Nach langer Zeit immer noch Entzugserscheinungen von Tavor?

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe von Anfang Januar bis Mitte Juni Tavor eingenommen ( 1 Tablette, selten mehr )
wegen Angststörung und Depressionen. Ich habe mit aller Kraft im Juni in einer Klinik angefangen, mich von diesem Mittel zu entwöhnen.
Zur Zeit nehme ich seit ca. 9 Wochen Mirtazapin. Ab Nachmittag fühle ich mich wohl und wie vor meiner Depression. Aber ich habe sehr große Unruhe und schlimme Gedanken in der Frühe und am Vormittag.

MEINE FRAGE IST : Kann meine morgendliche Unruhe immer noch von den Entzugserscheinungen der Tavor kommen. Ich vermute es, kann aber niemand dazu befragen.

Falls es so sein sollte, kann ich mich besser auf diese Zustände einstellen und irgendwann muss dieser Entzug auch mal vorbei sein.

Mit freundlichem Gruß


Dr. Frühling:

Hallo,

die Probleme, die Du beschreibst, sind nicht ungewöhnlich. KonsumentInnen von Tavor berichten immer wieder von Schwierigkeiten beim Absetzen des Medikaments, aber auch davon, dass diese nachlassen.

Tavor gehört zur Gruppe der Benzodiazepine.
Du sagst, Du hast dieses Medikament fast 5 Monate täglich eingenommen. Das ist für Tavor ein sehr langer Zeitraum, da KonsumentInnen schon nach kurzer Zeit eine Abhängigkeit entwickeln können. Setzt man Tavor ab, kann es zu einem "Rebound"-Effekt kommen. Das bedeutet, dass die Symptome verstärkt auftreten, gegen die das Medikament ursprünglich verschrieben bzw. eingenommen wurde. Das wird von KonsumentInnen der Substanz als sehr unangenehm beschrieben. Neben der physischen Abhängigkeit entwickeln Benzo-KonsumentInnen oft eine psychische Bindung an die Substanz. Das heißt, die Substanz wird zwanghaft konsumiert, um unangenehme Gefühle zu dämpfen.

Die nach dem Absetzen von Tavor auftretenden Entzugssymptome verringern bzw. legen sich mit der Zeit.
Welchen Zeitraum das genau in Anspruch nimmt, können wir nicht genau sagen. Die Erfahrungen, die KonsumentInnen schildern, reichen von ein paar Tagen Schlaflosigkeit und Nervosität bis hin zu schweren, drei Monate anhaltenden Entzugserscheinungen. Die von Dir geschilderten Symptome können also mit dem Entwöhnen von Tavor zusammenhängen. Wirklich einschätzen können wir das aus der Ferne nicht.

Jetzt nimmst Du täglich Mirtazapin ein. Mirtazapin ist der Wirkstoff von Remergil-Tabletten. Dieses Medikament wird bei Depressionen verschiedener Ursachen und Schweregrade eingesetzt. Da Du seit 13 Wochen Mirtazapin einnimmst, müsste sich bei Dir eine stimmungsaufhellende und depressionslösende Wirkung eingestellt haben. Du schreibst jedoch, dass Dein Tag mit "großer Unruhe und schlimmen Gedanken beginnt", d.h., das Medikament zeigt (noch) nicht die erwünschte Wirkung.

Es ist möglich, dass die Mirtazapindosis nicht richtig auf Dich abgestimmt ist und dass Du deshalb eine "Lücke" in der Wirkung spürst. Vielleicht muss Deine Dosis rauf oder runter gesetzt werden, damit Du Dich mit dem Medikament wohl fühlst. Die richtige Dosis zu finden, kann etwas Zeit in Anspruch nehmen. Lass Dir und Deinem Körper Zeit, sich an das neue Medikament zu gewöhnen.
Es kann auch sein, dass Mirtazapin nicht das richtige Medikament für Dich ist.
Verschiedene Menschen kommen ganz unterschiedlich mit ein und dem selben Psychopharmakum zurecht.

Wir empfehlen Dir, Deinen Arzt oder Deine Ärztin zu informieren und gemeinsam mit ihm/ihr eine Strategie für den Umgang mit Deinem neuen Medikament bzw. mit möglichen Tavor-Entzugserscheinungen zu entwickeln. Falls es Dir möglich ist, sprich offen aus, was in Dir vorgeht und wie Du Dich fühlst. ÄrztInnen unterliegen generell der Schweigepflicht. Darauf kannst Du sie am Anfang eines Gespräches auch hinweisen.
Darüber hinaus könnten auch begleitende nichtmedikamentöse Maßnahmen zur Behandlung von Depressionen sehr hilfreich sein, z.B. Gesprächstherapie oder Selbsthilfegruppen. Vielleicht kannst Du mit der Unterstützung durch andere Menschen Strategien entwickeln, die Dir helfen, die morgendliche Unruhe und das Unwohlsein besser zu überstehen.

Welche Erfahrungen andere Menschen mit Benzos gemacht haben, kannst Du in unserem Erfahrungsberichteforum hier nachlesen.

Alles Gute für Dich,
Dein Dr.-Frühling-Team
 

Die Informationen in unserer Antwort sind keine Anleitung oder Motivierung zum Drogenkonsum! Aufgeführte Substanzen können dem BtMG [Betäubungsmittelgesetz] unterliegen. Besitz, Erwerb und Handel damit sind strafbar! Wenn die Stoffe frei verfügbar sind, heißt das nicht, dass ihr Gebrauch ungefährlich wäre. Dieser Text wurde nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Dennoch können Irrtümer nicht ausgeschlossen werden. Die Drug Scouts übernehmen keine Haftung für Schäden, die durch irgendeine Art der Nutzung der Informationen dieses Textes entstehen.