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Vom Totalabsturz zum Prof

Für all jene, die sich aus dieser Existenz geschossen haben: entspannt euch - der Zustand geht vorüber. Ff. ein kleiner Rundumschlag; ich hoffe, meine Geschichte bringt dir was.

Nun, ich habs komplett übertrieben und mich aus jedweder Norm heraus geschossen. Bis heute hab ich ne kleine Macke. Ich denke abnorm und handele gleichsam, erziele dadurch allerdings andere, häufig schmackhaftere Resultate als ich es wahrscheinlich im ursprünglichen, von mir heute als normopathisch erkannten, Zustand erzielt hätte. Deine geistigen Kapazitäten entscheiden letztlich, was du aus deiner Sitation machst.

Ich hab mit 15 angefangen zu kiffen. Mit etwa 19/20 kamen weitere Drogen wie MDMA, Pillen, Kokain und Pepp hinzu. Ca. 1 Jahr nach exessivem Konsum dieser härteren Drogen bekam ich nach einem letzten Bongkopf, abends bei einem Kollegen, eine schockartig einsetzende Panikattacke, die den Beginn eines geistigen Ungleichgewichts für meine nächsten Jahre darstellen sollte. Unter anderem halluzinierte ich und sah eine leuchtende Kugel, die mich anstarrt. Ich sah rot/grüne Pixel, überall, und dachte, ich würde jeden Moment aus dieser Realität geschossen werden. Du wirst schon verstehen, wie es mir ging. Dir gehts schließlich ähnlich. Letztlich sprang ich zu meinem Kollegen ins Bett (90 cm Breite ;D) und hielt mich die ganze Nacht an seinem Unterarm fest. 

Mein Problem: ich hatte es einfach komplett übertrieben. Gemischt konsumiert, unregelmäßig geschlafen, ich hab nur Scheiße gefressen, Cola, Energydrinks, Alkohol etc. im Übermaß getrunken und keinen Sport getrieben. Logisch, dass der Körper dich irgendwann aus der Bahn schießt. Heißt: mach das Gegenteil vom eben Aufgezählten und merke, dass dich das Testo morgens aus dem Bett und sehr, sehr häufig zwischen die Beine irgendwelcher Frauen scheppert.

Was dann folgte: permantente Panikattacken. Ich kam locker 2 Jahre nicht klar und hatte zudem Psychosen über Psychosen. Konnte abends nicht einschlafen, verspürte Nervosität in jeglichen Alltagssituationen, obwohl ich vorher äußerst redegewandt und selbstbewusst war; kurz: ich war komplett durch. Sogar so weit, dass ich Leute ansah und Ihre Umrisse, also die Abhebung der Personen vom restlichen Raum, mich begeisterten. Ich dachte, ich sei ein völlig andersartiger Mensch mit einer neuartigen Wahrnehmung. Verrückt halt - oder kleben geblieben.

All das artete in eine soziale Isolierung aus, die mit den Jahren nachließ, aber im Grund bis heute anhält. In dieser Isolation begann ich nach und nach, mir die Welt neu zu erklären. Ich machte das beste aus meiner Situation und nach einem ersten Jahr des Klebenbleibens wandelte sich mein Zustand alllmählich. Ein Vorteil war, dass ich abseits der für die Norm geltenden Rahmenbedingungen endlich selbst bestimmen konnte, wie ich die Welt wahrnehmen und was ich in dieser Welt tun will. Ich hatte Zeit, mich mit Hesse, Kant, mit Dr. Rainer Mausfeld und Dr. Ganser, mit Dr. Maaz usw. usf. zu befassen. Eben abseits der üblichen Schulbildung, des Alltagslärms etc. lernen und leben zu können.

Bis heute, 6 Jahre nach diesem Vorfall, spüre ich noch immer, dass ich nicht mehr der Alte bin. Werde ich vermutlich auch nie wieder werden. Aber alter: komm klar und mach das beste daraus. Ich liebe mein neues Ich. Ich lernte Menschen kennen, die ich als echte Freunde bezeichnen kann. Ich meide Bars und Oberflächlichkeit gemeinhin - am liebsten denke und arbeite ich. Ich bin topfit und mache verdammt nochmal, was ich will. Wäre all das nicht passiert, würde ich jetzt vermutlich als Anwalt in irgendnem piss Großbüro sitzen und in der Hoffnung, in 150 Jahren befördert zu werden, irgendeinem Trottel in den Hintern kriechen.

Die psychotischen Gedanken gehen allenfalls irgendwann gänzlich weg. Solltest du wieder konsumieren, sei dir Gewahr, dass es unangenehm werden kann. Vor kurzem bekam ich nach einem Joint wieder eine Panikattacke und dachte, ich müsse sterben. Ähnlich wie es der Threadersteller beschreibt. 

Ich denke, sensibler wahrnehmende Menschen sollten sich von Drogen grundsätzlich distanzieren. Zumal die Scheiße dein Belohnungszentrum so hart zersiebt, dass du irgendwann nicht mehr ohne von außen zugeführte Stimulanzien Glücksgefühle empfinden kannst. Zumindest eine lange Zeit nicht. Mach es mal ein Jahr, nimm nichts, und siehe, du bist auch glücklich ohne diesen Schmutz. Außerdem: zieh dir Lektüre bzgl. Belohnugnszentrum rein. 

Nach diesem Joint letztens ist mir das endültig klar geworden. Es ist Schmutz für mich.

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