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Der Sinn des Lebens

08.08.2014 16:22 Hallo, dieser Bericht ist ganz neu. Ich bin gerade in der Endphase meines Trips angelangt. Die Wirkung der Pilze ist zwar am abklingen, aber immer noch deutlich spürbar. Es ist total schwer weil man nicht weiß wo man anfangen soll, ich versuche alles bestmöglichst und wahrheitsgemäß darzustellen. Ich war während der kompletten Reise geistig anwesend und versuche meine persönlichen Erfahrungen so objektiv es irgend geht zu schildern. Ich möchte in diesem Bericht nicht auf die Halluzinogene Wirkung der Pilze eingehen, da diese für mich nur eine Nebenwirkung darstellen. Meine Motivation Pilze zu essen war, mich mit mir selbst und meiner Umwelt in völligen Einklang zu bringen. Zu 100% und absolut unverfälscht sehen was ich wirklich fühle und möchte. Mir war bewusst, dass ich mir selbst in meiner jetzigen Lebenssituation geistige Ablenkungen auferlegt habe, die dazu dienen meine wahren Bedürfnisse zu verschleiern.( z.B. ständiges Handy checken ob Leute geschrieben haben, auf dem Handy zocken, am Pc zocken, ungesunde Dinge essen, etc.) Ich habe beispielsweise immer mein Handy gecheckt in der Hoffnung dass jemand bestimmtes geschrieben hat. Dann war ich traurig wenn es niemand getan hatte. Ich hatte mich in diesem Moment von diesen Personen abhängig gemacht. Dahinter stand in Wirklichkeit einfach das Bedürfnis nach Kommunikation, mich mit jemandem zu treffen, jemanden zu sehen und mich zu unterhalten. Doch dies hatte ich zu jenem Zeitpunkt nicht erkannt.

Zu meiner Person: Ich bin 21, männlich, Student

Setting und Ablauf: eine Person die ich jetzt der Einfachheit halber hier als meinen besten freund bezeichne hat bei mir übernachtet. Heute morgen sind wir mit dem Fahrrad in eine Art Stadtpark gefahren und haben uns unter Bäumen auf Handtüchern in die Wiese gelegt. Dann habe ich gegen 10:30 etwa 2,5 Gramm getrockneter Pilze verspeist. Es war eine hochpotente Sorte aus Eigenanbau. Die Grammzahl war gefühlt, ich hatte keine Waage zur Hand, wählte die Dosis jedoch bewusst sehr stark. Mein Freund ist die ganze Zeit bei mir gewesen und hat Notizen von den wichtigen Dingen und Erkenntnissen gemacht, welche ich jetzt während ich schreibe vorliegen habe.

Die Wirkung begann etwa gegen 11:00, anfangs ging es mir nicht so gut, da mein Körper und mein gesamter Denkapparat sich gegen die Substanz sträubten. Das Peak würde ich so gegen 12-13 Uhr ansiedeln, danach begann die Wirkung langsam wieder abzuklingen und ist jetzt (16:55) immer noch dabei.

Die Substanz warf mich vollkommen ins hier und jetzt. Ich hörte auf zu denken, hörte auf zu bewerten. Das einzige was ich tat war fühlen und wahrnehmen. Ich nahm einen Stock auf, fühlte die Maserung, merkte wie er sich in meiner Hand anfühlt, wie meine Haut darauf reagiert, spürte das Medium Holz. Ich stieß auf ein Stück Draht in der Wiese, nahm es in die Hand. Starr, kalt, fest, irgendwie unnatürlich. Ich übte Kraft auf den Draht aus. Er verbog sich. Diese Eigenschaft übte eine Faszination auf mich aus. Ich fühlte meinen Körper. Ich hatte Durst. Ich trank etwas. Ich hatte Hunger. Ich aß Blaubeeren. Ich musste auf Toilette, ich ging zu einer Hecke und ging dem Bedürfnis nach. Mir war heiß in der Sonne. Ich rückte in den Schatten.

