An "au man" vom 2.12.2009 + Ketawirkung

Zuallererst muss ich mich dafür entschuldigen, dass der Text, auf den ich mich anfangs kurz beziehe schon so alt ist, außerdem gefällt mir die neue Aufmachung eurer Seite überhaupt nicht. Ich wollte mir gerade ´mal wieder ein paar alte Erfahrungsberichte von mir durchlesen und was finde ich vor? Ohne Worte...

Also, natürlich ist Ketamin ein Narkosemittel, es gehört zur Gruppe der dissoziativen Anästhetika, das heißt, es erzeugt Schlaf und Schmerzfreiheit unter weitgehender Erhaltung der Schutzreflexe, desweiteren wird der Kreislauf stabilisiert und der Schluckreflex nur minimal unterdrückt. In der Humanmedizin wird es ausschließlich als Anästhetikum eingesetzt, die analgetische Wirkung muss natürlich bei einer Narkose dabei sein, aber sie steht keinesfalls im Vordergrund, genausowenig wie die sedierende, bzw. die narkotische Wirkung. Die Hauptwirkung besteht in der völligen Dissoziation, welche gelegentlich mit Pseudohalluzinationen verbunden ist. Meine ersten Erfahrungen hatte ich mit weißem, kristallinem Pulver nasal, welche ich schon als ziemlich psychedelisch bezeichnen würde. Und bei nasaler Applikation mit normalerweise ziemlich gestrecktem Zeug sind 300-500mg kein wirkliches Problem, bei intravenösem Konsum mit reinem Stoff ist das natürlich etwas ganz anderes.

Danach habe ich dann angefangen, mir Ketamin Inresa Injektionslösung 50mg/ml in den Unterarmmuskel zu injizieren. Das erste Mal nahm ich gleich 120mg zu mir und ich muss sagen: Oh Gott, oh Gott. Das Zeug hat mich völlig überrollt. Ich war in meiner Wohnung, welche ich schon nach wenigen Minuten nicht mehr wiedererkannte, ich hatte zwar immernoch vage in Erinnerung, dass ich dort sein musste, aber war mir ziemlich unsicher. Zeit hörte auf zu existieren, ich schaute auf die Uhr und konnte damit einfach nichts anfangen, ich fragte mich, welches Datum es denn war, aber konnte mich nicht erinnern und es mir auch nicht herleiten, mein Körpergefühl änderte sich drastisch, völlig unbeschreiblich, doch ich versuche es trotzdem: sehr betäubt und sediert, doch gleichzeitig fühlte es sich so an, als könnte ich den Fluss des Blutes durch meine Adern spüren, es war heiß und trotzdem hatte ich Gänsehaut, alles kribbelte ungeheuer stark, das Tastempfinden war deutlich herunter gesetzt. Naja, eine sehr vage Beschreibung für dieses unbeschreibliche Gefühl. Mein Bewusstsein löste sich von meinem Körper, ich sah mich dort auf meinem Bett liegen, dann wanderte es weiter ins Bad, in die Küche, in den Kühlschrank, vor meine Wohnung.

Pötzlich wurde alles ganz furchtbar hell, ich sah ein ungeheuer gleißendes Licht und plötzlich war ich mir sicher, dass ich im Begriff war zu sterben. Ich war mir sicher, dass es gleich vorbei sein würde, ich hatte ein sehr ambivalentes Gefühl bezüglich meines Todes, auf der einen Seite war ich traurig, dass es schon vorbei sein sollte, doch auf der anderen freute ich mich auf mein Ende, weil ich mir sicher war und immernoch bin, dass dieses eine ungemein freudige Erfahrung ist und es danach mit großem Frieden und großer Freude weiter geht. Ich kam zu diesem Schluss einmal durch die enorme Helligkeit, welche sich immer weiter verstärkte, das gleichzeitige Auftauchen mannigfaltiger archetypischer Wesen, welche um diese Helligkeit umher schwebten, sowohl positiv als auch negativ gesinnte, hauptsächlich Engel und dämonenähnliche Wesen, welche mich dazu zu drängen schienen, mich auf diese Helligkeit zuzubewegen und meinen Widerstand zu beenden, außerdem waren meine Emotionen und mein Verstand in einem ungeheuer verwirrten und traumartigen Zustand, schwer zu beschreiben.

Doch glücklicherweise passierte nichts dergleichen und als ich realiserte, dass ich überleben würde, war ich ungeheuer erleichtert, voller tiefem Frieden und außergewöhnlicher Freude. Ich machte Musik an, hörte einfach nur Radio und das Gefühl war der Wahnsinn! Die totale Freiheit, wenn ich jetzt auch im nüchternen das ein oder andere der damals gehörten Lieder wieder vernehme, habe ich das gleiche Gefühl wieder, nur eben schwächer. Ich tätigte an diesem Abend und in der Nacht noch weitere Ketamin-Applikationen, allerdings nicht mehr so hoch dosiert und meine Erfahrungen waren geil. Einmal dachte ich für kurze Zeit, ich wäre zu einem gottgleichen Wesen geworden, stammend aus einer Familie von Göttern, es war nicht die totale Identifikation mit dem Weltenschöpfer, welche ich schon einige Male unter Psilocybin erlebt hatte, doch auch diese sollte ich auf späteren Ketamintrips noch das eine oder andere Mal erleben.

