Neuen Kommentar schreiben

Erstkonsumexperiment bei einem psychisch Kranken mit 6 Substanzen

Servus Leute :)

Kurz zu mir:

Ich bin männlich, gehe auf die 30 zu, habe nach dem Abitur angefangen zu studieren und auch mal zu arbeiten, beides allerdings nicht sonderlich erfolgreich, wegen einer Krankheit, auch wenn ich das lange nicht wusste.

Ich komme aus einem (was Drogen angeht) restriktiven Elternhaus. Meine Mutter (bin Halbwaise) hat mir im Laufe der Erziehung explizit klar gemacht, dass, sollte ich je eine Sucht entwickeln, das das eine wäre, bei dem sie mir nicht helfen kann. Bei ihr liegt das an ihrer Geschichte mit selbst süchtigen Eltern, von denen auch eines direkt durch den Konsum gestorben ist.

Ich leide an einer seltenen psychischen Krankheit mit schlechter Prognose. Das bedeutet im einzelnen einen hohe Suizidalität unter den Patienten und nur sehr wenige bzw. keine die wieder gesund werden. Zu dem Thema existiert mangels Patienten wenig Forschung und es gibt praktisch keine indizierten Medikamente, weshalb wahlweise auf Neuroleptika oder Antidepressiva zurückgegriffen wird. DIe wirken aber nicht. Die Therapie beschränkt sich daher auch eher auf Schadensbegrenzung (Hilfe mit dem Leben überhaupt klarzukommen praktisch). MIttlerweile gelte ich als schwerbehindert und bin als solches auch anerkannt,

Seit meinem ersten Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik schwirrt in meinem Kopf die Idee herum, dass es Menschen erlaubt sein sollte, sich aus freien Stücken für eine Droge zu entscheiden. Ich selbst hatte noch nie welche genommen, aber ich habe dort Menschen kennengelernt, die nur noch eine stark begrenzte Lebenszeit hatten. Mir wäre es lieber gewesen, man hätte diesen den Weg zu wirklich wirksamen Stimmungsaufhellern eröffnet, anstatt ihre restliche Lebenszeit noch mit Therapien zu vergeuden.

Nach meiner endgültigen Diagnose über ein Jahr und mehrere stationäre Aufenthalte später fing ich dann an mich näher mit illegalen Substanzen zu beschäftigen. In der Not muss der Teufel die Fliege erst mal finden, bevor er sie fressen kann.

Es entstand eine Liste mit 6 Hauptsubstanzen, von denen ich dachte, dass sie mir vielleicht helfen könnten:

a) mit bestimmten Situationen umzugehen

b) meine eigenen Gefühle wieder wahrzunehmen

c) neue Perspektiven auf innere und äußere Konflikte zu geben (oder die Konflikte erst zu finden)

Die 6 Substanzen sind im Einzelnen:

1. MDMA - also Entaktogen erhoffte ich mir davon mich selbst besser wahrnehmen zu können

2. GHB/GBL - wie bei MDMA, einfach ein intensiveres Erleben meiner selbst

3. LSD - Auflösen des Ich, ungefiltertes Wahrnehmen der eigenen Gedanken etc. klang vielversprechend

4. 2C-B - Ähnlich wie LSD nur in Comicgrafik? Her damit.

5. Kokain - Ursprünglich bin ich in Therapie gegangen, weil ich meine Wohn- und Lebensumstände so vernachlässigt habe, dass ich selbst darunter litt und suizidale Tendenzen entwickelte. Kokain wirkt leistungs- und antriebssteigernd und zwar wirklich, nicht wie die Placebopharmaka der Psychoindustrie. So der Gedanke. Könnte man auch dank des erhöhten Selbstbewusstseins gezielt vor einem Vorstellungsgespräch o.Ä. nehmen

6. THC - einfach für Anlässe bei denen man locker drauf und redselig sein soll. Weihnachtsfeiern, Geburtstage und so weiter. Ich bin nämlich sonst ein eher trister Zeitgenosse.

Das mag vielleicht alles für die Erfahreneren unter euch alles naiv klingen, aber die Verzweiflung treibt Menschen zu so manchem. Glaubt mir, ich habe genug Aufklärung erhalten. Da hätte noch so viel Drogenprävention nichts gebracht.

Vor einiger Zeit nun also enstand durch einen Medikamentenwechsel ein Zeitraum, in dem ich kein Medikament mehr in therapeutischer (also wirksamer) Dosis im Körper hatte. Einen besseren Zeitraum würde es nicht geben, also entschloss ich mich, endlich Nägel mit Köpfen zu machen. Ich bereitete mich vor, besorgte mir chemische Testkits, auch für die üblichen Streckmittel, informierte mich über Qualitäten, Verkäufer usw. Bis ich am Ende so weit war. Innerhalb von weniger als 2 Wochen probierte ich sie alle aus.

Diesen Erfahrungsbericht schreibe ich, weil es glaube ich wenige Menschen gibt, die von komplettem Nichtkonsum aus plötzlich (alleine auch noch) einen Haufen Drogen ausprobieren.

Als Ergebnis kann ich für mich Folgendes festhalten:

- ich bin gegenüber psychoaktiven Substanzen extrem unempfindlich. Aufgrund meiner Vorbereitung, der Tatsache dass alle Substanzen von verschiedenen Suppliern kamen und meinen Tests gehe ich nicht davon aus, dass ich minderwertige Ware erhalten habe. Dennoch musste ich die Substanzen um eine Wirkung zu erzielen massiv überdosieren (zwischen dem 2-8fachen dessen, was als "Normaldosis" gilt). Vielleicht wirken die Medikamente deshalb nicht. Ganz extrem war das bei den Psychedelika. Selbst bei 8 20mg Pillen 2C-B bzw. 800 Mikrogramm LSD hatte ich keine einzige Halluzination. Die 800 Mikrogramm LSD habe ich direkt beim ersten Versuch so genommen. Die Ich-Auflösung hat allerdings funktioniert.

