Selbstverletzung beim Konsum von Speed


Sehr geehrtes Dr.-Frühling-Team, Ich konsumieren seit ca. 5 Monaten Speed, selbstverständlich in regelmäßigen Abständen und nie alleine. Das Problem, welches ich in der Zeit bei meiner Schwester entdeckt habe, ist jedenfalls für mich als sozusagen Anfänger, schon ziemlich erschreckend. Meine Schwester ist ein paar Jahre älter als ich und da ich ihr Vertraue, ziehe ich hauptsächlich mit ihr. Das Problem allerdings ist, dass sie sich sehr oft beim eincremen im Gesicht herumgekratzt hat. Sie achtet nicht darauf, was ich sehr nachvollziehen kann, da man weder auf die Zeit achtet, noch sich von äußeren vorgehen ablenken lässt. Meine Schwester sagt, es sei wie eine Trance. Im Nachhinein regt sie sich immer darüber auf. Vor allem ihr Freund, welcher selbst welches verkauft, ist sehr sauer auf sie, wenn er bemerkt, wie drauf sie ist/war. Ich weiß, dass sie selbst dafür verantwortlich ist, was sie tut, aber ich würde sie trotzdem gerne davon abhalten, was manchmal auch klappt, aber oft auch nicht. Was kann ich tun, um sie in solch einem Szenario von dieser Selbstverstümmelung abzuhalten? Sie ist in der Phase auch nicht zu 100% fähig, zuzuhören. Außerdem würde ich gerne wissen, woraus sich dieses Vorhaben entwickelt. Es hat ja nicht jeder den Tick im druffen Zustand, sich selbst zu verletzen. Kann es vielleicht sein, dass sich das Szenario unter anderem auch aus stressigen Situationen bildet? Wie beispielsweise die Angst, ihr Freund könne etwas merken? Ich würde was das angeht gerne schlauer werden, denn es macht schon Spaß mit ihr drauf zu sein, nur verfliegt der Spaß sofort wieder, wenn sie sich vorm Spiegel stellt und aufkratzt. Vielen Dank im voraus Yangole 42

 

 

Dr. Frühling

Hallo Yangole 42,

danke für Deine Frage.
Dass sich Menschen auf Speed oder anderen Stimulanzien im Gesicht oder an anderen Stellen kratzen, passiert häufiger und wird von Konsument*innen selbst auch berichtet.
Woran genau das liegt, ist uns nicht bekannt. Wir wissen, dass es durch den Konsum (vor allem höherer Dosierungen) zu wiederkehrenden, teils zwanghaften motorischen Handlungen kommen kann, wie z.B. sich hin und her bewegen, Dinge umräumen oder eben auch sich zu kratzen. Bei manchen Menschen kommt das Bedürfnis sich zu kratzen auch dadurch zustande, dass sie im Rausch das Gefühl haben, kleine Tiere unter der Haut zu haben. Wie Du schreibst, passiert das natürlich nicht bei allen Menschen. Es muss also kein mutwilliger Akt der Selbstverstümmelung sein - obwohl es von außen so scheint.

Was die Ursachen für diese Handlung bei Deiner Schwester sind, können wir nicht sagen. Hat sie jemals von Gefühlen von Tieren unter der Haut gesprochen? Wenn sie sich beim Eincremen vor dem Spiegel kratzt, was sieht sie da? Sieht sie Verletzungen oder irgendetwas, das "weg muss"? Vielleicht spielt auch der von Dir schon angesprochene Stress eine Rolle - zumindest unterbewusst. In welchen Situationen konsumiert sie? Was ist in dem Moment ihr Bedürfnis hinter dem Konsum bzw. was möchte sie mit dem Konsum erreichen? Sich ausklinken? Sich belohnen? Feiern? Kratzt sie sich auch in anderen Situationen, die man als stressig definieren könnte? Vielleicht kommen unter Konsumeinfluss auch andere Dinge hoch, die sie sonst nicht bemerkt?
Du schreibst im Bezug auf Stress auch von ihrem Freund und dass er sauer auf sie ist, wenn er merkt, wie drauf sie ist. Weshalb ist er sauer auf sie? Dass sie sich kratzt? Dass sie konsumiert?

Du möchtest von uns wissen, was Du tun kannst, um sie von diesem Akt der Selbstverletzung abzuhalten. Du schreibst selbst, dass es in der betreffenden Situation schwer ist an sie ranzukommen, weil sie wie in Trance ist und Dir nicht zuhören kann.

Wir raten Dir/euch/ihr, eine Konsumpause einzulegen und gemeinsam (auch mit ihrem Freund) den oben aufgeführten Fragen nachzugehen, also zu versuchen rauszufinden, welche Gründe ihr Verhalten haben kann. Vielleicht tauchen dann noch ganz andere Dinge auf. Du könntest sie unterstützen, indem Du ebenfalls eine Pause einlegst. Du meinst ja selbst, dass es keinen Spaß mehr macht, wenn sie sich dann aufkratzt. Außerdem: In einem Umfeld (zumindest zeitweise) mit dem Konsum aufzuhören, in dem andere konsumieren oder Substanzen verkaufen - also in dem Drogen weiterhin präsent sind - kann ziemlich schwer sein.
Wenn ihr bei der Bearbeitung dieses Themas an eure Grenzen kommt, scheut euch nicht professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen, z.B. in einer Sucht- und Drogenberatungsstelle in eurer Nähe. Hier könnt ihr nach einer suchen: https://www.dhs.de/nc/einrichtungssuche/online-suche.html

Wir wünschen Dir und euch alles Gute!
Dein Dr.-Frühling-Team

Die Informationen in unserer Antwort sind keine Anleitung oder Motivierung zum Drogenkonsum! Aufgeführte Substanzen können dem BtMG [Betäubungsmittelgesetz] unterliegen. Besitz, Erwerb und Handel damit sind strafbar! Wenn die Stoffe frei verfügbar sind, heißt das nicht, dass ihr Gebrauch ungefährlich wäre. Dieser Text wurde nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Dennoch können Irrtümer nicht ausgeschlossen werden. Die Drug Scouts übernehmen keine Haftung für Schäden, die durch irgendeine Art der Nutzung der Informationen dieses Textes entstehen.