Stoffkundebroschüre.

Titelzusatz: 

Was wirkt wie und warum?

Es ist üblich, wenn man rauschhafte Erfahrungen macht oder uns von solchen berichtet wird, sie anhand eines bestimmten Mittels, einer Substanz, gedanklich zu vergegenständlichen. Diesem Gedanken folgen implizit die AutorInnen, wenn sie eine Stoffkundebroschüre verfassen. Bei dem Unterfangen sind wir uns jedoch des strukturellen Problems eines solchen Projektes bewusst. Es liegt in der Ideologie, die mannigfaltigen Arten individuellen Drogenerlebens als der jeweiligen Droge, das heißt ihrer pharmakologischen Beschaffenheit wesenhaft zu begreifen. Wir sprechen vom XTC- Trip, vom Haschisch-High und vom Alkoholrausch. Die Droge mache dies oder das mit uns. Sie nimmt in unseren Beschreibungen subjekthafte Formen an. Realiter aber ist das Rauscherlebnis komplexes Kondensat der jeweils individuellen Gefühlssituation, der (sub-)kulturellen Vorannahmen, die über die jeweiligen Wirkungen bestehen, der Umgebung, in der jemand das Mittel zu sich nimmt, der konkreten Ausgestaltung der Einverleibung (man denke zum Vergleich an die Essenskonventionen), anderem mehr und dann auch der chemischen Beschaffenheit des Mittels. Nur derart vernetzt kann über Drogenwirkung sinnvoll gesprochen werden, und keine – nach Möglichkeit prozentualisierte – Aussage über den essentiellen Bestandteil der Chemie am Rausch ist sinnvoll. Nur mit diesem Modell ist erklärbar, warum derselbe Gebraucher z.B. einmal den LSD-Rausch als dämonenhaft beängstigend, ein anderes Mal als ’supra-rational’ beflügelnd und wieder ein anderes Mal einfach als reflexionsanregend beschreibt.

Medientyp: 

Herausgeber: 

Junge Linke

Verlag: 

Ort: 

Berlin

Veröffentlichung: 

1998

Standort: 

T 57

Notizen: 

Rubrik: Stoff

Anzahl: 1

Schlagworte: