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Das zweite Leben beginnt, wenn man merkt, man hat nur Eines

Wo fange ich an, wie hört es auf?

Ich bin Ende 40, bin glücklich verheiratet mit einer wunderbar, liebevollen, starken Frau und habe zwei Kinder. Vor 20 Jahren habe ich eine Firma gegründet. Heute mache ich Umsätze im 2-stelligen Millionenbereich. Ich habe ein großes Haus mit Garten und Pool, fahre einen Maserati und kann mir so ziemlich alles leisten, was ich mir wünsche. Ich bin froh viele, liebe Freunde zu haben, die keinesfalls neidisch sind, sondern ehrlich meine Leistung respektieren und den lustigen "Spinner" lieben, den sie seit der Schulzeit kennen. Ich will hier nicht schreiben wie toll ich bin. Ich will nur meine Situation schildern, mein Umfeld. Ich habe hart, sehr hart dafür gearbeitet. Und es hat Spass gemacht. Sehr lange. Ich war auch immer für meine Angestellten da. Auch sie sollten von ihrer Leistung profitieren. Sie sind alle sehr glücklich in meiner Firma. Nur ich war es irgendwann nicht mehr. Letztes Jahr hat sich bei mir etwas verändert. Ich habe den Spass verloren. Nicht nur an meiner Arbeit. Eigentlich alles, was ich so sehr geliebt habe wurde für mich belanglos. Ich denke ich war ausgepowert. Burn-out. Depressiv. Meine Frau hat das natürlich gespürt. Sie war auf meiner Seite. Sie liebt den Mann, den sie kennengelernt hat und auch den Mann, der keine Freude mehr verspürt. Es ist nicht schön, wenn man irgendwann realisiert, dass man sich durch nichts motivieren kann, nur noch funktioniert. Was hat man von dem Geld? Man kann nichts mehr geniessen. Früher hab ich mich bei Geschäftsreisen belohnt, indem ich einfach am Flughafen was gekauft habe, was mir gefiel. Dazu habe ich auch keine Lust. Ich war einfach am Liebsten zu Hause bei meiner Familie. Aber ich wollte auch nichts mit meiner Familie unternehmen. Ich wollte einfach nur bei ihnen sein.

So fing es irgendwie an. Dann war da der Amokläufer von München. Ständig dieses "er hat sich die Waffe im Darknet besorgt". Das hat mich gereizt. Wie geht das, Darknet? Eine Stunde am Handy hat gereicht. Dort kannst Du jeden Mist bestellen. Drogen, Drogen Drogen...

Ein paar Wochen später war es soweit. Ich habe bestellt und es kam. Mein erstes Koks. Als Jugendlicher habe ich Gras geraucht. Nicht im Übermass. Parties, mal mehr mal weniger, mal nichts. Das hat irgendwann aufgehört. Was anderes wollte ich nicht. Hatte immer Angst davor süchtig zu werden. Hatte Respekt und Angst. Nun ist das Koks da. Ich probiere es, ziehe eine Line wie ich es irgendwie aus Reportagen kannte. Wahnsinn. Ein schönes Gefühl. Glücklich war ich. Sehr glücklich. Ich hatte dieses Gefühl verloren. Da war es wieder. So schön. Noch eine Line. Da war es wieder. So ging es eine Nacht bis ich erschöpft war von diesem Glücksgefühl. Ich habe nicht geschlafen. Der Tag war mühsam. Ich habe gearbeitet. Mir alle 2 Stunden ein bischen Koks reingezogen. Bis zum Abend. Dann wieder die ganze Nacht. Der nächste Tag war ein Samstag. Ich habe den ganzen Tag geschlafen. Die ganze Nacht. Ich sagte meiner Familie mir geht es schlecht. Der Sonntag war normal. So ging das eine Zeit lang, bis das Koks weg war. Dann habe ich bei einigen verschiedenen Dealern bestellt. Alles kam an. Langsam merkte ich, es gibt ziemlichen Mist, gestreckt mit Glassplittern, Zement, irgendeinem anderen Mist, stinkend nach Diesel. Aber auch Stoff, der wahnsinnig gut ist. Dabei bin ich dann hängengeblieben. Ich habe mir Nachts das Zeug reingezogen um glücklich zu sein. Endlich wieder glücklich. Bis zu dem einen Tag...