Während meiner späteren Reisen, welche nie wieder so hoch dosiert waren wie die erste, erlebte ich einige Male Identifikationen mit archetypischen Wesen, einmal sogar mit Gollum aus "Der Herr der Ringe", wovon ich an selbigem Tage zuvor den zweiten Teil geschaut hatte. Eine sehr verwirrende, aber einzigartige Erfahrung, ich erlebte mich wirklich als ihn, seine ganze verkrüppelte Gestalt, sein gespaltenes Wesen... Einmal nahm ich mich in der Zeit vor meiner Geburt im Bauch meiner Mutter war und empfand den damit verbundenen tiefen Frieden, dann, als ich von ihr die Brust bekam, dann erlebte ich mich als sie, während sie mir die Brust gab... Ich sah auch das Entstehen und Vergehen von Sternensystemen und ganzen Galaxien, identifizierte mich mit der Weite des Weltraums. Ich machte auch einmal die Erfahrung, ein Baum zu sein, welcher im Park ein paar hundert Meter vor meiner Haustür steht. Erst fragte ich mich: Was ist denn jetzt los? Aber ich erkannte es an meiner Gestalt, ich war mir sicher, dieser Baum zu sein und konnte das momentane Geschehen in jenem Park beobachten, in welchem sich viele mir bekannte Drogenuser aufhalten und wo ich auch manchmal verkehre. Ich konnte einige stattfindende Gespräche mitverfolgen, welche sich durch späteres Nachfragen verifizieren ließen. Ich habe sie tatsächlich wahrgenommen, richtig und in allen Einzelheiten.

Durch meine früheren Pilztrips hatte ich schon die Einstellung, dass "alles" ein Bewusstsein hat, selbst anorganische Dinge, nun sind Bäume natürlich nicht anorganisch, aber meine Meinung bezüglich dessen wurde erneut bestärkt. Einmal hatte ich auch eine Begegnung mit dem metaphysischen Ursprung des archetypischen Bösen, nach anfänglichem Schrecken erkannte ich, dass ich keine Angst vor dieser unbeschreiblich schrecklich aussehenden Gestalt zu haben brauchte, da ohne die Existenz des Bösen unsere Welt der Relativität nicht funktionieren würde. Das Böse macht also nur seinen "Job", ist aber eindeutig im Kosmos erwünscht und unterliegt der direkten Kontrolle des Absoluten Bewusstseins, außerdem ist es in der letzten Wirklichkeit transzendiert. Ich verlor jegliche Angst vor allen möglichen, mir negativ gesinnten Existenzen, seien es einzelne Menschen, größere Personengruppen, der Staat mit seinen Gesetzen, wilde Tiere, Krankheitserreger oder der sogenannte Teufel, auch meine letzte (zugegeben sehr kleine) Angst vor dem Tod wurde aus mir herausgepresst.

Auf einem besonders extremen Trip ging oben beschriebene Todeserfahrung noch einen Schritt weiter, nach einer Zeit war ich mir nämlich sicher, wirklich bereits "tot" zu sein, ich hatte keinen Körper mehr und befand mich in einer Art "Zwischenzustand", unbeschreiblich, ehrlich gesagt. Desweiteren machte ich die Erfahrung, durch meinen Körper zu reisen und das Funktionieren meiner einzelnen "Schaltkreise" (frei nach Timothy Leary) zu überprüfen. Auf meinem bisher letzten Trip machte ich die Erfahrung einer plötzlich auftretenden ungeheuren Beschleunigung der Zeit, ich nahm wahr, wie unsere Sonne kollabierte, alles Leben auf unserem Planeten ausgelöscht wurde und in der Folge alles außerirdische Leben im Universum. Das ganze Kollektiv des Lebens befand sich an einem ungeheuer hell strahlenden, weißen, weiten Ort. Ich nahm mich noch als mein individuelles Bewusstsein wahr, doch gleichzeitig war ich alle anderen. Ich konnte mich entscheiden: wollte ich zurück und alle meine unzähligen Leben noch einmal leben, wenn sich das Universum wieder ausgedehnt hätte oder wollte ich das ultimative Verlöschen, das Nirvana. Ich entschied mich für Letzteres. Plötzlich löste sich alles um mich herum auf und ich war weg. Das Nächste, woran ich mich erinnere, ist, dass ich am Morgen nach meinem Konsum sehr erfrischt in meinem Bett aufwachte.

Als Fazit zu all diesen Geschichten kann ich sagen, dass Ketamin eine ungemein interessante, psychotrope Substanz ist, welche im Arsenal der Psychedelika eine wichtige Ergänzung zu den assoziativ wirkenden Substanzen darstellt, wie z.B. LSD, Psilocybin, Meskalin, DMT, 2-CB, MDMA u.a.. Die dabei auftretenden Nebenwirkungen wie Benommenheit, Gangunsicherheit, Nuscheln wiegen quasi gar nichts im Vergleich zu der vielfältigen und faszinierenden Wirkung dieser Droge. Meiner Meinung nach hat dieses Zeug ein sehr großes Potential, auch schwere Depressionen sehr deutlich positiv zu beeinflussen, wenn nicht sogar zu heilen, wenn dies denn möglich ist. Es hat mich unheimlich viel über die Geheimnisse unseres Kosmos gelehrt.

Substanzen: