Rede der Voluntscouts auf der Global Space Odyssey 2005

Redebeitrag von Conny, freiwillige Mitarbeiterin bei den Voluntscouts.
7.5. 2005, Zwischenkundgebung im Clara-Zetkin-Park

Hallo ich bin Conny und bin Deligierte vom Freiwilligen-Kollektiv der Leipziger Drug Scouts.

Vor Ort auf Parties, auf Infoveranstaltungen und im Internet klären wir sachlich über das Pro und Contra von Rausch auf. Wir Voluntscouts treten für einen bewussten und eigenverantwortlichen Drogenkonsum, sowie die Legalisierung aller Drogen, nicht nur von Cannabis ein. Denn es gibt keine besseren oder schlechteren Drogen! Wir stehen für eine Drogenpolitik, die weder für noch gegen Drogen ist.

Um einen risikoärmeren und gesundheitsbewussten Drogenkonsum zu erreichen, und Konsumentinnen und Konsumenten zu einer selbstkritischen und selbstreflektierenden Haltung zu bewegen, muss die Illegalisierung psychoaktiver Substanzen und damit die Kriminalisierung ihrer User enden. Erst dann ist eine tabufreie und an der Realität orientierte Drogenarbeit wirklich möglich.
Es gibt begründete Motive, für eine humane Drogenpolitik zu kämpfen, mancher möchte die eigenen Kinder nicht im Gefängnis sehen, ein anderer hält das Recht der oder des Einzelnen, über sich selbst zu entscheiden, für verteidigenswert. Schließlich sind viele der Überzeugung, dass eine menschliche Drogenpolitik Grundlage für eine effektive Aufklärung über die Konsumrisiken und deren Minimierung notwendig ist.

Würde die Gesellschaft zusammenbrechen, wenn Drogen legalisiert und damit drogengebrauchende Menschen entkriminalisiert werden? - Nein.
Würden wir als Jugend im Sumpf der bösen Drogen versinken? Nein!
Der Konsum von Drogen wird nur durch Vorbild und Alltagskultur und natürlich durch eigene Erfahrungen erlernt. Hierzu muss der Staat als Gesetzgeber uns unser Recht zugestehen, selbst Verantwortung für uns und unser Leben zu übernehmen. Selbst wenn alle Drogen am Kaugummiautomaten verfügbar wären, bliebe es immer noch die freie Entscheidung des Einzelnen, Geld einzuwerfen. Hier dem Einzelnen die Fähigkeit zur freien Entscheidung abzusprechen, ist entmündigend. Dass es bei einer Freigabe aller Drogen eine altersgerechte Regelung geben muss, ist selbstverständlich.

Ist es zu verantworten, dass die grundlegenden Rechte drogenkonsumierender Menschen eingeschränkt werden, sie ihrer Perspektiven beraubt und in die Verelendung getrieben werden. Und dass, weil sie Umgang mit Substanzen pflegen, mit denen andere ein Problem haben?



Vieles deutet darauf hin, dass das Problem der Konsumentinnen und Konsumenten verbotener Substanzen vor allem ein soziales ist. Bedeuten doch sogenannte "Drogenprobleme" oft, den Verlust von Arbeitsplatz, Wohnung oder Fahrerlaubnis sowie gesellschaftliche Ächtung. Dazu kommen die gesundheitlichen Folgen verunreinigter oder stark gestreckter Substanzen: Der durch Gesetze geschaffene Schwarzmarkt vergrößert diese gesundheitlichen Risiken um ein Vielfaches.
Hat sich der Staat überhaupt dafür zu interessieren, womit ich mich berausche, oder ist dies nicht meine eigene Entscheidung? Freilich wäre die sofortige und komplette Legalisierung mit einer Fülle von Herausforderungen verbunden. Fände sie doch in einer Gesellschaft statt, die den Umgang mit Drogen verlernt hat. Nirgendwo zeigt sich das so deutlich, wie beim konsequenten Wegschauen von Missbrauch von Medikamenten und Alkohol. Und das in nahezu allen Gesellschaftschichten.

Im Bereich der akzeptierenden Drogenarbeit - so wie wir sie verstehen - gibt es schon jetzt, vor der Abschaffung des Betäubungsmittelgesetzes, viele gute Ideen: Konsumräume, kontrollierte Heroinabgabe und Drug Checking sind wichtig und auch heute schon umsetzbar, wenn es die Politik nur will.
Gerade bei Drug Checking können alle Drogenkonsumenten an einem Strang ziehen. Denn es ist für jede/n von Bedeutung, Substanzen problemlos testen zu können. Zu wissen, welche Stoffe sie genau enthalten, kann Drogennotfälle und damit Todesfälle verhindern!!! Drug Checking in Verbindung mit einer Beratung kann zudem vernünftige, risikoarme, Konsumformen vermitteln helfen.

Wir Voluntscouts sind uns bewusst, dass eine Legalisierung nicht alle Probleme mit Drogen verhindern wird, aber die negativen Folgen weitaus geringer sein werden. - Prävention statt Repression!!

Damit wären wir beim diesjährigen Motto vom selbstbestimmten Leben.
Selbstbestimmung kann nicht heißen, Rausch zu beherrschen. - Denn: Wer Rausch zu 100 % kontrollieren will, konsumiert systemkonform!

Danke.