Drogen und Gefühle

hallo,ich würde gern wissen inwie weit Drogen die Gefühle einer person und Erinnerungen beeinflussen ,insbesondere unter Kokain und 7 jähriger cannabis einnahme.Ich hatte vor 3 jahren einen Jungen kenngelernt der drogensüchtig war,ich wusste es am Anfang nicht ,wir hatten was zusamm und er wollte eigentlich auch mit mir zusamm sein aber er meinte er habe schlechten Einfluss auf mich und das er nicht will dasjemand wegen ihm so leidet.Er war ein halbes Jahr lang voll lieb zu mir aber nach dem er diese Worte sagte sprach er kein Wort mehr mit mir und tat so als ob er mich nicht kennt.wir wohnten im selben Haus.es wurde immer schlimmer mit ihm.Als ich ihm mal sprechen wollte wurde er agressiv und schubste mich aus dem Fahrstuhl.Ein Jahr später hat ermich sogar verprügelt.Ich kann es immer noch nicht richtig glauben und verstehe es nicht wie jemand der einen mal gern gehabt hat sich so zum krassen Gegenteil verändern kann.Ich frage mich immer wieder :1.Hat er vergessen das er mich mal gern gehabt hat? 2.Hat er vergessen was er für mich empfand 3.Ist es möglich das durch Drogen die Wahrnehmung so verzeert wird das er etwas für real hält was überhaupt nicht stimmt? zum Beispiel,hat ermich beschimpft und gesagt ich würde rumhuren was völlig aus der luft gegriffen ist und er dachte ich hätte ihn an die Polizei verraten.Ich konnte sagen was ich wollte er glaubte mir kein einziges wort.Langer Text ich weiss aber ich hoffe Sie können mir ein paar Erklärungen geben,ich selber nehme keine Drogen.danke


Dr.-Frühling-Team:

 

Hallo,

vielen Dank für Deine Anfrage. 

Zunächst hoffen wir, dass Du in der Zwischenzeit keiner Gewalt mehr ausgesetzt warst und Du Dich sicher fühlen kannst. Scheue Dich nicht, Dich an eine Dir vertraute Person, eine offizielle Beratungsstelle oder ggf. auch an die Polizei zu wenden, falls Du dazu noch Aufarbeitungsbedarf hast oder das Gefühl hast, es könnte erneut zu so einer Situation kommen.   

Du möchtest von uns wissen, inwiefern Drogen Einfluss auf die Psyche bzw. genauer gesagt auf die Gefühlswelt, das Erinnerungsvermögen und die Persönlichkeit der konsumierenden Person nehmen.

Hierbei muss man zunächst mitdenken, dass jede Persönlichkeit ein komplexes Zusammenspiel aus vielschichtigen Merkmalen ist. Egal ob mit oder ohne Drogenkonsum, die Persönlichkeit und das Verhalten eines jeden Menschen sind kein feststehendes Gebilde sondern veränden sich je nach den eigenen Erfahrungen und Umständen fortlaufend. Manche Menschen verändern sich stärker, andere sind "stabiler" in ihrer Persönlichkeit.

Psychoaktive Substanzen, also Drogen, greifen je nach Substanz und Konsummuster (Dosis, Häufigkeit, Konsumumstände, etc.) teilweise sehr stark in die Prozesse im Gehirn ein und können somit starken Einfluss auf die Wahrnehmung, Gefühle, Erinnerungsvermögen und das Verhalten einer Person haben. Dabei können unbewusste bzw. bisher unbekannte Seiten einer Person zum Vorschein kommen. Psychoaktive Substanzen ergreifen jedoch nicht, wie vielfach dargestellt, Besitz von einer Person, sondern holen immer nur Seiten aus ihr hervor, die auch schon vorher in ihr "geschlummert" haben und die unter bestimmten Umständen zu Tage treten können. Dies kann positive aber auch negative Seiten betreffen. In vielen Fällen werden beim Konsum bestimmter Substanzen Selbstregulierungsmechanismen und Hemmungen herabgesetzt oder ausgeschaltet, die im nüchternen Zustand dabei helfen, erste Impulse zu steuern und z.B. in Stresssituationen einen kühlen Kopf zu bewahren. 

