Buspiron Wechselwirkungen

Hallo. Zur Zeit bekomme ich Flouxetin und Neurocil zur Behandlung einer Depression und einer (durch LSD getriggerte) generallisierte Angststörung. Da mir gegen meine Ängste die Medikamente kaum helfen bekomme ich im Laufe der Nächsten Wochen Buspiron verschrieben. Ich habe schon gelesen das, dass Buspiron auf die Serotonin-Rezeptoren Einfluss hat, dass Heißt das ich keine Serogenen Drogen wie z.B.: LSD oder Speed nehmen kann ohne eventuell ein Serotonin-Syndrom zu bekommen. Jetzt interessiert mich welche Wechselwirkungen das Buspiron mit anderen Drogen haben könnte. Vorallem würden mich die Wechselwirkungen zwischen Buspiron - Alkohol, Canabis, DPH, MXE und Magic Mushrooms interessieren. Muss ich nur mit der gegenseitigen Wirkungsverstärkung rechnen oder mit schlimmerem? Dazu interessiert mich wenn ich psychoaktive Substanzen konsumiere, vokalem Halluzinogene wie sich dies auf meine generallisierte Angststörung auswirken könnte. Ich nehme vielleicht 12 mal im Jahr Drogen (davon 70% Alkohol) habe aber auch viel Erfahrung. Das letzte mal als ich einen Joint geraucht habe, hatte ich unmittelbar nach dem Konsum eine Panikattacke bekommen, die über Stunden hinweg nicht verschwand. Der Konsum von Alkohol entspannt mich aber sehr. Hoffe das reicht an Informationen. Grüße aus Berlin. S

Dr. Frühling:

Hallo,

wir möchten gleich am Anfang betonen, dass wir keine ausgebildeten Mediziner_innen sind. Wir haben jedoch intensiv für Deine Fragen recherchiert, um sie so ausführlich wie möglich zu beantworten. Dies hat leider ein wenig Zeit in Anspruch genommen.

Zusätzlich kann es für Dich hilfreich sein, Deinen behandelnden Arzt/ Deine behandelnde Ärztin nach den genauen Wirkmechanismen Deiner Medikamente und nach Wechselwirkungen mit anderen Drogen zu befragen.

Leider verfügen nur wenige Mediziner_innen über ein Fachwissen zum Thema illegalisierte Drogen. Du hast jedoch nichts zu verlieren, da die ärztliche Schweigepflicht auch beim Konsum illegalisierter Drogen weiterhin besteht.

Nun zu Deinen Fragen:

Fluoxetin (auch bekannt unter seinem Handelsnamen Prozac)  ist ein selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, kurz SSRI, wirkt stimmungsaufhellend und wird als Antidepressivum eingesetzt.

Nebenwirkungen dieses Medikaments können Übelkeit, Schlaflosigkeit, Müdigkeit, Anorexie, Angst, Nervosität, Asthenie (Muskelschwäche), Tremor (Zittern), suizidale Gedanken/Handlungen, sexuelle Dysfunktion und Akathisie (Innere Unruhe, Unfähigkeit stillzuhalten) sein.

Wie Du geschrieben hast, darf es nicht zusammen mit Drogen konsumiert werden, die eine vermehrte Ausschüttung von Serotonin bewirken bzw. die an die Serotonin-Rezeptoren im Gehirn andocken (Wobei „Speed“, also Amphetamin, keine Substanz ist, die auf das serotonerge System wirkt). Weiterhin darf  Fluoxetin auf keinen Fall mit trizyklischen Antidepressiva oder MAO-Hemmern kombiniert werden; auch dies führt zum Serotonin-Syndrom.

In diesem schon etwas älteren Forenbeitrag: http://www.bluelight.ru/vb/archive/index.php/t-108959.html wurde eine Liste von Wechselwirkungen bestimmter Antidepressiva (inkl. Fluoxetin)  mit verschiedenen Drogen zusammengestellt (Englisch).

Interessanterweise stimuliert auch Dein neues Medikament Buspiron die Serotonin-Rezeptoren, es kann also in Kombination mit anderen serotonergen Substanzen ebenfalls ein Serotonin-Syndrom auslösen!

