Ritalin

Wirkstoff: Methylphenidat

Methylphenidat, der Wirkstoff von Ritalin, ist ein Piperidin-Derivat und gehört zur Gruppe der substituierten Phenylethylamine. Es ist ein psychomotorisches (verhaltensbeeinflussendes) Stimulans, das in der chemischen Struktur mit Amphetamin verwandt ist und auch ein ähnliches Wirkungsspektrum besitzt.
Durch die Einnahme wird der Stoffwechsel des Gehirns beeinflusst, so dass die Noradrenalin- und Dopaminmenge an den entsprechenden Synapsen ansteigt.

Ritalin wird als Arzneimittel in der Kinderpsychiatrie eingesetzt. Es soll nach Herstellerangaben Kindern mit "hyperkinetischen Verhaltensstörungen (ADS= Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom) im Rahmen einer Gesamttherapie" verordnet werden. Ritalin ist kein Heilmittel, es ersetzt lediglich die fehlenden Botenstoffe im Gehirn. Gegebenenfalls muss es deshalb jahrelang eingenommen werden.

Erklärung zum Krankheitsbild AD(H)S:

Kinder mit dieser Diagnose leiden unter Aufmerksamkeitsstörung und können hyperaktiv sein.

In den Hirnregionen, in denen Aufmerksamkeit und Bewegung gesteuert werden, fehlt der Neurotransmitter Dopamin. Neurotransmitter sind chemische Substanzen, die an den Synapsen (Endungen an Nerven) freigesetzt werden und bei der Kommunikation von Neuronen vermittelnd eingreifen. Sie haben also die Funktion eines Botenstoffes. Dopamin ist so ein Signalübertragungsstoff und beeinflusst im zentralen Nervensystem emotionale und geistige Reaktionen und steuert Bewegungsentwürfe, zb. die Mimik. Fehlt Dopamin, ist die Datenverarbeitung im Gehirn gestört. Warum das so ist, haben die Forscher bisher nicht entschlüsselt.

Ritalin wird für die Behandlung von Narkolepsie, eine Schlaf-Wach-Störung mit Symptomen wie Tagschläfrigkeit, Kataplexie (Körperstarre), fraktioniertem Nachtschlaf ("unerholsamer Schlaf") eingesetzt.

Applikationsformen/Anwendung:

Pharmazeutische Tabletten werden zumeist oral eingenommen oder auch nasal als Pulver. Es wird auch beschrieben, dass die Tabletten in Wasser aufgelöst und gespritzt werden, was mit gesundheitlichen Schädigungen einhergehen kann (siehe Safer Use). 

Wirkung:

Niedrige orale Dosen (2,5-20 mg) führen zu Reaktionen, die den biochemischen Vorbereitungen des Körpers in Schreck-, Flucht- oder Angriffsreaktion entsprechen: erhöhter Blutdruck, beschleunigter Puls, Entspannen der Bronchialmuskulatur, gesteigerte Aufmerksamkeit, Euphorie, Erregung, Wachheit, vermindertes Müdigkeitsgefühl, Appetitverlust, Stimmungsaufhellung, verstärkte motorische Aktivität und Rededrang, die Leistungsfähigkeit nimmt kurzzeitig zu, Geschicklichkeit und Feinmotorik können sich verschlechtern. Die Pupillen erweitern sich, Sauerstoff- und Glucosekonzentration im Blut steigen an.

In mäßigen Dosen (20-50 mg) kommt es zur Stimulierung der Atmung, zu leichtem Zittern, Unruhe, weiterer Steigerung der motorischen Aktivität, Schlafstörungen und ausgeprägteren Erregungszuständen. Müdigkeit und Appetit werden stärker unterdrückt. Zum Teil können auch empathogene und halluzinogene Effekte auftreten.


(Lit.: Christian Rätsch: Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen. Botanik, Ethnopharmakologie und Anwendung. Wiss. Verl.-Ges. Aarau, AT Verl., Stuttgart: 1998, S. 836.)

Kurzzeitnebenwirkungen

  • Angstgefühle
  • Schlafstörungen
  • Reizbarkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Schweißausbrüche, Hitzewallung bis hin zum Fieber
  • Krämpfe
  • Konzentrationsmangel
  • Herzrasen, Störung des Herzrhythmus

Überdosierung

Für nicht daran gewöhnte Personen kann schon eine Dosis ab 10 mg zuviel sein. Das führt z.B. zu Krämpfen, Fieber, Zittern bis hin zu Kreislaufkollaps und Atemlähmung.
In diesem Fall unbedingt einen Notarzt/eine Notärztin (112) rufen!

