethylon (bk-MDEA,MDEC)
FDU-PB-22
p-fPP
FUB-PB-22
MBZP
m-CPP
MDMC
MDPV
Mephedron
Methedron
Methiopropamin (MPA)
Methoxetamin (MXE)
p-Methoxyethylamphetamin (PMEA)
Naphyron
PB-22 (QUPIC)
Pentedron
Pentylon (bk-MBDP)
α-Pyrrolidinovalerophenon (α-PVP)
STS-135 (5F-2NE1)
TFMPP
THJ-2201 (AM-2201Indazol-Analogon)
Thienoamfetamin (Thiopropamin).

Andere sind im Grundstoffüberwachungsgesetz (GÜG) oder Arzneimittelgesetz (AMG) gelistet. Wiederum andere sind bisher legal. Einige dieser Substanzen werden deshalb als (halb)legaler Ersatz für bekannte illegalisierte Substanzen vermarktet und über das Internet vertrieben.

Auch wenn viele RCs (noch) nicht im BtMG gelistet sind, kannst Du Dich beim Erwerb und Handel strafbar machen. So kann bspw. auch der Verkauf/Kauf von einer „Ecstasypille“, die ausschließlich ein nicht illegalisiertes RC enthält, strafrechtlich verfolgt werden. Auch Autofahren unter Einfluss von RCs kann straf- und/oder ordnungsrechtliche Konsequenzen haben (Trunkenheitsfahrt nach § 316 Strafgesetzbuch).

Mit dem Verbot verschiedener RCs (v.a. in Großbritannien) kommen immer wieder neue Substanzen auf den Markt, über deren eventuelle Risiken beim Konsum Unklarheit herrscht.

Wirkung

Entsprechend der Vielzahl der Substanzen unterscheiden sich die Research Chemicals in Ihren Eigenschaften erheblich, z.B. in Wirkung, Wirkdauer, körperlicher Verträglichkeit und Nebenwirkungen.
Verbreitet sind vor allem RCs mit folgenden Wirkungen:

  • aktivierend und euphorisierend (ähnlich Amphetamin),
  • entaktogen (das Innere berührend) und empathogen (sich in Andere hinein fühlen können, ähnlich MDMA)
  • halluzinogen (ähnlich LSD)

Beruhigend/narkotisierend wirkende oder opioidähnliche Research Chemicals sind im Moment eher selten erhältlich.

Wirkdauer: Es gibt einige halluzinogene RCs mit Wirkzeiten von weit mehr als 24 Stunden. Bis zur vollen Entfaltung der Wirkung können dabei mitunter mehr als 3 Stunden vergehen.

Unterschiedlich groß ist auch der Bereich zwischen wirksamer und tödlicher Dosierung. Manche Substanzen sind schon bei sehr geringfügig höherer Dosierung lebensgefährlich, andere haben eine sehr große Wirkungsbreite. Substanzen, die die gleiche chemische Formel haben, können je nach Herstellungsprozess in verschiedenen chemischen Formen vorkommen (z.B. als Base oder Salze). Die Wirkdosis kann sich hier sehr deutlich unterscheiden.

Nachweis

Unseres Wissens gibt es für RCs keine speziellen Drogentests. Da RCs in ihrer chemischen Struktur oft illegalisierten Substanzen ähneln, ist es denkbar, dass einige von Ihnen einen positiven Test auf gängige illegalisierte Substanzen (Speed, MDMA) hervorrufen.

Safer Use

Risikofreien Konsum gibt es nicht! Wer trotzdem konsumiert, sollte sich mit den Safer-Use-Regeln vertraut machen:

Der (fast) legale Status der RCs wiegt User häufig in falscher Sicherheit. Aber auch bei der legalen Produktion können Fehler auftreten und/oder Substanzen gestreckt werden. Informiere Dich so gut wie möglich und wäge Nutzen und Risiken sorgfältig ab, falls Du Dich für den Konsum von Research Chemicals entscheidest!
Beim Konsum von RCs ist man immer auch „Versuchskaninchen“, umso wichtiger ist es, Safer-Use-Regeln zu beachten.

Verschiedene Konsumformen bringen auch unterschiedliche Risiken mit sich. Bei manchen RCs sind bestimmte Konsumformen (Rauchen, Injizieren, Sniefen) besonders riskant. Die passende Dosierung kann je nach Konsumform sehr unterschiedlich sein. Es ist unbedingt notwendig, sich vor dem Konsum so genau wie möglich über die Substanzen (Wirkung, Dosis, Nebenwirkungen etc.) und Quellen zu informieren und die Dosis nicht nach „Gefühl“ und Augenmaß abzuschätzen.

Hast Du psychische oder körperliche Erkrankungen (u.a. Herz-Kreislauf-Probleme, Leber- und Nierenerkrankungen), setzt Du Dich womöglich einem besonderen gesundheitlichen Risiko aus, wenn Du RCs konsumierst.

Konsumiere nur in einer Dir angenehmen Umgebung und wenn Du Dich gut fühlst. Konsumiere möglichst nicht allein, unerwartete Nebenwirkungen können auftreten! Achte darauf, dass jemand in Deiner Nähe ist, der über Deinen Konsum Bescheid weiß und im Notfall Hilfe holen oder leisten kann.

