Was gibt's für Therapien?

Hallo, ich muss ein Referat über Drogentherapiemöglichkeiten halten. Meine Fragen dazu wären: Welche Therapie ist bei welcher Abhängigkeit nötig? Was gibt es für Therapiemöglichkeiten? Ich hoffe, ihr könnt mir helfen! Danke im Voraus!!!
 

Dr. Frühling:

Hallo! Deine erste Frage ist kurz zu beantworten. Die Therapien sind nicht danach ausgerichtet, welche Arten von Drogen konsumiert werden, sondern nach den individuellen Bedürfnissen der Person.

Man unterscheidet insgesamt vier Therapieformen:
1. ambulante oder außerstationäre Therapie
2. stationäre Langzeittherapie
3. medikamentengestützte bzw. Substitutionstherapie
4. Selbsthilfegruppen

1. Ambulante oder außerstationäre Therapie
a.. Suchtberatungsstellen: Städtische, universitäre oder Einrichtungen der Wohlfahrtsverbände (wie z.B. Caritas, Rotes Kreuz) mit interdisziplinären Teams von PsychologInnen, PädagogInnen unnd SozialarbeiterInnen, die junge Abhängige beraten, betreuen und ggfs. in spezielle Therapieeinrichtungen vermitteln
b.. Ambulante Betreuungsangebote mit Cleannachweis und Hilfen zur sozialen und beruflichen Rehabilitation
c.. Außerstationäre Gruppentherapie mit ärztlich betreutem ambulanten Entzug und nachfolgender Entwöhnungstherapie in Wohngruppen sowie Hilfen zur Wiedereingliederung.

2) Stationäre Langzeittherapie in Spezialeinrichtungen, häufig in Form einer "Therapiekette", die in folgenden Schritten stattfindet: a.. körperliche Entgiftung in einer speziellen Klinikstation
b.. längerfristige, meist einjährige Entwöhnungsphase in therapeutischen Wohngemeinschaften unter ärztlicher oder psychologischer Leitung.
c..Sozialtherapeutische, verhaltenstherapeutische oder psychotherapeutische Nachsorgewohngemeinschaften und Hilfen zur schulischen und beruflichen Wiedereingliederung

3) Medikamentengestützte bzw. Substitutionstherapie
Seit 1991 werden nach den NUB-Richtlinien des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen Opiatabhängige in Begleitung von psychosozialer Betreuung in speziellen, für eine Methadonbehandlung zugelassenen Arztpraxen behandelt. Man unterscheidet:
a.. Dauertherapie ("maintenance") für schwerst Abhängige, bei denen drogenfreie Therapieansätze gescheitert sind und
b.. Überbrückende Entzugstherapie (" maintenance to abstinence"), z.B. bei opiatabhängigen Schwangeren und ihren abhängig geborenen Kindern

4) Selbsthilfegruppen
a.. Selbsthilfegruppen für abstinenzwillige Abhängige oder deren Angehörige
b.. Wohn- und Lebensgemeinschaften von Opiatabhängigen unter Leitung ehemaliger Drogenabhängiger. Eine Wiedereingliederung in die offene Gesellschaft wird nicht angestrebt, dafür eine Selbstversorgung durch eigene Produktionsgemeinschaften (z.B. Synanon, Release)
c.. Elternkreise zum Erfahrungsaustausch und gegenseitiger Unterstützung betroffener Eltern.
d) selbstorganisierte Gruppen, die jede Konsumform akzeptieren und sich gegenseitig bei Substitution, Ausstieg, [gesundheitsbewusstem] Weiterkonsumieren etc. unterstützen (JES)

Diese Übersicht ist erstmal nur sehr grob. Meist gibt es vor Ort mehrere Einrichtungen, die sehr verschiedene Angebote wie Gesprächsgruppen, Beratungsgespräche, Betreutes Wohnen oder stationäre Aufenthalte anbieten. Diese richten sich dann nochmal an ganz unterschiedliche Personengruppen: Jugendliche, Minderjährige oder junge Erwachsene, Frauen oder Männer, Menschen mit Kindern, z.B. Alleinerziehende, Prostituierte, Wohnungslose, AlkoholikerInnen oder KonsumentInnen anderer Susbstanzen, wie z.B. Menschen mit Medikamentenabhängigkeit oder Problemen mit Nikotinkonsum oder dem Gebrauch chemischer Drogen usw. usw. - diese Liste ließe sich fortsetzen. Jeder Mensch braucht ganz individuelle, auf seine Person abgestimmte Unterstützung, wenn er an seinem Drogenkonsum arbeiten will.

Um einen Überblick über einen Therapieablauf zu bekommen, kannst Du Dich auch in einer Drogenberatungsberatungsstelle in Deiner Nähe informieren. Diese findest Du im Telefonbuch oder in den Gelben Seiten.

Viel Glück bei Deinem Referat!
Dein Dr.-Frühling-Team


Die Informationen in unserer Antwort sind keine Anleitung oder Motivierung zum Drogenkonsum! Aufgeführte Substanzen können dem BtMG [Betäubungsmittelgesetz] unterliegen. Besitz, Erwerb und Handel damit sind strafbar! Wenn die Stoffe frei verfügbar sind, heißt das nicht, dass ihr Gebrauch ungefährlich wäre. Dieser Text wurde nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Dennoch können Irrtümer nicht ausgeschlossen werden. Die Drug Scouts übernehmen keine Haftung für Schäden, die durch irgendeine Art der Nutzung der Informationen dieses Textes entstehen.