Crack

Als ich noch in Deutschland lebte habe ich nie Crack geraucht. Es schien mir eine Verschwendung da ich all mein Geld einsetzen mußte um Heroin zu kaufen. Erst in Grenada habe ich die erste Pfeife geraucht. Eine zusammengerollte Pappröhre mit Alufolie an einem Ende in die Löcher gestochen waren. Der entstandene Pfeifenkopf wurde mit Zigarettenasche gefüllt die als Filter diente und den Klumpen Crack im Gleichgewicht hielt. Ich hatte schon Wasserpfeife geraucht war also ein erfahrener Inhalierer. Ich zog den Rauch des Klumpens ein und versuchte ihn in der Lunge zu behalten. Als ich ausblies merkte ich die Wirkung sofort. Innerhalb weniger Sekunden änderte sich der Rhythmus meiner Körperfunktionen. Der Geschmack der Droge zwang mich auszuspucken. Das Aroma ist mit der Luft in alten Autoreifen zu vergleichen. Der Törn war, was seine Intensität betrifft mit einem Druck vergleichbar. Das Gefühl das ich die ersten drei Wochen beim Konsum von crack hatte war angstlösend und meine Diskussionen schienen schwerelos zu sein. Tückisch ist das die Wirkung sich verändert. Nach regelmäßigem Konsum macht die anfängliche Lockerheit neurotischen Verhaltensmustern Platz. Ich hatte das Gefühl verfolgt zu werden, begann im Haus auf Zehenspitzen zu gehen und versammelte Pfeil und Bogen, Harpune und Machete um mich in dem Glauben angegriffen zu werden. Das Symptom des Sammelns kleiner weißer Staubkörner habe ich adaptiert die ich für Crack hielt und rauchte um einen letzten Zug zu inhalieren. Das hat mich bei Anderen oft zu höhnischen Aussagen verleitet. Das ich selbst so weit war kam mir ins Bewußtsein. Ich nahm es als ein Stadium das bei Crackrauchern vorkommt. Momentan rauche ich Crack in Verbindung mit Lorazepam und Bier. Lorazepam um mich runterzubringen. Das Bier soll die Nierenfunktion unterstützen indem ich viel pisse. Wasser ginge sicher auch. Mit Lorazepam hat Crack seinen Stachel verloren. Als ich das nicht wußte war ich der Sklave und Crack mein Meister hat Lorazepam das Verhältnis zurechtgerückt. Jetzt kann ich ganz cool Entscheidungen fällen. Oft gehe wir mitten in der Nacht aus. Zu dritt ist das cool. Nichts kann uns aus der Stimmung bringen. Lorazepam sagt, laßt uns abhauen. Irgenwohin. Ich sage OK und Crack sagt na ja, bau eine Pfeife und ich bin dabei. So Fahren wir um drei Uhr Morgens aus der Garage. Eine Machete an der Seite des Sitzes und erkunden Orte von denen ich weiß, da hängen Gleichgesinnte rum. Gefährlich weil ich Geld habe und die rumlungern und ihrer Großmutter einen Fünfer klauen würden um an einen Zug zu kommen. Bislang ist mir nichts passiert. Vielleicht auch weil ich Ingrid habe. Ingrid Meine Mutter sagt der Name kommt aus dem skandinavischen und bedeute Beschützerin des Lichts. Das gefällt mir. Sie beschützt das Licht solange sie kann und dann wird es dunkel um uns. Wir haben uns kennengelernt als sie am Grand Anse Strand über mich gehüpft ist. Ich habe ihr nachgeschaut und sie hat zurückgeschaut. Später haben wir uns unter einem Baum wiedergesehen und für den Abend zum Kino verabredet. Ich hatte kurze Ärmel und durfte die Show nicht sehen also sind wir auf der Straße rumgeschlendert. Wir sind jetzt 14 Jahre verheiratet. Wenn ich mit Drogen anfange ignoriert sie mich bis es wieder vorbei ist. Ich habe nicht mehr die Konstitution mehr als eine Woche halte ich nicht durch. Sie hält es mit mir aus und ich mit ihr. Ich gäbe ihr mein Leben ohne einen Augenblick zu zögern. Es gehört ihr sowieso schon an die zehn mal. Wenn wir auf unsrer Bank sitzen und den Himmel sehen zeigt sie mir Tiere in den Wolken. Ich sage immer ja obwohl ich meine eigenen Tiere sehe. Ich liebe Sie und tue ihr doch oft weh vielleicht weil ich mir ihrer so sicher bin und denke keine Represalien fürchten zu müssen. Manche Sprichworte gefallen mir und ich versuche sie ins englische zu übersetzen. Der Krug geht solage zum Brunnen bis er bricht. Eines Tages wird es ihr reichen und sie wird mich allein lassen. Jedem reicht