Plötzlich sah Ich einen Hund! Die Erscheinung des Hundes berührte mich positiv. Seine Bewegung waren anmutig, sein Ausdruck war erfreut, er rannte glücklich hechelnd mit der Zunge seitlich aus dem Mund. Er war einfach Hund. Er lebte einfach. Er war im hier und jetzt, völlig unverfälscht.

Ich sah Menschen herumlaufen, sie waren da, so wie sie waren. Es hatte alles seinen Platz und seine Daseinsberechtigung. Alles ergab einen Sinn. Jedes Wesen, jede Pflanze, jedes etwas hatte seinen Sinn und es war schön dass sie da waren.

Es stach mich eine Mücke. Es tat weh. Ohne Bewertung. Es war einfach so.

Ich unterhielt mich während der Zeit sehr viel mit meinem Freund, da ich so viele Erkenntnisse wie es mir möglich war festhalten wollte um sie mir einzuprägen, da sie mich im Leben sehr viel weiterbringen könnten. Dies hatte ich im Vorfeld mit ihm abgesprochen. Ich gebe hier jetzt einfach seine Notizen wieder und nenne ihn der Einfachheit halber K.

 

K: Schau dir den Baum an. Was fällt dir dazu ein?

Ich: Ich möchte das ganze Wahrnehmen, nicht nur einen bestimmten Ausschnitt des ganzen. Ich nehme gerade die Größe des Universums war, die Perfekte Form der Sonne und aller anderen Planeten.

 

K: Wie ist das mit deiner Beziehung zu deiner Freundin? Wie siehst du das?

Ich: <Fange an zu weinen, da ich realisiere dass diese Beziehung gar nicht im hier und jetzt stattfindet, sondern nur ein geistiges Konstrukt ist. Dass diese „Beziehung“ nur in meinen Gedanken existiert tut unglaublich weh. Die Realität ist, dass einzig und alleine Gefühle und Bedürfnisse existieren.>

 

K: Würdest du jetzt gerne Zocken/am Pc spielen?

Ich: Niemals! Das kann ich mir gar nicht mehr vorstellen. Zocken ist eine Distraktion von der Realität. Wenn man zockt(gilt auch für andere Dinge), dann schaut man nicht mehr wirklich hin was ist, man nimmt das Leben nicht mehr wahr. Du stellst etwas zwischen dich und deine Wahrnehmung, du siehst die Realität nicht mehr.

 

Ich: Es gibt keine Zeit mehr. Ich spüre sie nicht mehr. Es gibt nur noch das hier und jetzt.

 

Ich: Ich habe aufgehört zu essen, weil ich gespürt habe dass ich satt bin.

 

Ich: Ich sehe die Welt, wie sie ein Kind sieht. Ich habe aufgehört zu denken. Ich fühle, ohne Bewertung. Ich kann die Wahrheit nicht erdenken, ich kann sie nur fühlen.

 

Ich: Wahrnehmen ist komplett einfach.

K: Was braucht man um wahrzunehmen?

Ich: Die frage gibt es nicht mehr. Wenn man darüber nachdenkt was man dazu braucht befindet man sich bereits im Sumpf der Gedanken. Man nimmt wahr, wenn man wahrnimmt.

 

Ich: Hey K, möchtest du im hier und jetzt sein?

K: <Nach einigem zögern> Ja! ← (Er ist eine Person, die da sehr viel drüber nachdenkt und sich damit beschäftigt, und die das auch wirklich möchte.)

Ich: Wenn du das sagst befindest du dich bereits wieder in der Gedankenmühle, da du denkst, dass du im Moment nicht im hier und jetzt bist.

 

Ich : Es ist nichts durch einen Weg zu erreichen. Es gibt keinen Weg. Ein Weg zu etwas ist nichts anderes als reine Illusion.

 

Ich: Alleine wenn man versucht über eine Sache nachzudenken befindet man sich in einer Illusion.

