Wie ohne ärztliche Hilfe weg vom Konsum?

 

Frage:

Ich konsumiere seit ca. 2000 und ca seit einem jahr täglich speed oder crystal und hasch...
Habe bereits einen Entzug hinter mir nun meine Frage wie kann ich ohne ärztliche hilfe wegkomm???

Dr. Frühling:

Hallo,

erstmal ist zu erwähnen, dass Speed, Crystal und Cannabis körperlich nicht abhängig machen, die Möglichkeit einer psychischen Gewöhnung an diese Substanzen jedoch durchaus gegeben ist.

Eine wichtige Voraussetzung, selbstständig vom Drogenkonsum weg zu kommen, ist, Deine Konsumgewohnheiten zu überdenken: Welche Bedeutung hat der Gebrauch für Dich? Nimmst Du jede Substanz einzeln oder zusammen mit anderen? (Mischkonsum von Speed + Cannabis kann zu extremen Kreislaufbelastungen führen, Cannabis verstärkt die Wirkung von Crystal) In welcher Situation konsumierst Du welche Substanz? Wie soll Dein Leben ohne diese Substanzen aussehen? Welche Ziele verfolgst Du? Wie gestaltet sich der Kontakt zu Deinen FreundInnen? Was soll sich für Dich verändern? Welche Rolle spielen neu kennengelernte Menschen in Deinem Leben? Hast Du Angst vor Veränderung?
Mit Hilfe dieser Fragen kannst Du Dir überlegen, wie Du Deinen Gebrauch gestalten möchtest (vielleicht umstellen oder ganz aufhören). Wenn Du Deinen Konsum ganz einstellen möchtest, könntest Du auch versuchen, diesen langsam runter zu fahren. Lass Dir hierfür genügend Zeit, damit Du Dich an die jeweils geringeren Dosen gewöhnen kannst.
Alle Aktivitäten, die zur Folge haben, dass der Konsum nicht mehr eine so große, zentrale Bedeutung in Deinem Leben spielt, können hilfreich sein. Hierfür ist wichtig, dass Du weißt, wann und unter welchen Bedingungen Du Speed, Crystal oder Cannabis konsumierst. Für solche Situationen könntest Du Rituale entwickeln und diese anstelle des Konsums bewusst einsetzen, um so für Dein Wohlbefinden zu sorgen (z.B. mit einem Vollbad zur Entspannung oder Sport).

Wichtig ist, dass Du Dir kleine, für Dich realistische Ziele steckst, d.h. die Du auch erfüllen kannst. Du könntest Dir Unterstützung von Deinen FreundInnen holen, z.B. mit ihnen über Deine Ängste und Probleme reden. Vielleicht konsumieren sie auch? Redet Ihr über den Konsum und seine Bedeutung? Gibt es in Deinem Bekanntenkreis jemanden, der auch seinen Konsum runterfahren oder einstellen will? Vielleicht könnt ihr es gemeinsam versuchen.

Da Du keine ärztliche Unterstützung willst, könntest Du Dir überlegen, eine psychosoziale Beratungsstelle aufzusuchen. (Bei einer akzeptierend arbeitenden Einrichtung z.B. ist der Wille zur Abstinenz keine Voraussetzung.) Hier steht Dir professionelles Personal zur Verfügung. Du kannst Dich auf jeden Fall erstmal unverbindlich beraten und Deine Pläne für die Zukunft besprechen. Vielleicht findet Ihr eine gemeinsame Lösung. Wenn Du Dich gut beraten und wohl fühlst, kannst Du Dir überlegen, ob Du die dort angebotene Unterstützung in Anspruch nehmen willst.
Das Personal unterliegt der Schweigepflicht, Du bleibst also anonym. Die Beratung ist meist kostenlos.

Du kannst Dich außerdem auch an eine Selbsthilfegruppe wenden. In einer Selbsthilfegruppe findest Du Menschen mit ähnlichen Problemen. Vielen hilft es, mit "Gleichgesinnten" zu reden und eventuell gemeinsam ein Ziel und einen Plan zu vereinbaren.
Adressen für Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen findest Du im Telefonbuch oder in den Gelben Seiten unter den Rubriken Familie und Gesundheit oder Selbsthilfe und Beratung.
http://www.narcotics-anonymous.de/meetings.html

Welche Selbsthilfegruppe oder Beratungsstelle für Dich die richtige ist, kannst nur Du selbst rauskriegen.

Viel Erfolg
Dein Dr.-Frühling-Team

Die Informationen in unserer Antwort sind keine Anleitung oder Motivierung zum Drogenkonsum! Aufgeführte Substanzen können dem BtMG [Betäubungsmittelgesetz] unterliegen. Besitz, Erwerb und Handel damit sind strafbar! Wenn die Stoffe frei verfügbar sind, heißt das nicht, dass ihr Gebrauch ungefährlich wäre.
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