Psychoserisiko durch Speed

Guten Tag

Ich habe unter anderem auf Wikipedia gelesen, dass Speedkonsumenten eine Risiko von 25 % haben, an einer Schizophrenie zu erkranken. Das würde meiner Meinung nach bedeuten, dass es sich somit um eine Droge mit einem enormen psychischen Risiko handelt.

Mich würde einfach grundsätzlich interessieren, ob Psychosen vor allem(d.h. wirklich mehrheitlich) bei Langzeitkonsumenten und Süchtigen auftreten, oder ob bereits der einmalige bzw. gelegentliche Konsum ein hohes Risiko in sich birgt. ( Mir ist klar, dass es unmöglich ist, das individuelle Risiko genau abzuschätzen.)

Ich kann mir natürlich vorstellen, dass der jahrelange, exsessive Konsum und der dadurch entstehende Verschleiß des Körpers, sehr gefährlich sind, aber um zu meiner Frage zurückzukehren : Im Vergleich zu anderen Drogen (zb. Cannabis), stellt Speed hier eine besonders riskante Droge dar (Wie gesagt bezogen auf psychische Folgen) ?

Denn obwohl einige Quellen das hohe Schizophrenie- Risiko ansprechen, behaupten andere, eine sogenannte Amphetamin Psychose klinge meistens nach einigen Tagen ab. Da es sich aber bei der Schizophrenie um eine kaum heilbare Krankheit handelt , weiß ich nicht, wie ich das Gefahrenpotential dieser Droge einschätzen soll.

PS: Natürlich muss bei Speed hier von Amphetamin ausgegangen werden, das nicht mit anderen psychoaktiven Substanzen gestreckt ist. Diesen weiteren Risikofaktor müsste man wohl auch für die Beantwortung außer Acht lassen.

*Alle Fragen und äußerungen sind rein hypothetisch und theoretisch, ich habe nicht die Absicht oder Möglichkeit gegen ein Gesetz zu verstoßen*

 

Dr. Frühling

Hallo,

das Thema dass Du ansprichst ist komplex, daher fällt unsere Antwort auch eher lang aus.

Einen risikofreien Konsum gibt es nicht. Generell ist der Langzeitkonsum riskanter als der einmalige oder seltene Konsum.

Jedoch kann auch bei einmaligem Konsum eine Schizophrenie oder Psychose ausgelöst werden. Entscheidende Risikofaktoren sind hierbei, ob jemand die Veranlagung zu einer Psychose in sich trägt, ob die Person durch äußere Umstände (stressige Situation, Gefahrensituation) zusätzlich belastet wird (vgl. hierzu auch  Set und Setting), sowie die Dosis. Ob jemand eine Veranlagung zu Psychosen oder Schizophrenie hat, lässt sich natürlich schwer sagen, bevor ein derartiger Zustand zum ersten Mal aufgetreten ist. Menschen, deren nächste Verwandte solche Erkrankungen haben oder hatten, haben in der Regel ein höheres Risiko. Auch traumatisch Erlebnisse, die  evtl. in der frühen Kindheit liegen, könnten die Entstehung einer Psychose begünstigen. Allerdings kann kaum ein Mensch sicher einschätzen, ob er davon betroffen ist. Das Auslösen latenter Psychosen wird in der Literautr vor allem mit Cannabiskonsum in Verbindung gebracht.

Ein Beitrag zum Thema Cannabiskonsum, Pschosen und traumatische Erlebnisse:
http://194.153.219.166/aktuelles-aus-drogenforschung-und-drogenpolitik/archiv/archiv-jahr-2011/?idx=818

Eine wichtige Bemerkung vorab: Du verwendest in Deiner Anfrage die Begriffe Psychose und Schizophrenie synonym – dies ist nicht ganz korrekt. „Psychose“ ist der Sammelbegriff für eine Vielzahl neurologischer Erkrankungen, welche chronisch werden oder auch in vorübergehenden Episoden auftreten können. Sie können sich sowohl auf die Sinneswahrnehmung (optische und akustische Halluzinationen), auf das Denken (Verfolgungswahn) als auch auf das Gefühlsempfinden der betroffenen Person auswirken (Depressionen, manische Phasen). Von einer Schizophrenie spricht man im allgemeinen Sprachgebrauch dann, wenn die Psychose chronisch wird und das Leben der betroffenen Person deutlich beeinträchtigt.

