Müdigkeit nach jahrelangem Pep-Konsum

Hallo,

Meine Freundin hatte bevor wir uns kennen lernten jahre lang (6 oder 7 Jahre) Pep/speed mit immer höheren Dosen konsumiert.

Zu dieser Zeit hatte Sie auch sehr viel abgenommen auf ca 45 kilo und hat mitlerweile wieder zugelegt auf ca 80 kilo.

Was bei dieser Droge auch normal zu sein scheint.

Dabei auch noch Gekifft was Sie jetzt immernoch tut aber dafür nur alle 1 oder 2 Monate ein mal.

Sie hat mit dem Pep vor ungefähr 1 1/2 - 2 jahren aufgehört.

Sie ist in der Regel Müde und lustlos um etwas zu unternehmen und liegt in ihrer Freizeit fast ausschließlich auf dem Sofa.

Hierzu meine Frage:

Ist diese Müdigkeit und Antriebslosigkeit noch auf den Speed Konsum zurück zu führen?

Wenn ja reguliert sich das von selbst (ungefähres Zeitfenster wäre nett) oder kann das ein dauerhafter Zustand sein?

Vielen dank schonmal für die Antwort


Dr.-Frühling-Team:

Hallo,

vielen Dank für Deine Anfrage. Du möchtest wissen, ob sich Müdigkeit und Antriebslosigkeit Deiner Freundin auf ihren Speedkonsum in der Vergangenheit zurückführen lassen. Zunächst einmal möchten wir wertschätzen, dass Du Dir Sorgen um den Zustand Deiner Freundin machst und Dich informierst.

Zunächst ist dabei zu bedenken, dass das Energielevel eines jeden Menschen unterschiedlich ist. Müdigkeit / Antriebslosigkeit kann grundsätzlich viele verschiedene Ursachen haben (z.B. Ernährung, Schlafgewohnheiten, Nährstoffmangel). Wir wissen nicht, welcher Tätigkeit Deine Freundin außerhalb ihrer Freizeit nachgeht, ob sie dort einem erhöhten Stresslevel ausgesetzt ist und wie ihre sonstige Lebenssituation ist.
Dass es einen Zusammenhang mit dem früheren Speedkonsum gibt, ist jedoch nicht auszuschließen. Welchen Anteil der Cannabiskonsum zu der Antrieblosigkeit beiträgt, können wir nicht genau sagen. Die Auswirkungen werden sich aber in dem Maße, das Du beschreibst (aller 1-2 Monate ein Mal) in Grenzen halten. Es ist ratsam zu beobachten, ob sich auch hier eine Konsumsteigerung entwickelt.

Pepp/Speed gehört zur Gruppe der Amphetamine, die eine antriebssteigernde Wirkung haben und Müdigkeitssymptome unterdrücken. Bei jahrelangem hochdosiertem Konsum verbraucht der Körper viel Energie und wird unter Umständen stark ausgezehrt. Zudem bewirkt es vor allem die Ausschüttung der Botenstoffe Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin. Der Körper wird in eine Art Ausnahmezustand versetzt, der sonst in Gefahrensituationen eintritt. Erscheinungen wie starke Erschöpfungszustände, Muskelschmerzen, depressive Verstimmungen, Konzentrationsmangel, großes Schlafbedürfnis und Heißhunger zählen zu den Kurzzeitnebenwirkungen nach dem Konsum. Diese können bei Langzeitkonsum, nach Absetzen der Substanz verstärkt auftreten. Daher kann es sein, dass Deine Freundin aufgrund des jahrelangen Konsums nun verstärkt mit Müdigkeit / Antriebslosigkeit zu kämpfen hat.

Langanhaltende Antriebslosigkeit kann auch ein Hinweis auf Depressionen sein.
Die entscheidende Frage dabei ist, ob Deine Freundin unter ihrem aktuellen Zustand leidet. Es kann vorkommen, dass man einen Zustand von außen als „nicht normal“ einschätzt, die betreffende Person aber eigentlich zufrieden mit sich ist und es ihr gut geht. Nur, weil wir ein Verhalten Anderer subjektiv für ungut / unnormal / ungesund befinden, muss die betreffende Person das nicht auch für sich empfinden. Jede Person geht individuell mit dem eigenen Körper um, das sollte respektiert werden.

Du scheinst Dir jedoch Sorgen um sie zu machen und es scheint bei Dir ein Bedürfnis nach mehr gemeinsamen Unternehmungen zu geben. Vielleicht kannst Du darüber mit ihr ins Gespräch kommen, ihr Deine Wahrnehmung schildern und sie nach ihrem Befinden in Bezug auf die Situation fragen. Vielleicht findet ihr gemeinsam die Gründe für ihre Antrieblosigkeit und könnt Euch Strategien überlegen, wie ihr beide mit der Situation umgehen wollt. Bei unserer Rubrik „Wir müssen reden“ für Freund*innen / Angehörige geht es neben schwierigem Konsumverhalten auch darum, wie man generell Sorgen und Ängste formulieren kann, ohne der Person Vorwürfe zu machen:
https://drugscouts.de/de/page/%E2%80%9Ewir-m%C3%BCssen-reden%E2%80%9C

Prinzipiell ist es so, dass unser Gehirn die Fähigkeit hat, sich zu verändern und anzupassen, sogar nach (mehrjährigem) Konsum von (neurotoxischen) Substanzen. Auch wenn es an verschiedenen Punkten unterschiedlich schwer fallen mag, Veränderungen sind immer möglich und finden auch ständig statt. Verliert also nicht den Mut.

Sollte bei Deiner Freundin ein Leidensdruck bestehen und ihr selbst durch eigenes Bemühen (bzw. mit Deiner Unterstützung) keine Änderung gelingen, kann es hilfreich sein, professionelle Hilfe aufzusuchen.

Ein Termin bei ihrer* / ihrem* Hausärzt*in kann erste Klarheit bringen und mögliche körperliche Ursachen (z.B. niedriger Blutdruck / Nährstoffmangel / neurologische Dysfunktionen / etc.) können abgeklärt werden. Wenn sich herausstellt, dass Deine Freundin psychologische Hilfe benötigt, so kann der/die Hausarzt/ärztin gegebenenfalls an andere Stellen überweisen.

Wir wünschen Dir und Deiner Freundin alles Gute!
Dein Dr.-Frühling-Team


Die Informationen in unserer Antwort sind keine Anleitung oder Motivierung zum Drogenkonsum! Aufgeführte Substanzen können dem BtMG [Betäubungsmittelgesetz] unterliegen. Besitz, Erwerb und Handel damit sind strafbar! Wenn die Stoffe frei verfügbar sind, heißt das nicht, dass ihr Gebrauch ungefährlich wäre. Dieser Text wurde nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Dennoch können Irrtümer nicht ausgeschlossen werden. Die Drug Scouts übernehmen keine Haftung für Schäden, die durch irgendeine Art der Nutzung der Informationen dieses Textes entstehen.