Eine Line nach der anderen. Immer wieder. Bis ich kaputt war. Ich gehe ins Bett. Eine Stunde später, immer noch wach, spüre ich dieses Herzrasen. Schrecklich. Ein wahnsinniges Herzrasen. Ich setzte mich auf im Bett. Es war ein dumpfer, tauber, stechender Druck in der Herzgegend. Panik. Auf einmal wurde mir ganz schrecklich übel. Das hatte ich noch nie so in dieser Art. Kein Vergleich, wenn Du krank bist oder besoffen. Ein anderes, schreckliches Gefühl von Übelkeit. Und dieses Herzrasen. Mein linker Arm wurde taub. Ich habe ihn angefasst. Ich spürte meine Berührung nicht. Totale Panik. Todesangst. Ein Herzinfarkt. Todesangst. Oh mein Gott. Ich sterbe. Ich will nicht sterben. Ich ging zu meiner Frau "ruf den Notarzt, jetzt!". Ich lief rum wie ein Wahnsinniger. Ich sterbe. Angst Panik. Todesangst. Der Notarzt am Telefon sagte, ich solle mich hinsetzen. Ich sass. Bitte komm. Ich will nicht sterben. Der Notarzt war da. Infusion. Starke Schmerzmittel. Klinik. Es wurde besser. Ich musste nicht sterben. Herzkatheter. MRT. Die ganze Palette. Ich sagte niemandem, es ist Kokain. Niemandem. Eine Woche Krankenhaus. Ich habe überlebt. Meine Frau war für mich da. Meine Kinder, meine Freunde. Alle hatten Angst um mich. Kinder meiner Freunde malten Bilder zur Genesung. Ich habe so liebe Freunde. Und ich?

Ich bin ein Arschloch. Ein dummes Arschloch. Ich wollte sofort wieder eine Line ziehen. Ich hatte Angst. Ich wollte nicht wirklich sterben. Ich wollte dieses Glück zurück. Ich bin ein Idiot. Meine Familie liebt mich. Ich enttäusche sie und nehme Drogen. Sie glauben Papa hat einen Herzinfarkt durch Stress. Ich bin ein Arschloch. Ich habe alles in die Restmülltonne geschmissen. Vorbei.

In der folgenden Nacht bin ich zur Tonne gegangen, habe im Müll gewühlt und die Tüte gefunden. Ich habe mehrere Lines gezogen. Fast wieder eine Überdosis. Kein Schlaf. Am nächsten Tag Herzrasen. Ich kämpfte. Wollte nicht wieder dieses Gefühl von Todesangst. Ich wollte weg von dem Zeug. Ich wollte nur wieder normal sein. Bitte, lass mich normal sein. Ein Kampf. Der folgende Tag war gut. Ich war bei Sinnen. Ich nahm die Tüte und spülte sie die Toilette herunter. Das Zeug ist weg.

Ich habe kein Koks mehr. Ich bestelle nichts mehr. Ich werde nicht mehr aktiv. Hätte ich jetzt Koks, ich würde es wieder nehmen. Bitte gebt mir kein Koks mehr. Ich bin stark genug nichts mehr aktiv zu besorgen. Aber legt mir nichts auf den Tisch. Gottseidank kenne ich niemanden in meinem Umfeld, der Drogen konsumiert. Mein Glück. Ich bin nur stark, weil ich nichts habe und mir nie wieder etwas besorgen werde. Und ich werde auch sicher nicht mehr in Berührung damit kommen. So, wie es schon seit 30 Jahren nie Berührung damit gab.

Ich will das nie wieder erleben. Ich war ein schrecklich dummes Arschloch dieses Dreckszeug jemals zu probieren. Es geht mir wieder gut. Ich habe wieder Spass. Ich habe ein neues Leben. Ich habe meine Familie und Freunde getäuscht. Ich habe es niemandem gesagt. Ich war ein riesiges, dummes Arschloch.

Warum musste ich das erst jetzt erkennen? Nehmt dieses Zeug nicht. Wenn ihr das ausprobieren wollt, lasst es. Bitte! Wenn ihr es genommen habt. Hört jetzt auf. Sofort. Spült es runter. Weg damit. Jetzt. Macht es. Weg damit. Jetzt gleich. Bitte! Macht Euch nicht unglücklich. Ihr denkt ihr könnt Euch kontrollieren? Wartet, bis Ihr Todesangst bekommt. Wollt Ihr sterben?

Ich war ein Arschloch. Ich habe es probiert. Seid besser. Tut Euch das nicht an. Nie! Nie! Nie!

Ich werde es nie mehr nehmen. Ich war ein Arschloch. Jetzt bin ich glücklich. Mein zweites Leben beginnt. Ich habe überlebt. Du vielleicht nicht! Spül es runter. Nicht wegschmeissen. Du holst es wieder. Spül es runter. Jetzt sofort!!!!

Ich wünsche Euch allen viel Glück. Ich hatte es. Diese Zeilen wollte ich Euch mitgeben. Ich danke allen, die für mich da waren. Ich entschuldige mich bei allen, die ich belogen habe. Ich war ein schreckliches Arschloch dieses Dreckszeug jemals zu probieren. Keine Ausreden. Es war Scheisse. Ich hatte Glück. Nur Glück. Hör auf! JETZT! DU STIRBST! SPÜL ES WEG! JETZT!

Alles Gute! Ich lebe wieder.

 

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