- bei GBL und Kokain sehe ich eine erhöhte Suchtgefahr. Insbesondere bei GBL hatte ich schon während des Rausches Angst, dass ich es nicht schaffen würde, die Reste loszuwerden. Von dem hatte ich trotz "komatöser Dosis" noch 99% übrig, ist wohl pro Rausch ein ziemlich billiges Zeug. Mehr als einmal werde ich diese Substanzen nicht nehmen. Ich wollte ja mein Leben verbessern und nicht noch mehr Kontrolle verlieren. Damit fallen beide Substanzen raus, die für spezielle Situationen vorgesehen waren. Mein Leben an sich werde ich wohl weiterhin so wie ich nunmal bin beschreiten müssen.

- MDMA, 2C-B und THC erfüllen ihren Zweck zwar, aber nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe. So gar nicht. Auch diese Substanzen kommen für mich für weiteren Gebrauch nicht in Frage. Die stimmungsaufhellende Wirkung von sowohl MDMA als auch 2C-B ist zwar existent, allerdings war mir immerzu bewusst, dass es nicht ich bin, der da gut drauf ist. Fühlt sich komplett falsch und eklig für mich an. Eigentlich schade. Gerade in 2C-B hatte ich Potenzial gesehen, weil ich mir dachte, die stimmungsaufhellende Wirkung könnte eventuell einem Bad Trip vorbeugen. THC macht mich zwar gesprächig, aber auch dumm. Das ist nicht die Art der Gesprächigkeit, die ich im Sinn hatte.

- Bleibt noch LSD. Das ist tatsächlich die einzige Substanz, die ich nochmal kaufen und nehmen würde. Ich würde sogar soweit gehen und die wahrscheinlich umstrittene Aussage tätigen, dass verantwortungsbewusster Umgang mit LSD bei psychischen Problemen helfen kann. Ich hatte zwar auch eine stimmungsaufhellende Wirkung, aber die war minimal und hat nicht so gestört. Beim LSD lag der Fokus klar auf dem Heraustreten aus den üblichen Gedankenströmen, das Ego zu verlieren, also mich selbst nicht mehr für wichtig zu nehmen bzw. zeitweise gar nicht mehr wahrzunehmen und tief in bisher ungedachte Gedanken einzutauchen.

Ich muss dazu sagen, ich saß als Präventivmaßnahme gegen einen Bad Trip die ganze Zeit über vor meinem Computer und habe jeden Gedanken mitgeschrieben. Dieser Erguss würde hier wohl einen eigenen LSD Bericht rechtfertigen. Das hat mich auch aus den tiefsten Gedanken immer wieder in die Realität zurückgeholt. So konnte ich während des Trips schon anfangen ihn zu reflektieren. Dass ich was zum Schreiben dabei habe, werde ich wohl jetzt immer so machen. Wie soll man in einen Bad Trip abgleiten, wenn man einfach die Gedanken von vor ein paar Minuten nochmal lesen und ne andere Abzweigung nehmen kann?

Am Ende war der LSD-Rausch der Einzige, aus dem ich auch für später was mitnehmen konnte. Ein Beispiel:

Den depressiven Anteil in mir habe ich mir als kreisförmige, immer wiederkehrende Gedankenströme aus Feuer vorgestellt. Und bin dann einfach aus diesem Kreis herausgetreten und habe mich anderen Gedanken zugewandt. So als hätten diese Gedanken gar nichts mit mir zu tun, als wäre ich nur dort gewesen, um sie anzuschauen. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie befreiend das war. Und das Beste ist: Ich kann das jetzt immer noch so machen. Alleine dafür hat sich die ganze Aktion gelohnt, auch wenn sie natürlich in Sachen Risiko nicht ganz ohne war.

Als Fazit würde ich folgende 2 Sätze formulieren:

1. Eine Substanz einzunehmen, die in ihrer Wirkung oder in der Intention des Konsums darauf abzielt, eigenes Verhalten zu ändern oder zu verbessern, ist gefährlich. Daraus entsteht Suchtwirkung. Zumindest bei mir.

2. Eine Substanz einzunehmen, die sowohl in ihrer Wirkung als auch der Intention des Konsums(beides!) die Wahrnehmung verändert oder erweitert, ohne dabei das eigene Ich zu beeinflussen, kann massiv helfen, wenn man psychische Probleme hat. Der Konsum ist dann allerdings kein Spaß, sondern Arbeit. So hat es sich jedenfalls mit LSD für mich angefühlt. Und ungefährlich ist es deswegen trotzdem nicht, das sei auch gesagt. Ich denke ich hatte einfach Glück, dass ich mit dem Schreiben die für mich richtige Maßnahme getroffen habe, um einen Bad Trip zu verhindern. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich ziemlich versunken wäre, hätte ich diese realitätsbezogene Stütze nicht gehabt. Und ich kann mir auch vorstellen, dass für andere Menschen dieses Schreiben nicht die Stütze ist, die sie brauchen. In jedem Fall hätte ich gerne einen Tripsitter gehabt :/

Ich wünsche euch alles Gute!

Substanzen: 

Plain text

  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd> <p>
CAPTCHA
Diese Frage dient dazu festzustellen, ob Sie ein Mensch sind und um automatisierte SPAM-Beiträge zu verhindern.