Einige unerwünschte Wirkungen können mit andauernder Einnahme abklingen. Weitere Nebenwirkungen können Übererregbarkeit, Müdigkeit, Traurigkeit, Ängstlichkeit, Weinerlichkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Gewichtsverlust, Mundtrockenheit, Durchfall oder Verstopfung sein. Gelegentlich treten nach der Einnahme von Ritalin auf nüchternen Magen Übelkeit, Bauchschmerzen und/oder Erbrechen auf. 

Langzeitnebenwirkungen:

  • Auslösung von Psychosen und psychische Störungen sowie von Tics
  • Gewichtsverlust
  • Hautentzündungen und Infektionen infolge von Schlafmangel, unzureichender Ernährung oder dem Gebrauch unsteriler Injektionsbestecke
  • Libidostörungen und Impotenz
  • Es wird berichtet, dass der Langzeitgebrauch von Ritalin bei Kindern zu Wachstumsstörungen führt

Nach längerer Anwendung können beim plötzlichen Absetzen ausgeprägte Depressionen und Müdigkeit als Entzugssymptome auftreten. Die vollständige Normalisierung des Schlafmusters kann einige Wochen dauern. Bis heute liegen keine Hinweise vor, dass Ritalin abhängig macht.

Wechselwirkungen:

Wechselwirkungen beim Mischkonsum mit folgenden Substanzen sind besonders risikoreich:

Ritalin + Alkohol: Wechselwirkungen sind nicht kalkulierbar, Alkoholvergiftung möglich!
Ritalin + Cannabis: Cannabis kann die Wirkung von Ritalin möglicherweise verstärken, es können Halluzinationen auftreten!
Ritalin + Ecstasy: belastet den Kreislauf stark, noch stärkerer Flüssigkeitsverlust möglich!

Safer Use: 

Risikofreien Konsum gibt es nicht! Wer trotzdem konsumiert, sollte sich mit den Safer-Use-Regeln vertraut machen:

  • Ängstliche Personen, Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Schilddrüsenüberfunktion und psychischen Erkrankungen (Schizophrenie, Tourette-Syndrom, Depression etc.) sollten kein Ritalin konsumieren!
  • Alkoholfreie Getränke, viel Vitamin C!
  • Ruhepausen während des Konsums einlegen, um Überhitzung zu vermeiden.
  • Mischkonsum mit anderen Substanzen sollte unbedingt vermieden werden!
  • Konsumpausen einlegen!
  • Beim Sniefen unsere Safer-Sniefen-Infos beachten.
  • Ritalin auf keinen Fall im Straßenverkehr benutzen, da es die Fahrtüchtigkeit beeinflussen kann. Außerdem ist das Führen von Kraftfahrzeugen unter Ritalineinfluss eine Ordnungswidrigkeit (d.h., es wird mit einem Bußgeld geahndet).
  • Ritalin soll auf keinen Fall in Wasser gelöst und gespritzt werden, da die unlöslichen Füllmittel der Tabletten kleine Blutgefäße verstopfen und ernsthafte Schäden in der Lunge verursachen können.

Female Special:

  • Während der Schwangerschaft kein Ritalin konsumieren!
  • Eine Einschränkung der empfängniserhütenden Wirkung von Anti-Baby-Pillen ist nicht zu erwarten.
Ritalin unterliegt dem BtmG und jede Verschreibung ist meldepflichtig.

Aktueller Artikel:

12.09.2011: ADHS: Medikinet® retard wirkt auch in geringeren Tagesdosen

Erstmals wurde die Wirkung von Medikinet® retard und Concerta® bei Kindern und Jugendlichen mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) in einer realen Lebenssituation von Lehrern und Eltern bewertet und wissenschaftlich ausgewertet. Medikinet® retard besitzt im Vergleich zu Concerta® einen höheren Anteil an schnell freisetzendem Methylphenidat (MPH). Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass dadurch Medikinet® retard in äquivalenter Tagesdosis am Morgen eine höhere Wirksamkeit bei gleichzeitiger Nichtunterlegenheit am Nachmittag gegenüber Concerta® hat. Darüber hinaus kann unter Verwendung von Medikinet® retard mit einer geringeren Tagesdosis gegenüber Concerta® eine vergleichbare Wirksamkeit am Vormittag erreicht werden.
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