es einmal mit mir. Es ist der Fluch der Kindertage in denen ich die Szenen der Ehe meiner Großeltern auswendig gelernt habe. Ich kann nicht aufhören den Menschen die ich am meisten liebe die schlimmsten Dinge zu sagen und abzuwarten ob sie mich immer noch lieben. So habe ich meine Freundinnen verloren. Ich habe ihnen Dinge gesagt wieder und wieder bis sie mir nicht mehr verzeihen konnten. Ich wußte immer genau wo der wundeste Punkt verborgen war und dort habe ich gebohrt. Bis ich keine Angst mehr hatte sie würden mich verlassen. Dann habe ich aufgehört. Es war der Moment von dem ich glaubte der andere gehöre nun mir. Deshalb hatte ich immer nur eine Hand voll Freunde. Wer wollte schon diese Psychospiele spielen. Ich bin eine arme Sau. Ich habe nur den Mut und die Courage die Menschen zu verletzen die mich lieben. Da traue ich mich alles zu sagen um sie bis aufs Mark zu verletzen. Bei Fremden verhalte ich mich anders. Ich will erst mal gemocht werden und gebe mich generös. Vermutlich um anzugeben und Eindruck zu schinden. Ingrid hat die Schule kaum besucht weil sie gezwungen war auf die Kinder ihrer Verwandten aufzupassen. Manchmal würge ich ihr damit einen rein obwohl ich mich über was ganz anderes geärgert hab. Sie ist sehr aktiv und in allen möglichen Gruppen tätig .Teilweise bekleidet sie Funktionen das ich sie beneide das Risiko einzugehen als unqualifizert entlarft zu werden. Ich bin oft fieß und hänge raus das wenn es so weiter geht wohl ich der einzige in der Familie bleiben werde der literatisch begabt ist. Sophia ist zehn und kann nicht lesen und schreiben. Chris wird es lernen ich merke wie anders er ist in der Art Dinge aufzunehmen und auch zu behalten. Ingrid beschützt mich trotzdem. Ich hatte drei Liter Blut verloren und sie war jeden Tag im Krankenhaus um mich aufzumuntern. Wir leben 14 jahre Tag und Nacht zusammen und kennen uns so gut das ich sie längst hätte verlieren müssen mit all dem Häßlichen das sie an mir bemerken muß aber sie steht immer an meiner Seite. Sie schluckt meine Alyren sieht über meine Überheblichkeit hinweg und wartet mit Geduld wenn ich mich von meinen Ausschweifungen zurück ziehe und Tage jammernd im Bett liege. Ich nehme meinen Eid sie als meine Frau genommen zu haben nur ernst weil ich weiß das es ihr etwas bedeutet. Was ich mal über meine erste Liebe geschrieben habe und mich als monogam bezeichnet habe ist natürlich Quatsch. Ich glaube damals habe ich Ansichten eine Clowns gelesen und mit meinem Herz so bitter durch die entäuschte Liebe habe ich das Bild aufgenommen. Auf der anderen Seite bin ich auch keiner der auf Teufel komm raus rumvögeln muß. Das haben Ingrid und ich gemeinsam. Es hält uns in der Gemeinde stark. Niemand kann sagen er hat uns mit dem oder der gesehen. Seit dem ich nicht mehr trinke ist das Leben andes geworden. Die Männer empfinden mich als Veräter wissen aber auch das ich aufhören mußte. Sie sind alle gekommen. Das Achtbettzimmer auf dem ich lag war zur Besuchszeit wie ein Schulzimmer in dem es zur Pause geklingelt hat und alle schon standen. Drei Liter Blut habe ich gekotzt und drei Liter Blut mußten wieder gespendet werden. Die Blutgruppe spielt dabei keine Rolle. Natürlich waren es dann viel mehr als drei Liter. Ich war glücklich. Ich war aber vor allem fassungslos. Nie hätte ich geglaubt das so viele kommen. Ich habe das zweite Mal erfahren was es bedeutet dazuzugehören in Crochu. Das erste Mal kamen an einem Sonntag um sechs Uhr morgens alle Nachbarn und haben uns ein Haus gebaut. Es hat eine Weile gedauert bis ich helfen konnte weil ich nicht mit der Heulerei aufhören konnte. Ingrid glaubt an Gott. Es ist ein wichtiger Bestandteil der hießigen Kultur. Ich glaube offiziel mit. Nicht aus Opportunismus oder Feigheit. Ich war eine zeitlang Atteist und habe mich tapfer vertreten. Nur irgendwann habe ich die Zwecklosigkeit bemerkt und wollte der großen Aufregung und dem ganzen Tam Tam einfach nicht mehr als zentrale Figur dienen.

Substanzen: