Eine weitere Kokaingeschichte

Ich habe mir schon so oft all diese Erfahrungsberichte durchgelesen und es zeigt sich fast immer das gleiche Muster. Viele junge Konsumenten beschreiben oft das tolle Gefühl beim Nehmen, die Vorteile überwiegen und man kann sich ja doch zusammenreißen. Nur einmal im Monat, eben weil es etwas besonderes ist. So hat es bei mir auch begonnen. Und eben weil es ein besonders geiles Gefühl ist, darf man sich das doch nicht nur einmal im Monat gönnen.

Bei uns im Freundeskreis war es dann irgenwann Gang und Gebe jedes Wochenende zu ziehen, weil irgendwann macht die Party ohne, dann doch keinen Spass. Das ging so weiter die Jahre und eigentlich konnte ich Job und Party immer gut unter einen Hut bringen. Doch seit zwei Jahren überwiegen die Nachteile und man merkt plötzlich wenn man aufhören möchte, dass das nicht so leicht geht. Ich ziehe nicht jeden Tag, eigentlich nur am WE und manchmal einmal unter der Woche aber eher selten. Trotzdem bin ich süchtig. Seit über einem Jahr versuche ich endlich mit dem Scheisz aufzuhören aber es geht nicht. Die Jahre haben Spuren hinterlassen, finanziell, gesundheitlich und vor allem geistig. Ich bin trotz meines Alters in meiner Entwicklung stehen geblieben. Der Gedanke an Kokain verfolgt mich jeden Tag.

Ich bin jetzt seit 2 Wochen clean und jeder Tag ist einer neuer Kampf, der mich sehr viel Überwindung kostet nicht ja zu sagen. Ich gehe zu Selbsthilfegruppe Narcotics Anonymous 2x die Woche was mir persönlich sehr hilft. Aber mein Suchtgedächnis fickt mich jeden Tag. Es ist echt eine Plage, wenn man Down ist und die erlösende Line nur einen Telefonanruf weit entfernt ist. Einige meiner Freunde meinen Sie haben damit nicht solche Problem wie ich, jedoch weiß ich dass deren Probleme mindesten genau so groß sind, denn dass schwierigste bei uns Partytypen ist, sich einzugestehen, dass man ohne nicht mehr kann. Dass hat bei mir auch die Jahre gebraucht.

An alle neuen Konsumenten: Am Anfang ist es eben nur geil und man kann sich nicht vorstellen, dass das zu einem Problem wird. Tatsache ist, dass es aber zu einem Problem wird. Lest euch einfach nur die Erfahrungsberichte durch und schaut auf das Alter, dann werdet Ihr sehen, dass viele die schon ein bißchen Älter sind gerne den Tag an dem Sie das erste Mal was genommen haben rückgängig machen würden. Es gibt zwar Ausnahmen und wie das Wort schon sagt es ist die Minderheit, die damit gut umgehen kann. Nicht umsonst ist Kokain nach Heroin die Droge mit dem stärksten Abhängigkeitspotential. Kann man sich aber am Anfang gar nicht vorstellen. Es ist aber so, glaubt mir. Regelmäßig genommen kannst du Kokain nicht mehr vergessen. Alle die wie ich versuchen davon wegzukommen wünsche ich vom ganzen Herzen viel Kraft und Erfolg.

So long,

Dieter

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