Solltest Du, sobald Du Deine Behandlung mit Buspiron beginnst, weiterhin Fluoxetin einnehmen, ist diese Kombination äußerst bedenklich! Es ist ratsam, Deinen behandelnden Arzt/ Deine behandelnde Ärztin aufzusuchen und ihn/sie konkret auf diese Problematik hinzuweisen und ggf. Deine Medikation umzustellen! Hierbei sollte nach dem Absetzen (besser: „ausschleichen“, d.h. langsames Herunterdosieren des Medikaments, um Entzugserscheinungen zu vermeiden) von Fluoxetin eine zweiwöchige Pause eingeschoben werden, um sicherzugehen, dass das Medikament den Körper vollständig verlassen hat und nicht mehr auf das serotonerge System wirkt. Die Kombination mit MAO-Hemmern kann zu einer Blutdruckkrise führen.

Bei Buspiron handelt es sich um ein speziell für die Behandlung von generalisierter Angststörung zugelassenes Medikament. Es soll im Gegensatz zu Benzodiazepinen, welche auch häufig bei Angststörungen eingesetzt werden, nicht zu einer körperlichen Abhängigkeit kommen. Buspiron stimuliert zum Teil die Serotonin-Rezeptoren und blockiert einige Dopamin-Rezeptoren. Es entfaltet sein volles Wirkungsspektrum erst nach einer ein- bis zweiwöchigen, regelmäßigen Einnahme.

Nebenwirkungen können Schwindelgefühl, Müdigkeit, Nervosität, verlangsamte Reaktionszeit, Konzentrationsstörungen, Albträume, Übelkeit, Kopfschmerzen, Herzrasen, Verwirrtheit, Schläfrigkeit, Schlaflosigkeit, Hautkribbeln, Verdauungsstörungen, Durchfall, Akkomodationsstörungen (verschwommene Sicht, erweiterte Pupillen), Mundtrockenheit und depressive Verstimmungen sein (vgl. Beipackzettel).

Neurocil ist ein trizyklisches Neuroleptikum mit dem Wirkstoff Levomepromazin. Es hat ein breites Wirkspektrum und kann u.a. leicht antipsychotisch, sedierend, schmerzlindernd, depressionslösend, brechreizlindernd und antiallergisch wirken.

Nebenwirkungen können Müdigkeit, niedriger Blutdruck, beschleunigter Puls, EKG-Veränderungen, Zungen-Schlund-Krämpfe, Schiefhals, Kiefermuskelkrämpfe, Blickkrämpfe, Versteifung der Rückenmuskulatur, Parkinson-Syndrom (reduzierte Mimik, Tremor,  Muskelstarre, Bewegungsarmut bis hin zur Bewegungslosigkeit, gesteigerter Speichelfluss), Unfähigkeit sitzen zu bleiben, Bewegungsdrang, verschwommene Sicht (Akkomodationsstörung), trockener Mund, Gefühl verstopfter Nase, Erhöhung des Augeninnendrucks, Verstopfung, Beschwerden bei der Blasenentleerung, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, Appetitverlust sowie Störungen der Wärmeregulation sein (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Levomepromazin).

Diese vielfältigen Wirkungen und Nebenwirkungen resultieren aus der Tatsache, dass Levomepromazin die Adrenalin-, Noradrenalin-, Histamin-, einen Teil der Serotonin- und in sehr geringem Maße die Dopamin-Rezeptoren blockiert.

Der Konsum von Drogen, die zu einer vermehrten Ausschüttung von Adrenalin und Noradrenalin führen bzw. deren Effekte im Gehirn nachahmen (Speed/Pep, Ephedrin etc.), ist also in Kombination mit Neurocil nicht ratsam, da wahrscheinlich kein Effekt spürbar sein wird und unangenehme Nebenwirkungen auftreten können.

Dass Dich Alkoholkonsum entspannt, ist kaum verwunderlich. Alkohol senkt als „Downer“ durch Blockaden an verschiedenen Stellen im Gehirn die generelle Hirnaktivität herab.

