Neuen Kommentar schreiben

MDMA

Silvester besuchte ich S zusammen mit meinem Freund L in Berlin; zunächst konsumierten wir Alkohol und Gras, jedoch in noch moderaten Mengen, sodass wir etwas angeheitert waren. Nachdem in dem Club, in dem wir uns zunächst aufhielten, kein MDMA zu finden war, rief S einen Bekannten an, zu dessen (?) Wohnung wir daraufhin fuhren. Es waren noch weitere Leute anwesend, von denen ich allerdings wenig mitbekam; der Hauptprotagonist entstammte der GOA-Szene und erzählte von einem GOA-Festival, das gerade jetzt stattfinde und zu welchem wir unbedingt mitkommen sollten. Ich hatte gewisse Zweifel, da mir der Eintrittpreis hoch schien und ich Bedenken hatte, dass wir nur kurz bleiben und sich somit der Aufenthalt gar nicht lohnen würde; zudem hatte ich Bedenken, dass ich GOA nicht über längere Zeit ertragen könnte. Zwar höre ich gerne verschiedene Spielarten der elektronischen Musik, aber alles, was recht "hart" und monoton ist - was ich jetzt keineswegs für GOA verallgemeinern möchte! - empfinde ich schnell als anstrengend.

Schließlich sagte ich aber, da ich kein Spielverderber sein wollte, zu, und so ging es auch meinem Freund. Zunächst konsumierte ich weiterhin Alkohol und Gras, schließlich wurde mir Speed angeboten. Ich war zunächst unschlüssig, wollte lieber das MDMA ausprobieren, von dem ich so viel gehört hatte. Das hätte nicht viel mehr Wirkung als ein paar Tassen starken Kaffees, wurde mir gesagt. Ich fragte mich im Stillen, warum man denn nun Speed konsumieren sollte, wenn das viel leichter zu beschaffende Koffeein es auch tut, war dann aber doch zu neugierig, um nicht ein bisschen was zu ziehen. Da mir der Gedanke etwas durch die Nase aufzunehmen, extrem unangenehm war, tat ich mich schwer, das Zeug über den Strohhalm einzusaugen, aber immerhin, ein wenig kam an und es war noch nicht mal so unangenehm wie befürchtet.

Ich wartete, konnte aber keine Wirkung vernehmen. Wieder fragte ich nach MDMA, das der Bekannte allerdings erst auf der Party nehmen zu gedachte. Trotzdem bekam ich etwas. Mit dem Finger nahm ich die Kristalle auf und steckte sie mir in den Mund. Alkohol und Gras sollte ich nun nicht mehr zu mir nehmen; ich wartete. Nach einer Zeitspanne unbekannter Länge bekam ich plötzlich Herzklopfen und erschrak; ich hatte oft genug Panik erlebt und hatte Angst zu hyperventilieren. L und S versuchten meinen Puls zu messen, konnten aber nichts Beunruhigendes feststellen. Ich dachte mir, dass gar nicht mein Puls signifikant erhöht ist sondern nur meine Wahrnehmung desselben. Man gab mir Kopfhörer mit Radiohead zur Beruhigung, und ich begann zu grinsen.

Ich war mir nun sicher, dass ich nicht inmitten einer Panikattacke stecken konnte, das (gefühlte) breite Grinsen passte einfach nicht dazu. Stattdessen kam ein Drang in mir auf, doch noch weiter Alkohol zu mir zu nehmen, und ebenso die Lust dazu mich mit den anderen darüber zu streiten. Aber alles Betteln und nach den Flaschen greifen half nichts, ich sollte nunmal die reine Wirkung der Droge erfahren. Schließlich machten wir uns auf den Weg zu dem Festival, laut Aussage des Bekannten sollte es maximal 20 Minuten dauern dorthin zu Fuß zu laufen. Auf dem Weg war ich euphorisch und hatte durchaus einen gewissen Rededrang, der aber nicht so gravierend ausfiel, wie ich befürchtet hatte - immerhin wollte ich nicht alle Leute in meiner Umgebung abnerven. Vielleicht lag es auch daran, dass ich mich teilweise bewusst zurückhielt mit dem Reden und stattdessen versuchte die anderen zu Gesprächen zu ermuntern. Viele Dinge, über die ich sprach, kamen mir unglaublich toll vor, wenngleich mir im gleichen Atemzug klar war, dass ich vollkommen übertrieb, was mich dann wiederum belustigte.

