Mit Cannabis in der Tasche erwischt. Was blüht mir?

Hallo
Ich bin 17 und bin bei einer Polizeikontrolle mit 2 - 3 g Gras erwischt worden.
Wurde dann mit aufs Revier genommen und durchsucht. Der anschließende Drogentest war negativ.
Das Zeug war von einem Typen, dem ich es nur an einem späteren Zeitpunkt wiedergeben sollte. Ich war also nur Verwarer für ein paar Stunden gegen etwas Kohle. Von dem Typen kenn ich nichtmal den Namen, habe ihn auch seither nicht mehr gesehen. Schätze mal er wirds gehört haben dass ich erwischt worden bin. Nun wollte ich wissen, was mir jetzt blüht. Werde ich angezeigt? Muss ich vor Gericht? Brauch ich einen Anwalt? Muss ich nach dem Drogentest auf dem Revier, der negativ war noch weitere Tests über mich ergehen lassen? Oder kann man das gar nicht sagen sondern man muss einfach abwarten? 

 

Dr. Frühling:

Hallo,

ob Du nur "Verwarer" gewesen bist oder nicht, spielt in Deinem Fall keine all zu große Rolle, denn Du warst zu diesem Zeitpunkt im Besitz der 2-3g Gras und der Besitz illegalisierter Substanzen ist laut Betäubungsmittelgesetz (BtMG) strafbar.

Dementsprechend musst Du eventuell mit einer Anklage wegen eines Verstosses gegen das Betäubungsmittelgesetz rechnen. Allerdings kannst Du auf eine Einstellung des Verfahrens hoffen, wenn Du "Ersttäter" bist und es sich lediglich um eine geringe Menge Cannabis (von Bundesland zu Bundesland verschieden) zum Eigenverbrauch gehandelt hat. Des Weiteren ist bei jeder Feststellung von Drogenbesitz eine Eintragung ins Bundeszentralregister möglich. Wie die Besitzmengen im Falle von Eigenbedarf in den unterschiedlichen Bundesländern üblicherweise gehandhabt werden, ist hier ganz gut beschrieben: https://www.land-der-traeume.de/justiz_bundeslaender.php (Stand 2004). Die eventuelle Einstellung eines Verfahrens ist jedoch kein Muss, sondern wird in jedem Fall neu von der Staatsanwaltschaft beschlossen. Du kannst Dich also nicht explizit darauf verlassen.

Auch wenn Du "nur" als Fußgänger unterwegs warst, könnte es möglich sein, dass die Polizei den Sachverhalt an die Führerscheinbehörde weitergibt, da bei Dir illegalisierte Substanzen gefunden wurden. Mögliche Folgen könnten der Führerscheinentzug, die Anordnung von ärztlichen Gutachten oder eine MPU (medizinisch-psychologische Untersuchung, auch als Idiotentest bekannt) sein. Wenn das eintritt, werden weitere Urintests auf Dich zukommen, um festzustellen, ob und wie viel Du konsumierst.

Eine ähnliche Anfrage [Kiffen und Probezeit] haben wir bereits beantwortet. In dieser Anfrage geht es zwar um jemanden, der gekifft und nicht am Straßenverkehr teilgenommen hat. Aber selbst wenn Du nicht gekifft hast, Polizei und Führerscheinstelle gehen bei Drogenbesitz häufig einfach von Drogenkonsum aus, so dass Du in der Beweispflicht wärst, dass Du nicht konsumiert hast. Falls Du noch keinen Führerschein hast, dann kann die Meldung an die Führerscheinstelle, falls sie erfolgt, bewirken, dass Du eine MPU oder eine ärztliches Gutachten machen musst, bevor Dir der Führerschein ausgehändigt wird. Dies bedeutet in diesem Fall, dass Du Fahrschule und die Prüfungen ganz normal machen kannst, Dir am Ende aber der Führerschein aber erst ausgehändigt wird, wenn Du erfolgreich die MPU/das ärztliche Gutachten bestanden hast.

Infos zu MPU/ärztlichem Gutachten wegen Drogenbesitz, findest Du hier: mpu-wegen-cannabisbesitz und als-beifahrer-mit-marijuana-erwischt-worden.

Falls Du in Zusammenhang mit Deinem Fall demnächst einen Brief von der Polizei oder vom Gericht bekommen solltest, raten wir Dir, Dich an einen Anwalt / eine Anwältin zu wenden. Dabei ist das Erstgespräch fast kostenlos und kann hilfreich sein, um vorab zu klären, ob anwaltliche Hilfe in Deinem Fall überhaupt nötig bzw. sinnvoll ist. Um ein Erstgespräch bei einem Anwalt / einer Anwältin zu bekommen, brauchst Du einen Beratungsschein. Den bekommst Du bei dem für Dich zuständigen Amtsgericht und er kostet, je nach Bundesland, zwischen 10€ und 20€. Welches Amtsgericht für Dich zuständig ist, kannst Du hier herausfinden: http://www.justiz.de/OrtsGerichtsverzeichnis/index.php

Dies alles könnte auf Dich zukommen, wenn die Polizei den festgestellten Drogenbesitz an die Führerscheinstelle meldet und diese eine MPU oder ein ärztliches Gutachten von Dir anfordert. Dies geschieht nicht in allen Fällen, ist aber eine häufige Vorgehensweise bei Drogenfunden außerhalb des Straßenverkehrs.

Wir wünschen Dir viel Glück,
Dein Dr.-Frühling-Team 

 

Die Informationen in unserer Antwort sind keine Anleitung oder Motivierung zum Drogenkonsum! Aufgeführte Substanzen können dem BtMG [Betäubungsmittelgesetz] unterliegen. Besitz, Erwerb und Handel damit sind strafbar! Wenn die Stoffe frei verfügbar sind, heißt das nicht, dass ihr Gebrauch ungefährlich wäre. Dieser Text wurde nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Dennoch können Irrtümer nicht ausgeschlossen werden. Die Drug Scouts übernehmen keine Haftung für Schäden, die durch irgendeine Art der Nutzung der Informationen dieses Textes entstehen.