 

Mir fiel auf, dass ich ein ganz bestimmtes Selbstbild von mir hatte, und dass ich dieses Selbstbild ständig bewertet habe, wie z.B. Ich bin zu dick, ich sehe nicht gut genug aus. Ich merkte, dass ich dieses Selbstbild eigentlich gar nicht zu haben brauchte. Warum sollte ich? Es war im Endeffekt nur ein Gedankenkonstrukt um meine eigentlichen Beweggründe zu verschleiern. Ich wollte gut aussehen, damit mich Frauen attraktiv finden und ich im Endeffekt meine Bedürfnisse wie Nähe, Zärtlichkeit, Geborgenheit, etc. erfüllt bekomme. Ich hatte jedoch Angst, dass diese Bedürfnisse nicht erfüllt werden, sollte ich nicht einen gewissen Standard erfüllen. Dieser Standard existierte nur in meinem Kopf und war vollkommen realitätsfremd. Er entstand aus Medien und Erziehung. Mit dieser Denkweise machte ich mich vollkommen abhängig von der Reaktionsweise anderer Personen. Das machte mich immer unglücklich. Ich fühlte in mich hinein und merkte, dass wenn ich ein Bedürfnis verspürte dies frei äußern kann. Wenn ich Lust habe etwas mit einer Person zu unternehmen, kann ich sie einfach fragen. Entweder hat sie Lust oder nicht. Wenn sie keine Lust hat wurde das Bedürfnis nicht erfüllt. Kein Problem, dann fragt man jemand anderen oder macht etwas anderes. Dies tut nur weh, wenn man in dem Moment etwas erwartet hat. Mit Erwartung macht man sich abhängig.

Mit Ausklang der Wirkung spürte ich, dass in der Phase direkt nach dem Peak meine gedanklichen Systeme wieder einsetzten. Die Phase wo ich mich verhielt wie ein Kind war vorbei. In dieser Phase war mir nichts peinlich oder unangenehm. Das erste mal wo ich merkte dass ich aus dieser Phase austrat war als ich meinem Freund gegenüber Vorbehalte hatte, etwas was ihn verletzten könnte auszusprechen. Darauf machte er mich aufmerksam und fand dies sehr schade.(Es machte ihn traurig). Ich sah Leute an und mir schossen wieder Gedanken und Vorurteile in den Kopf. Mir wurde klar, dass sich alle diese Gedanken in meinem Kopf abspielen und ich nichts direkt dagegen tun kann. Es überkam mich ein Gefühl der Ohnmacht. Langsam lernte ich jedoch, dass es Sinn macht, diese Gedanken zu haben. Über das gesamte Leben wurde der Denkapparat so konditioniert. Aus der Neurologie weiß ich, dass die Art wie man lebt, oder denkt, das Gehirn nachhaltig verändert. Es werden neue Bahnen geknüpft, Synapsen verbinden sich, wenn man aus alten Mustern ausbricht oder sich selbst bewusst macht: eigentlich will ich das hier gar nicht denken. Das Bedürfnis wuchs in mir heran, Dinge nicht mehr zu denken, die ich gar nicht denken will, da sie mich unglücklich machen. Ich merkte, dass ich die Fähigkeit habe, Gedanken einfach Gedanken sein zu lassen ohne mich mit ihnen zu identifizieren. Dies holte mich aus meiner Ohnmacht hervor.