Folgende Nebenwirkungen und Langzeitfolgen können bei Kokainkonsum auftreten:
Unsicherheit, Angst, Störungen im Denkablauf, innere Unruhe, gesteigerte Aggressivität. Weiterhin kann es durch konsumbedingten Schlafmangel zu Angstzuständen, Verfolgungswahn, Desorientierung und Sinnestäuschungen kommen. Mögliche psychische Langzeitbegleiterscheinungen sind z. B. Gereiztheit, starke Stimmungsschwankungen, Depressionen, Wahnvorstellungen, »Kokainhalluzinationen« (»Tiere unter der Haut«) und starke Veränderungen der Persönlichkeit.
Wissenschaftlich diskutiert werden bleibende Störungen des Kurzzeitgedächtnisses bzw. intellektueller Fähigkeiten.

Auch Cannabiskonsum kann, neben anderen Nebenwirkungen und Langzeitfolgen, unter Umständen Angstzustände und Psychosen hervorrufen - dieses Risiko wird durch den Mischkonsum mit aufputschenden Substanzen noch erhöht.

Sind die Selbstregulierungsmechanismen mit fortlaufendem Konsum dauerhaft herabgesetzt und rückt die Substanz immer mehr in den Lebensmittelpunkt einer Person, hat das meistens großen Einfluss auf das Verhalten der Person und ihrem Verhältnis zu anderen Personen. Viele (ehemalige) Konsument*innen, bei denen der Konsum einen sehr hohen Stellenwert hat bzw. hatte und deren Angehörige, berichten von teils sehr starken Persönlichkeitsveränderungen. Allerdings spielen auch hierbei die Umstände eine große Rolle. Menschen können sich also von sich aus verändern, durch Drogenkonsum aber unter Umständen sehr stark.

Ob der Junge, von dem Du sprichst, alles vergessen hat was Euch vorher miteinander verbunden hat, können wir nicht sagen. Allerdings scheint es Deiner Erzählung nach nicht so, als hätte er im Moment noch Interesse an dieser Verbundenheit. Fraglich ist, warum er Dir aus Deiner Sicht haltlose Vorwürfe macht und Dir nicht glauben möchte. Wenn er sogar gewalttätig gegen Dich wird, scheint das Vertrauensverhältnis zwischen Euch sehr stark belastet zu sein.

Du musst selbst entscheiden, inwieweit Du weiterhin versuchen willst, das Vertrauensverhältnis wieder herzustellen. Überleg dabei, wie wichtig Dir die Freundschaft zu ihm ist und warum genau. Wir können verstehen, dass man (ehemals) nahestehenden Personen helfen möchte, allerdings ist es schädlich, hierbei die eigenen Grenzen nicht zu beachten. Zudem kann man nur Menschen helfen, die auch Hilfe annehmen wollen. Dies scheint für den Jungen im Moment schwierig zu sein.

Falls Du Dir weiterhin sorgen machst und trotz allem nochmal das Gespräch mit ihm suchen möchtest, können dabei unsere Tipps zum Thema "Wir müssen reden!" für Dich interessant sein:
https://drugscouts.de/de/page/%E2%80%9Ewir-m%C3%BCssen-reden%E2%80%9C

Pass aber auf jeden Fall auf Dich auf und akzeptiere es, wenn er nicht mit Dir darüber sprechen möchte. Sollte er nochmals gewalttätig werden, gilt das gleiche, was wir zu Beginn schon geschrieben haben.

Wenn Du Dich mit uns über das Ganze unterhalten möchtest, kannst Du uns gern auf unserem Drogentelefon anrufen: 0341 - 211 22 10 (erreichbar dienstags von 09:00 bis 13:00 und donnerstags von 15:00 bis 19:00).

Wir wünschen Dir alles Gute.
Dein Dr.-Frühling-Team
 

Die Informationen in unserer Antwort sind keine Anleitung oder Motivierung zum Drogenkonsum! Aufgeführte Substanzen können dem BtMG [Betäubungsmittelgesetz] unterliegen. Besitz, Erwerb und Handel damit sind strafbar! Wenn die Stoffe frei verfügbar sind, heißt das nicht, dass ihr Gebrauch ungefährlich wäre. Dieser Text wurde nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Dennoch können Irrtümer nicht ausgeschlossen werden. Die Drug Scouts übernehmen keine Haftung für Schäden, die durch irgendeine Art der Nutzung der Informationen dieses Textes entstehen.