In einer Bäckerei, in der wir Rast machten, erschrak ich zum ersten Mal wieder etwas. Ich konnte im Spiegel definitiv einen dicken schwarzen Punkt auf meiner Nase wahrnehmen, der jedoch, wie sich herausstellte, gar nicht vorhanden war. Als ich näher an den Spiegel hinging, sah ich, dass es sich lediglich um den Knorpel meiner Nasenspitze handelte, erst beim wieder-Zurückgehen ergab sich besagter optischer Effekt, der sich vermutlich aus den Lichtverhältnissen im Raum ergab. Dies erleichterte mich ein wenig, hatte ich doch offenbar keine Halluzinationen oder ähnliches. Trotzdem stellte ich mir die Frage, ob ich nüchtern dasselbe gesehen hätte. Auf dem weiteren Weg - wie sich später herausstellen sollte, dauerte er wohl mindestens eine Stunde - analyiserte mich L: Höhere Sensibilität für Außenreize (u.a. eine Weihnachts-Lichterdeko, unter der wir durchmarschierten), Euphorie, Redebedürfnis. Ich kam bei Selbstbetrachtung auf ein ähnliches Ergebnis und lachte.

Endlich auf dem Festival angekommen gab es weitere Verzögerungen bei der Garderobe, die mich befürchten ließen, dass die Wirkung schon längt nachgelassen haben würde, bis ich überhaupt die Tanzflächen betreten könnte; dies stellte sich jedoch als falsch heraus. Sobald ich die erste Area betreten hatte, spürte ich, dass alles anders war als sonst. Die vielen grünen und violetten Lichtstrahlen, die in den Raum entsandt wurden, waren nicht wie sonst unangenehm, blendend, sie waren wunderschön leuchtend und erhaben; ich streckte die Hand nach ihnen aus, und siehe da, sie waren sogar erreichbar, ich konnte sie mit der Hand durchdringen, toll!. Die Musik war ungemein intensiv, und einen Moment lang dachte ich sogar, Musik überhaupt noch niemals in dieser Weise wahrgenommen zu haben. Ich tanzte zwischen den Braukesseln. Ich tanzte anders als sonst, monotoner, ausdauernder, und ich hatte ein merkwürdiges Bedürfnis (oder Zwang?) meinen Bewegungen eine gewisse Härte zu geben, eine eigentlich unangenehme Schnelligkeit oder Ruckartigkeit. Teils dachte ich, dass die ununterbrochene Auf-und-Ab-Bewegung meines Kopfes zu extremen Kopfschmerzen führen müsste, aber das tat sie nicht, zumindest so lange die Wirkung anhielt.

Ich hatte das Gefühl, dass meine Bewegungen stärker mit der Musik verknüpft waren als je zuvor, ja geradezu in einer Weise, als hätte sie mich direkt in ihrer Gewalt und würde jede meiner Bewegungen steuern. Wunderbar radikal und kompromisslos: Man musste tanzen. Mit der Zeit wurden Musik und Umgebung weniger beeindruckend, es stellte sich eine Gewöhnung ein - vielleicht auch ein Nachlassen der Wirkung? - und ich bemerkte eine stärker werdende Mundtrockenheit. Gemeinerweise durfte man keine Getränke auf das Festival mitnehmen, und es gab auch keinerlei Wasserhahn, sodass man Getränke nur in überteurten Kleinstdosierungen erwerben konnte. Zudem hatte ich den Eindruck, dass die Getränke kaum etwas bewirkten, alle Flüssigkeit wurde gleich wieder ausgeschieden: Klar, das hatte ich ja über Amphetamine jeder Art gelesen.

Mein Runterkommen war primär von der Mundtrockenheit, Seitenstechen und zunehmender Müdigkeit bestimmt. Letztere wurde irgendwann so groß, dass ich nur noch an Schlafen dachte, und da es den anderen zum Glück ähnlich erging, fuhren wir erst mal nach Hause und legten uns ins Bett. Zwar schlief ich schnell ein, wachte jedoch rasch wieder auf, weil ich mit der Mundtrockenheit nicht klar kam. Möglicherweise hätte es geholfen, wenn ich wirklich mal größere Mengen Wasser zu mir genommen hätte, aber ich hatte wie gesagt den Eindruck, dass jede Aufnahme von Wasser vergebens war. Hinzu kam die Helligkeit - es war ja immerhin mitten im Tag - und die Tatsache, dass ich mit Schlafrhythmusstörungen nicht gut klarkomme. Ich lag halbwach da, erschöpft, voll mit negativen Gedanken, aber zum Glück zu müde, um sie noch richtig wahrnehmen konnte. Als mein Freund schließlich wach wurde, besorgte er mir Doxylamin, ein harmloses Mittel "zur Beruhigung vor dem Einschlafen", das mir immer gute Dienste geleistet hat. Ich nahm zwei Tabletten und legte mich - nachdem die anderen noch mal zur Party aufgebrochen waren - schlafen.