Pass die Dosierung Deinem Körpergewicht an. Dosiere zuerst immer niedrig ("antesten"). Nicht gleich nachlegen, wenn die Wirkung nicht unmittelbar eintritt. Wenn Du nach gefühlt abklingender Wirkung nachlegen willst, denk daran, dass sich noch Reste der vorhergehenden Dosis in Deinem Körper befinden, die erst noch anfangen können zu wirken. Die Wirkung kann dann bei erneutem Nachlegen deutlich stärker ausfallen; eine Überdosierung ist möglich. Beachte beim Nachlegen auch, dass die Wirkung der ersten Dosis bis zu 3h „auf sich warten lassen kann“.

In Onlineshops werden teilweise unbekannte RCs unter dem Namen oder der Strukturformel bereits bekannter Substanzen angeboten. Die Beschriftung ist nicht immer richtig, man kann nicht sicher sein, welche Substanz man erhält. Zudem gibt es einige Internethändler, die nach Vorauszahlung keine Ware versenden und somit die vorhandene Nachfrage betrügerisch ausnutzen (denn eine Anzeige bleibt mit hoher Wahrscheinlichkeit aus).

Mischkonsum ist wegen der unvorhersehbaren und noch unbekannten Wechselwirkungen sehr gefährlich. Verzichte darauf!

Wenn eine Substanz Dich sexuell stimuliert: verhüte mit Kondomen!
Safer Sex schützt vor ungewollter Schwangerschaft, Ansteckung mit HIV und anderen Krankheitserregern.

Kein Auto fahren, keine Maschinen bedienen!

Gönne Dir nach Ausklingen der Wirkung genügend Ruhe und Schlaf!

Beim Tanzen im Club: Leg auch mal eine Pause ein und geh an die frische Luft!

Nimm ausreichend (alkoholfreie) Getränke zu Dir!

Konsumpausen und Erholungsphasen einplanen und einhalten.

Safer Sniefen

Zerhacke das Pulver so klein wie möglich und achte auf eine saubere Unterlage. Benutze immer Dein eigenes, sauberes Röhrchen – am besten eins mit stumpfen oder abgerundeten Rändern. So beugst Du Verletzungen Deiner Nasenschleimhäute und Infektionen wie Herpes und Hepatitis vor. Bakterien und Viren am Ziehröhrchen oder an der Banknote können durch die gemeinsame Nutzung an andere Personen übertragen werden. Nach dem Konsum: Nase spülen (1 TL Meersalz auf 1/4 l Wasser); noch besser: isotonische Kochsalzlösung aus der Apotheke.
Tabletten nicht sniefen! Bindemittel können die Lunge verkleben.
Ausführliche Infos zu Safer Sniefen gibts hier.

Female Special/ Schwangerschaft/Stillzeit

Einige RCs können in den Monatszyklus eingreifen und die Periode frühzeitig auslösen. Du solltest zur Sicherheit Tampons oder Binden dabei haben.
Auch wenn der Monatszyklus gestört werden sollte (unregelmäßige oder ausbleibende Periode), ist eine Schwangerschaft möglich!
Konsumierst Du RCs und nimmst die Anti-Baby-Pille, ist es denkbar, dass die empfängnisverhütende Wirkung der Pille abgeschwächt wird.
Treten Erbrechen oder Durchfall bis zu 4 h nach Einnahme der Anti-Baby-Pille auf, gelangt u.U. zu wenig Wirkstoff der Pille in den Blutkreislauf, so dass eine Schwangerschaft möglich ist.

DESHALB: mit Kondomen vor einer ungewollten Schwangerschaft und sexuell übertragbaren Krankheiten schützen!

Verzichte während einer Schwangerschaft und Stillzeit unbedingt auf den Konsum von Research Chemicals, da es zu eventuellen Auswirkungen bisher kaum Informationen gibt. Einige RCs haben eine gebärmutterstimulierende Wirkung und können Frühgeburten auslösen.

Mehr Infos auf
http://www.emcdda.europa.eu/publications/drug-profiles/bzp/de
http://www.emcdda.europa.eu/publications/drug-profiles/synthetic-cathinones/de

Online-Befragung des Centre for Drug Research zum Konsum von Legal Highs in der BRD (2011)
/sites/default/files/Abschlussbericht_Legal_Highs.pdf (79 Seiten, 551 kB)

Abstracts der Vorträge bei der 1. Internationalen Konferenz zu neuen psychoaktiven Substanzen in Budapest 2012 (80 Seiten, in englisch)

26. Verordnung zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher Vorschriften (Juli 2012)

27. Verordnung zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher Vorschriften (17. Juli 2013)

28. Verordnung zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher Vorschriften (16. Oktober 2014)



 

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Haftungsausschluss: 

Diese Informationen sind keine Anleitung zum Drogenkonsum! Viele Research Chemicals unterliegen dem GÜG, dem AMG oder dem BtMG. Andere sind legal erhältlich.
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