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Freund meldet sich nicht mehr

Ich brauche dringend einen Rat. Ich liebe meinen Freund, der seit mehreren Jahren heroinabhängig ist, wirklich über alles. Ich litt selbst viele Jahre an Magersucht und Bulimie und weiß, was Sucht bedeutet, auch wenn man das natürlich nicht mit einer Drogenabhängigkeit vergleichen kann. Wir sind erst seit knapp 2 Jahren zusammen, kurz nach unserem Kennenlernen musste er ins Gefängnis eine anderthalbjährige Haftstrafe absitzen. Ich habe ihn in dieser Zeit selbstverständlich immer unterstützt, weil er der wundervollste Mensch für mich ist. Er kam in der Haft ins Pola-Programm und schrieb mir die liebsten Briefe, in denen er stets beteuerte, dass er ein ganz normales Leben mit mir und seinen Kindern führen will. Ich hab mir nichts vorgemacht und wusste, dass die Realität am Ende ganz anders aussieht und jeder Tag ein Kampf wird. Jetzt ist mein Freund erst seit September entlassen und bereits wieder in der Entgiftung, weil er rückfällig geworden ist. Ich wollte ihn nie unter Druck setzen, ihn nie wegen seiner Sucht verurteilen, sondern ihm alles geben, wonach er sich sehnt: Liebe, Geborgenheit, Verständnis und Halt. Er ist kein Junkie für mich, sondern der tollste Mensch der Welt. Leider habe ich ihm keine Grenzen gesetzt, sondern aus Hilflosigkeit und Angst dabei zugesehen, wie er trotz Substitut wieder drückt. Er war die erste Zeit so lieb zu mir und zeigte mir auch, dass ich ihm viel bedeute. Er hat stets an sich gezweifelt, hatte Angst mich zu verlieren, aber je länger er wieder konsumierte, umso desinteressierter wurde er und ich spielte keine Rolle mehr. Ich kenne dieses Verhalten und weiß es zum Teil einzuordnen, aber es macht mich trotzdem unglaublich fertig. Es ist so verletzend. Mein Freund weiß, dass ich mir jeden Tag verdammte Sorgen mache, aber er reagiert auf keine Nachricht mehr. Er schrieb mir vor zwei oder drei Wochen lediglich, dass er viele Probleme hat (u.a. wieder 2 Anzeigen) und ich ihn vorerst in Ruhe lassen soll, bis er alles geklärt hat. Seitdem ist keinerlei Kommunikation mehr möglich gewesen und er fuhr sogar vor einer Woche in die Entgiftung, ohne mir Bescheid zu sagen. Ich hab es nur durch einen Freund erfahren. Bis jetzt hat er sich noch nicht gemeldet, vielleicht auch aus Angst oder Scham. Natürlich kommt diese ganze Wesensveränderung und Distanziertheit vom Heroin, das ist mir klar. Ich möchte aber auch weiterhin mit ihm zusammen sein, egal wie schwierig es wird, nur diese Funkstille, wenn er konsumiert und auch jetzt, wo er entgiftet zerreißt mich. Ich darf nicht für ihn da sein, er schließt mich zur Zeit komplett aus seinem Leben aus und lässt mich seit Wochen im Ungewissen. Ich will mich nicht von ihm trennen, weil er ansonsten ein sehr toller Mensch ist und ich ohne ihn nicht leben kann. Ich will ihn nicht im Stich lassen, er macht mich ja auch glücklich und stolz, obwohl ich momentan sehr leide. Aber er leidet doch genauso unter seiner Abhängigkeit und ich muss stark sein. Wie geht man am besten mit so einer Situation um??

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