Um 5 Uhr morgens erreichte mich der Anruf, dass L und K immer noch da wären, und so machte ich mich auf den Weg. Dort angekommen - und wieder relativ nüchtern! - erschrak ich zunächst. Unangenehme, grelle Farben, viele Menschen, zwischen denen man sich durchschlängeln muss, viel zu laute (warum hatte ich das nicht bemerkt und Ohrstöpsel benutzt) und kaum hörbare monotone Musik. Es musste also schnellstens MDMA her; S und ich kauften kleine Böllchen, die angeblich 0,15 g enthalten sollten (wie sich später herausstellte, waren es deutlich weniger). Im Chillbereich rauchten wir zunächst ein paar - eher schwache - Joints und nahmen dann jeder eines. Die Wirkung, die sich einstellte, war nicht besonders stark, aber immerhin überdeckte sie meine immer noch vorhandene Müdigkeit, und ich betrat wieder die Tanzfläche, wenngleich ich Kopfschmerzen wahrnahm und teilweise Erschöpfung beim Tanzen. Die Mundtrockenheit war besser, vielleicht auch, weil ich prophylaktisch eine halbwegs größere Menge Wasser vorher zu mir genommen hatte.

S besorgte daraufhin noch mal MDMA, wir alle legten noch mal ein wenig nach, wobei ich wiederum nicht sonderlich viel nahm. Das Gefühl vom Vortag stellte sich nicht an, aber ich fühlte mich wieder wirklich wach; zudem erlebte L jetzt endlich den erwünschten Serotonindopaminnoradrenalinrausch, was ihn lebhafter und euphorischer machte, sodass wir zu dritt sehr erfrischende Gespräche in der Nähe der Garderobe führten. L war sogar derart euphorisch, dass er beschloss Geld zu holen um noch mehr MDMA zu besorgen; dieses haben wir aber nicht mehr konsumiert. Mit der Zeit wurde mein Hunger so stark, dass wir beschlossen, das Festival zu verlassen und etwas essen zu gehen. Das Runterkommen war erträglich, zudem mit dem Essen der Serotoninspeicher ja auch wieder etwas aufgefüllt worden sein dürfte, aber eine gewisse Müdigkeit und Missgelauntheit ließen sich natürlich nicht vermeiden.

Daheim angekommen rauchten wir noch ein wenig Gras und die anderen beiden legten sich hin; merkwürdigerweise hatte ich noch den Drang mich mit S' Computerproblemen zu befassen, obwohl meine Konzentration eigentlich viel zu niedrig war. Nach einer gewissen Zeit gab ich zum Glück auf, suchte mir noch etwas zu essen und legte mich ebenfalls schlafen. Am nächsten morgen mussten wir früh raus, um unseren Zug zu erwischen. Ich fühlte mich erschöpft, aber irgendwie durchaus zufrieden, entspannt, positiv, obwohl ich Sorge hatte, dass ich zu müde sein würde um meine Gäste am abend zu Hause bewirten zu können - denn ich hatte den Fehler gemacht, sie bereits für diesen Tag einzuladen.

An diesem Abend kifften wir nur ein wenig und gingen relativ früh ins Bett. Und nun der heutige Tag, ein sehr verwirrender, wechselhafter Tag für mich. Teils fühle ich mich müde, aber nicht richtig müde, wie man es vor dem Schlafengehen ist oder zumindest sein sollte, also nicht so auf schwere Weise müde, sondern auf eine sonderbar leichte Weise. Teils hatte ich das Gefühl die Songs, die ich hörte, gar nicht mehr zu spüren, teils aber intensiver. Meine Konzentration ist schlecht, obwohl ich eigentlich genug geschlafen haben müsste. Meine Gedanken sind eher zwänglerisch-negativ. Einerseits fühl(te) ich mich motivationslos (v.a. im Bezug auf Unikam), gleichzeitig hatte ich den Drang ganz viel über Drogen zu lesen. Leider habe ich mich auch erkältet, die ganze Sache muss meine Abwehrkräfte irgendwie wieder geschwächt haben.

Substanzen: 

Plain text

  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd> <p>
CAPTCHA
Diese Frage dient dazu festzustellen, ob Sie ein Mensch sind und um automatisierte SPAM-Beiträge zu verhindern.