Das RKI hat heute über das europäische Frühwarnsystem erfahren, dass es einen erneuten Anthrax-Todesfall bei einem Heroinkonsumenten in England gibt.
Seit Juni 2012 treten wiederholt Milzbrand-Fälle bei Heroinkonsumenten auf. Bisher gab es sieben gesicherte Fälle, davon drei in Deutschland, einer in Schottland, zwei in Dänemark, einer in Frankreich, und nun ein neuer Fall in England. In den Jahren 2009 und 2010 fand ein Anthraxausbruch unter Heroinkonsumenten statt mit 47 gesicherten Fällen, 35 wahrscheinlichen Fällen (davon 29 mit einer positiven Serologie) und 37 möglichen Fällen, vor allem in Schottland, aber auch in Deutschland. Vierzehn Personen starben. Alle Fälle waren assoziiert mit intravenöser, subkutaner und akzidentell paravasal injizierten aber auch inhalierten bzw. nasal aufgenommenen Drogen. Da es sich in allen Fällen um Personen handelte, die Heroin konsumiert hatten, wird mit Milzbrandsporen kontaminiertes Heroin als die wahrscheinlichste Infektionsquelle angenommen
Die seit Juni2012 bei den drei deutschen Milzbrand-Fällen in Bayern und Berlin isolierten Erregerstämme sind identisch bzw. zumindest sehr eng verwandt mit den Stämmen der deutschen und britischen Fälle aus den Jahren 2009/2010. Dies legt nahe, dass dieselbe Infektionsquelle noch aktiv sein könnte.
Anthrax ist eine seltene bakterielle Infektion, die über verschiedene Eintrittspforten eine schwere septische Erkrankung bis hin zum Tod verursachen kann. Die Infektion beim sogenannten Injektionsmilzbrand erfolgt durch die Injektion einer mit Milzbrandsporen verunreinigten Substanz. Theoretisch ist auch eine Übertragung durch kontaminierte Injektionsutensilien vorstellbar. Typisch ist dabei die Entwicklung einer schweren entzündlichen Weichteilinfektion mit Kompartmentsyndrom und einer nekrotisierenden Fasziitis in der Region der Injektionsstelle. Die Infektion ist aber auch durch Inhalation oder Rauchen von kontaminierten Stoffen Substanzen möglich.
Für die Behandlung der Infektion mit dem Milzbranderreger stehen prinzipiell wirksame Antibiotika zur Verfügung, die schwere und tödliche Verläufe bei einem Injektions-Milzbrand aber nur dann verhindern können, wenn die richtige Diagnose frühzeitig gestellt wird. Da das klinische Bild zu Beginn der Erkrankung jedoch nicht unbedingt eine Unterscheidung zwischen Milzbrand und einer anderen Haut- oder Weichteilinfektion zulässt, sollten Ärzte bei der Behandlung und Betreuung von Personen, die sich Drogen injizieren, differenzialdiagnostisch frühzeitig an Milzbrand denken und eine gezielte mikrobiologische Diagnostik veranlassen.
Bei begründetem Verdacht bietet das Robert Koch-Institut Unterstützung bei der Untersuchung von klinischem Material oder potenziellen Infektionsquellen an. Zusätzlich kann auch eine Beratung zur Gewinnung und zum Versand der Proben erfolgen.
Weitere Informationen zu Milzbrand , zum aktuellen Ausbruchsgeschehen und zum Ausbruch 2009/10 finden Sie u.a. auf der RKI-Homepage unter folgendem Link:
http://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/A/Anthrax/aktuell.html
Anlässlich des erneuten Falls in England wurden weitere Informationsdokumente (auf englisch) erstellt, die unter den folgenden links abrufbar sind:
Information:
http://www.inpud.net/files/INPUD_Anthrax_Alert_Information_Aug2012_v1.pdf
Faltblatt:
http://www.inpud.net/files/INPUD_Anthrax_Alert_Leaflet_Aug2012_v1.pdf
Poster:
http://www.inpud.net/files/INPUD_Anthrax_Alert_Poster_Aug2012_v1.pdf
Wir bitten Sie um Streuung der Information an geeignete Verteiler. Eine Information für Drogenkonsumenten ist unter
http://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/A/Anthrax/Milzbrand-Drogenkonsum_Informationsblatt.pdf?__blob=publicationFile
auf der RKI Homepage abrufbar.
Ansprechpartnerin am RKI ist Frau Dr. Bernard (BernardH@rki.de, Tel. 030 18754 3173). Bei Fragen zur Diagnostik steht Herr PD Dr. Grunow vom Zentrum für Biologische Sicherheit (ZBS) 2 am RKI zur Verfügung (GrunowR@rki.de, Tel. 030 18754 2100).