Allerdings sollte Alkoholkonsum in Verbindung mit sämtlichen Medikamenten vermieden werden, da Alkohol zusätzlich zur Beeinflussung der Hirnaktivität hepatotoxisch (=“lebergiftig“) wirkt und somit den Abbau bzw. die Verstoffwechslung verschiedener Medikamente und anderer Substanzen beeinträchtigt. Alkoholkonsum in Verbindung mit anderen psychoaktiven Substanzen kann häufig zu Übelkeit und Unwohlsein bin hin zu Erbrechen führen, außerdem kann es durch gegenseitige Wirkungsbeeinflussung auch zu z.T. nur schwer kalkulierbaren Wechselwirkungen kommen.

Auch Fluoxetin hemmt zahlreiche Arzneistoff abbauende Enzyme (z.B. CYP2D6 und CYP2C9/19) in der Leber und kann somit den Abbau und die Verstoffwechslung verschiedener Substanzen verzögern oder behindern.

Deine Cannabis-induzierte Panikattacke ließe sich eventuell dadurch erklären, dass THC im Gehirn zu einer erhöhten Ausschüttung von Dopamin führt. In der Hirnforschung wird die Funktion des Neurotransmitters Dopamin im Bereich der Antriebssteigerung und Motivation angesiedelt. Eine erhöhte Ausschüttung kann also bei schlechtem Set (wie z.B. einer generalisierten Angststörung) oder Setting Panikattacken auslösen oder begünstigen.

Beim Konsum von „Magic Mushrooms“, also psilocin- oder psilocybinhaltigen Pilzen, wirst Du momentan wahrscheinlich keine Wirkung spüren, da Neuroleptika wie Neurocil deren Wirkung oft aufheben bzw. unangenehme Nebenwirkungen verstärken. Auch SSRIs wie Fluoxetin dämpfen die Wirkung halluzinogener Drogen.

DPH blockiert die Histamin-Rezeptoren und wirkt somit u.a. antiallergisch und sedierend. Dieser Aspekt kann in Kombination mit Neurocil verstärkt werden, da dieses Medikament ebenfalls die Histamin-Rezeptoren blockiert. Bei einem stärker sedierenden Effekt steigen die Verletzungsgefahr und das Risiko lebensbedrohlicher Nebenwirkungen. Weiterhin handelt es sich bei DPH um einen Serotonin-Wiederaufnahmehemmer und es sollte deshalb ebenfalls nicht mit serotonergen Drogen kombiniert werden.

Genaue Aussagen über die Wechselwirkungen von MXE mit anderen Substanzen zu treffen ist schwierig, da es sich um eine  relativ junge und unerforschte Substanz handelt. Allerdings ähnelt Methoxetamin in seiner Struktur und Wirkungsweise dem Ketamin und es ist daher anzunehmen, dass auch Wirkungen und Nebenwirkungen sich ähneln.

Bei der Kombination Neuroleptika + Methoxetamin besteht die Gefahr einer Atemlähmung.

Zusammenfassend ist also zu sagen, dass auf Grund Deiner momentanen Medikation und Deiner psychischen Verfassung definitiv vom Konsum psychoaktiver Substanzen abzuraten ist, da Du in jedem Fall mit unangenehmen Nebenwirkungen bzw. unvorhersehbaren Wechselwirkungen zu rechen hast.

Solltest Du Dich trotz des sehr hohen Risikos für einen Konsum entschieden, achte bitte darauf, dass immer eine Person bei Dir ist, welche auf Dich aufpasst sowie darüber informiert ist, welche Medikamente und Substanzen Du konsumiert hast und im Notfall sofort Hilfe rufen kann!

Vertraue nicht zu sehr darauf, dass man Dich im Notfall im Krankenhaus behandeln kann! Beim Serotoninsyndrom kann man z.B. lediglich die auftretenden Symptome behandeln und viele Notfallmediziner_innen sind bei den Wechsel- und Nebenwirkungen von Drogen oft überfordert.

Falls Du Dich auch über eine nichtmedikamentöse Behandlung einer generalisierten Angststörung informieren möchtest, kannst Du hier mal reinschauen: https://www.psychic.de/generalisiert-angststoerung.php

Alles Gute,

Dein Dr.-Frühling-Team

 

Die Informationen in unserer Antwort sind keine Anleitung oder Motivierung zum Drogenkonsum! Die erwähnten Substanzen können dem BtMG [Betäubungsmittelgesetz] unterliegen. Besitz, Erwerb und Handel sind damit dann strafbar!
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