Im weiteren Verlauf realisierte ich noch mehr Muster, die sich in meinem Verhalten offenbarten. Diese Erinnerung versuchte ich mir einzuprägen, damit ich in meinem Leben in jeder Situation fähig bin zu realisieren, dass ich mich Gedanklich selbst unterwerfe, ja einschränke. Ich will in meinem Leben glücklich sein. Ich möchte ebenso, dass es anderen Menschen und auch Lebewesen gut geht, da dies ein angenehmes Gefühl in mir erzeugt. Dies ist auch der Grund für diesen Erfahrungsbericht. Ich habe das Gefühl, dass irgendjemand ihn lesen wird und es ihm ein kleines Stückchen im Leben hilft. Auch wenn es nur die Entscheidung bekräftigt einmal Pilze zu essen oder auch nicht :)

Mein Fazit dazu:

Im Grunde habe ich die Einfachheit des Lebens erkannt. Wir Menschen haben Bedürfnisse und Gefühle. Wenn wir diesen nachgehen werden wir glücklich. Wenn man auf sein Gefühl hört, will man glücklich sein. Wenn wir unsere Bedürfnisse unterdrücken werden wir unglücklich. Wenn man auf seine Gefühle hört, möchte man nicht unglücklich sein. Das denken im Übermaß, und ebenso die Konzentration auf eine abstrakte Sache, die nicht direkt greifbar vor uns liegt entfernt uns von der Realität, von der Wahrnehmung für das eigentliche. Das Eigentliche umgibt uns! Fasse deinen Bildschirm an, von dem aus du diesen Text liest. Du wirst ihn spüren mit deinen Fingern. Du könntest anfangen zu grinsen wenn dir das bewusst wird. Atme die Luft in deinem Raum langsam und tief ein, du wirst sie riechen. Schließe die Augen und höre auf die Umgebungsgeräusche. Du wirst sie hören. Lasse die Augen geschlossen und fühle deinen Körper. Du wirst wissen, was er braucht. Dies bedeutet, im Hier und jetzt zu sein. Zu leben.

Im Hier und jetzt sein kann man jedoch nicht immer. Es muss in unserer heutigen Gesellschaft geplant werden. Ich muss mir essen kaufen gehen, arbeiten um Geld zu verdienen, mich mit Leuten absprechen um mich mit ihnen zu treffen, Zugticket kaufen, und und und. Das ist nicht schlimm. Dafür wurden wir mit der Fähigkeit aktiv zu denken ausgestattet, es sollte nur nicht die Kontrolle über uns ergreifen wenn wir es gar nicht wollen.

 

Stufe 2+: Wenn man Pc oder Handy spielt entfernt man sich extrem von der Realität. Man verspürt eine Illusion von Glück, da man sich selbst in diese Tätigkeit hineinprojeziert. Auf Dauer wird man traurig weil der Körper nach dem Leben schreit.

Stufe 1: Wenn man plant oder Dinge tut, die man einfach tun muss, handelt man zukunftsorientiert und ist leicht von der Realität entfernt. Dies macht uns jedoch nicht unglücklich, da wir wissen, dass wir in der Zukunft immer noch ein Leben haben werden. Das ist im richtigen Maße gesund. Das Eichhörnchen hortet auch seine Nüsse für den Winter :)

Stufe 0: Wenn man spürt und aktiv wahrnimmt, befindet man sich im hier und jetzt. Dieser Zustand macht das menschliche Wesen unendlich glücklich.

Stufe -1: Pilze werfen einen während eines starken Trips über diese Grenze hinaus. Man wird je nach Dosis völlig in die Gegenwart katapultiert. Alle Systeme der Gedanken existieren einfach nicht mehr. Sollte dieser Zustand andauern, wäre man in unserer Gesellschaft nicht mehr lebensfähig. Ein Kind könnte ohne Hilfe in dieser Welt genauso wenig überleben. Außerdem ist es sehr anstrengend unter Pilzeinfluss zu sein. Die Halluzinationen und Reizüberflutungen der Wahrnehmung lassen das Gehirn auf Hochtouren laufen. Man lernt binnen weniger Stunden mehr über das Leben als in Jahrelangem Schul- oder Arbeitsalltag.

Für mich zeigten sie mir die Wahrheit, unverfälscht.

Ich hoffe euch gefällt dieser Bericht und dass ihr ihn nachvollziehen könnt. Ich freue mich über Rezensionen und Anmerkungen.

Ein schönes Leben wünsche ich euch allen :)

-Anonym, 08.08.2014

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