Generell muss man zwischen psychoseähnlichen Rauschzuständen und "echten" Psychosen / Schizophrenie unterscheiden. Rauschzustände können von den Symptomen her Psychosen stark ähneln (Angstzustände, Verlust der Orientierung, optische und akustische Halluzinationen, etc.), User sind sich jedoch oft bewusst, dass diese Symptome auf ihren Substanzkonsum zurückzuführen sind. Eine "echte" Psychose kennzeichnet sich dadurch, dass die Symptome von den Betroffenen als real wahrgenommenen werden und nicht nur unmittelbar nach dem Konsum von Substanzen auftreten. Eine psychoseähnlicher Zustand unter akuter Substanzwirkung  kann jedoch auch zu einer "echten" Psychose werden.

 Der häufige oder phasenweise Konsum (über mehrere Tage) von aufputschenden Substanzen birgt immer ein Risiko für vorübergehende psychotische Zustände, da damit immer Schlafmangel einhergeht. Körper und Psyche haben dann nicht ausreichend Schlaf, um sich zu erholen. Besonders in den Traumphasen werden Erinnerungen und Erlebnisse verarbeitet, vom Langzeit- ins Kurzzeitgedächtnis kopiert und Nervenbahnen "eingeschliffen". Das kann man sich in etwa so vorstellen, wie wenn in einem Computer die Festplatte defragmentiert wird. Wenn man über längere Zeit nicht oder nicht ausreichend schläft ("3 Tage wach"), fängt das Hirn mit diesen Vorgängen irgendwann im Wachzustand an, weil es sonst Schaden nehmen würde. Da kann es bspw. passieren, dass manDinge/Personen sieht, die nicht da sind. Diese Halluzinationen können beängstigend sein und halten meist "nur" so lange an, bis das Gehirn ausreichend Ruhe und Schlaf findet.
Deshalb findet sich in der Literatur der von Dir erwähnte Hinweis, dass eine Amphetaminpsychose nach wenigen Tagen abklingt.

 Im Zusammenhang mit Drogenkonsum können also Veränderungen/Störungen im Denken, Erleben und in der Realitätswahrnehmung eines Menschen auftreten. Wenn dies dauerhafte und krankhafte Züge annimmt, in denen man die Kontrolle über die eigene Psyche gänzlich verlieren kann, spricht man auch von einer Schizophrenieerkrankung. Das Risiko durch Amphetaminkonsum eine Schizophrenie auszulösen wird mit bis zu 25% angegeben (Quelle: http://www.neuro24.de/show_glossar.php?id=98). Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder vierte Amphetamin-User daran erkrankt, sondern nur, dass durch Faktoren wie beispielsweise psychische Probleme, Angst, Mischkonsum, Langzeitkonsum oder hohe Dosierung, die Chance an einer Schizophrenie zu erkranken - im Vergleich zu Nichtkonsument_innen, auf bis zu 25 % erhöht wird. 

Eine Schizophrenie ist im klassischen Sinne nicht heilbar, jedoch kann der/die Betroffene durch eine Behandlung ein weitestgehend beschwerdefreies Leben führen. Viele chronisch daran erkrankte Menschen haben im Leben jedoch immer wieder Phasen, wo sie wieder psychotisch werden.

Beim Mischkonsum von Amphetaminen und Cannabis steigt das Risiko für derartige psychotische Zustände noch einmal an. Cannabis hat neben der beruhigenden auch eine halluzinogene Wirkung, die durch das Amphetamin verstärkt wird. Je länger eine solche Mischkonsumphase geht, desto höher wird das Risiko für psychotische Zustände.

Je nachdem also, wie heftig der psychotische Zustand war, wie das Erlebte hinterher verarbeitet wurde, ob man solche Zustände schon häufiger erlebt hat, wie man selbst für psychotische Zustände veranlagt ist und wie ängstlich man selbst ist, also wie sehr man sich im Nachhinein in diesen Zustand hineinsteigert, so hoch wird am Ende das Risiko sein dauerhaft und wiederkehrend psychotische Zustände zu erleben oder sogar eine Schizophrenie zu entwickeln.

Weitere Infos zu Speed findest Du hier:
/de/lexikon/speedpep

Viele Grüße,
Dein Dr. - Frühling-Team
 

Die Informationen in unserer Antwort sind keine Anleitung oder Motivierung zum Drogenkonsum! Die erwähnten Substanzen können dem BtMG [Betäubungsmittelgesetz] unterliegen. Besitz, Erwerb und Handel sind damit dann strafbar!
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