Hallo Dr. Frühling-Team,
ich hatte am 03.10.09 mit 45 Jahren meinen ersten und einzigen Krampfanfall.
Nach einem Jahr Fahrverbot und der Einnahme von Valproat Chrono 500 mg Retardtabletten (die ich aber noch, laut meinem Arzt, ein weiteres Jahr nehmen muss) darf ich wieder autofahren.
Der Anfall am 03.10.09 wurde sehr wahrscheinlich durch erhöhten Alkoholgenuss am Abend vorher in Verbindung mit einer davor liegenden harten und stressigen Arbeitswoche ausgelöst. Die genaue Ursache kann natürlich nicht festgestellt werden.
Das letzte EEG am 05.10.10 zeigt eine leichte Enzephalopathie ohne Hinweise auf das Vorliegen epilepsietypischer Potenziale.
Nun meine Frage: Ich habe in den vergangenen vier Jahren ca. viermal im Jahr "Speed" konsumiert und möchte dies gerne auch in Zukunft wiederholen. Ich weiß, dass ich trotz Amphetamin-Konsum ausreichend schlafen muss, da auch Schlafentzug anfallsauslösend wirken kann.
Wie hoch schätzt Ihr das Risiko in Bezug auf meine Epilepsie (wobei von Epilepsie erst nach einem mindestens zweiten Krampfanfall gesprochen werden kann) ein, wenn ich auch zukünftig "ab und an" Speed konsumiere?
Ich möchte natürlich keinen "Freifahrtschein" von Euch, sondern bin über jede realistische Einschätzung Eurerseits dankbar.
Viele Grüße
p. s. Ihr leistet tolle wertvolle Arbeit!!!
Dr. Frühling:
Hallo,
Dein Lob freut uns - danke! Du scheinst über die Risiken, die Du mit dem Konsum von Drogen eingehst ganz gut Bescheid zu wissen. Wie Du selbst schreibst, erhöhen Streßsituationen, Schlafmangel oder einfach nur Phasen, in denen Du besonders schlecht drauf bist, das Risiko, wieder einen Anfall auszulösen.
Auch durch den Konsum von legalen wie illegalisierten Drogen (ausgenommen einige wenige krampflösende Beruhigungsmittel) wird - je nach Droge, Dosis, Set und Setting - dieses Risiko mehr oder weniger stark erhöht, da unter Einwirkung fast aller psychoaktiven Substanzen auch Stresshormone ausgeschüttet werden. Entweder wird die Ausschüttung von Stresshormonen direkt durch den Konsum bewirkt oder indirekt durch eine mit dem Konsum verbundene psychische Ausnahmesituation .
Das höchste Anfallsrisiko besteht unseres Wissens bei aufputschenden Substanzen wie Speed, Kokain, Crystal, Ecstasy, Ritalin u.ä., da diese eine besonders starke und direkte Ausschüttung von Stresshormonen als Wirkprinzip haben.
Wir sind keine Ärzt_innen und kennen auch die Details Deines Krankheitsbildes nicht, daher können wir Dir bei der genauen Einschätzung der Risiken, die Du evtl. eingehst, leider nicht weiterhelfen. Eigentlich müsstest Du selbst am besten einschätzen können, wie hoch bei Dir die Gefahr wäre, in der einen oder anderen Situation und Umgebung durch Speedkonsum wieder einen Anfall zu begünstigen. Denn nur Du selbst kannst einschätzen, in welchen Situationen Du körperlich, psychisch und seelisch fit genug bist, damit das Anfallsrisiko möglichst gering ist, wenn Du dann konsumierst.
Wir können Dir also nur empfehlen, immer erst möglichst niedrig zu dosieren, gut auf Dich zu hören und Dein Umfeld für den Konsum möglichst sorgfältig auszuwählen. Schaff Dir Rückzugsmöglichkeiten, damit Du in Situationen, wo es Dir zu heftig wird, irgendwo zur Ruhe kommen kannst. Am besten ist, wenn Du dabei immer einen guten Freund / eine gute Freundin dabei hast, der/die im Notfall Hilfe leisten oder holen kann. Auch kann gesunde Ernährung vor und während der Drogenwirkung dafür sorgen, dass Dein Körper mit genügend Nährstoffen und Wasser versorgt ist, so dass ein Mangel an bestimmten Nährstoffen (der einem Anfall Vorschub leisten kann) im Körper unwahrscheinlicher wird.
Da Du allerdings dauerhaft Valproat einnimmst, solltest Du bedenken, dass es eventuell Wechselwirkungen oder Wirkverstärkungen zwischen diesem Medikament und den von Dir konsumierten Drogen geben kann. Zu den Wechselwirkungen zwischen Speed und Valproat ist uns nichts bekannt. Pharmafirmen veröffentlichen leider fast nie etwas zu Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und illegalisierten Substanzen. Auch könnte das Speed, das Du konsumierst, mit Medikamenten gestreckt sein, die wiederum Wechselwirkungen mit Valproat auslösen.
Es gibt also keine Garantie, aber Möglichkeiten die Risiken zuminimieren. Eine heftige Partynacht mit Speed, Alkohol, Stroboskoplicht, auspowerndem Tanzen und ohne Schlaf dürfte schon ein enormes Anfallsrisiko in sich tragen. Ein gemütlicher Abend mit Abendessen, Freund_innen und dann ein wenig Feiern mit häufigen Tanz- und Ruhepausen, genug Wasser- und Nährstoffzufuhr sowie Alkoholverzicht, birgt sicher ein weitaus geringeres Risiko.
Eine ähnliche Anfrage, die noch weitere interessante Infos zu Deinem Thema beinhaltet, haben wir hier beantwortet: "Drogen und Epilepsie"
Im Zweifelsfall empfehlen wir Dir, bei (D)einem Arzt/(D)einer Ärztin nachzufragen. Ärzt_innen unterliegen der Schweigepflicht.
Alles Gute,
Dein Dr.-Frühling-Team
Die Informationen in unserer Antwort sind keine Anleitung oder Motivierung zum Drogenkonsum! Aufgeführte Substanzen können dem BtMG [Betäubungsmittelgesetz] unterliegen. Besitz, Erwerb und Handel damit sind strafbar! Wenn die Stoffe frei verfügbar sind, heißt das nicht, dass ihr Gebrauch ungefährlich wäre. Dieser Text wurde nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Dennoch können Irrtümer nicht ausgeschlossen werden. Die Drug Scouts übernehmen keine Haftung für Schäden, die durch irgendeine Art der Nutzung der Informationen dieses Textes entstehen.
