Unterschiedlich große Pupillen auf MDMA

Hallo

Mir ist nun schon öfter bei Leuten auf MDMA, speziell Ecstasy, aufgefallen, das sie zwei unterschiedlich große Pupillen haben. Bei Internetrecherchen bin ich darauf gestoßen, dass dies wohl recht normal und bekannt unter Usern ist. Könnt ihr mir sagen wie diese Phänomen zustande kommt und ob es schädliche Folgen haben kann? Danke für euer Engagement!

Gruß Mc

Dr.-Frühling:

Hi Mc,

vorab: Wie Du vielleicht weißt, sind wir keine Mediziner*innen, möchten aber natürlich trotzdem versuchen, Deine Frage so gut wie möglich zu beantworten. Dafür haben wir recht viel bei wikipedia zitiert, weil die verschiedenen Begriffe unseres Erachtens dort ganz gut erklärt sind.

Das von Dir beschriebene Phänomen wird Anisokorie genannt.
"Die Größe der Pupille wird durch Muskeln kontrolliert, zum einen durch den Irisisdilatator und zum anderen durch den Iriskonstriktor (Schließmuskel). Diese Muskeln werden von den Nerven des Gehirns angesteuert. Störungen im Bereich dieser Nerven führen zu Störungen der Pupillenbeweglichkeit. Entsprechend führen Störungen der Nervenfasern, welche die Pupille erweitern, zu einer zu kleinen Pupille. Umgekehrt führen Störungen der Nerven, welche die Pupille verengen, zu einer abnormal grossen Pupille." (Quelle: http://www.nanosweb.org/files/public/German_Anisocoria_LP.pdf)

Anisokorie kann verschiedene Ursachen haben, u.a. den Konsum von Alkohol, Kokain oder bei Narkosen im OP. Hier sind die Pupillen ebenfalls nur während des Rausches bzw. der Narkose unterschiedlich groß. Weitere Ursachen kannst Du z.B. in der oben genannten Quelle oder hier https://en.wikipedia.org/wiki/Anisocoria nachlesen.
So können u.a. Substanzen mit sympathomimetischen und anticholinergen Eigenschaften Anisokorien auslösen. Zu diesen Substanzen gehört auch MDMA (Quelle: vgl. https://en.wikipedia.org/wiki/Anisocoria).
Indirekte Sympathomimetika sind Substanzen, welche die Konzentration von Noradrenalin im synaptischen Spalt erhöhen. Dies geschieht über eine vermehrte Ausschüttung und über eine Hemmung der Wiederaufnahme von Noradrenalin. So werden eine "Erhöhung des Blutdruckes und der Herzfrequenz, eine Erweiterung der Atemwege, eine allgemeine Leistungssteigerung und ein erhöhter Energieverbrauch bewirkt. Euphorie und eine Hemmung des Hungerzentrums im Zwischenhirn und somit eine Verminderung des Appetits sind weitere Folgen." (Quelle: vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Sympathomimetikum)

(Neben-)Wirkungen, die sich aus der Hemmung des Neurotransmitters Acetylcholin ergeben, werden in der Medizin als anticholinerg bezeichnet. Acetylcholin ist ein wichtiger Botenstoff, der u.a. in Teilen des peripheren Nervensystems, zum Beispiel des Parasympathikus, eine Rolle spielt. Den Parasympathikus könnte man etwas salopp gesagt als Gegenspieler des Sympathikus (= Stresssystem) bezeichnen. "Häufig versorgen beide Systeme das selbe Organ und wirken dort entgegengesetzt, zum Beispiel steigert der Sympathikus die Herzfrequenz, und der Parasympathikus senkt sie". Praktisch alle inneren Organe werden sympathisch und parasympathisch mit Nervenreizen versorgt: Herz, Bronchien, Blutgefäße, Darm, Blase, Schweißdrüsen, aber auch Teile der Sinnesorgane wie die Iris. (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Anticholinerg)

Was genau nun dazu führt, dass die Pupillen unterschiedlich groß werden können, wissen wir auch nicht. Wahrscheinlich ist dies einfach ein Nebeneffekt der Abläufe in den Nervenbahnen, die durch den Konsum von MDMA verändert werden.  

Falls nüchtern keine Anisokorie vorliegt, besteht unseres Wissens erstmal kein Grund zur Sorge. Möglich ist, dass man auch nüchtern eine leichte Anisokorie hat, die einem erst auffällt, wenn sich die Pupillen unnatürlich erweitern oder verengen. Dies ist in den meisten Fällen  harmlos und kommt häufiger vor. Ist der Unterschied aber nüchtern deutlich erkennbar, kann ein neurologisches Problem dahinterstecken (http://www.nanosweb.org/files/public/German_Anisocoria_LP.pdf) und sollte von einer Ärztin*/ einem Arzt* untersucht werden.

Alles Gute
Dein Dr.-Frühling-Team
 

Die Informationen in unserer Antwort sind keine Anleitung oder Motivierung zum Drogenkonsum! Aufgeführte Substanzen können dem BtMG [Betäubungsmittelgesetz] unterliegen. Besitz, Erwerb und Handel damit sind strafbar! Wenn die Stoffe frei verfügbar sind, heißt das nicht, dass ihr Gebrauch ungefährlich wäre.
Dieser Text wurde nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Dennoch können Irrtümer nicht ausgeschlossen werden. Die Drug Scouts übernehmen keine Haftung für Schäden, die durch irgendeine Art der Nutzung der Informationen dieses Textes entstehen.