Langer Winter im Sommer 2010

Wer Drogen nehmen will, soll es tun. ich werde mich hüten solche Sprüche zu bringen wie: Lasst die Finger davon. Unterschätzt es bloß nicht. Ich bin jetzt 21 und werde schon älter geschätzt weil der Konsum inzwischen sichtbar angefangen hat mich zu zerstören. Aufgewachsen bin ich bei meiner Großmutter und religiös war sie auch. So bin ich als Zeugin Jehovas erzogen worden, was mich bis zu meinem 16. Lebensjahr daran gehindert hat Drogen zu nehmen. Als ich dieser Gemeinschaft sinnbildlich den Mittelfinger zeigte fing ich an zu rauchen und Alkohol zu trinken, alles nicht schlimm. Kiffen tat ich bis dato auch nur selten, weil es mich einfach nur träge, faul und müde machte. Dann verliebte ich mich in ein Arschloch, mit dem ich das erste mal Speed zog. Er sagte zu mir: "Das Problem an Drogen ist nur eines, du weißt nach Konsum, wie es ist." Er hatte Recht. Der Konsum hielt sich allerdings stark in Grenzen, ich hatte nicht die nötigen Dealer. Später zog ich mit meinem besten Freund zusammen und trank mehrere Monate fast täglich Alkohol. Heutre trinke ich fast kaum noch da ich im Gegensatz zum wachen und klaren Gefühl das Betrunkenheits-stadium zu hassen lernte. Pep war auch dabei, jedoch nur selten. Der exessive Speedkonsum begann als meine Freundin aus Berlin wiederkam und wir zur Feier des Tages zu einem Kollegen gingen... Dieser hatte immer Speed bis zum Abwinken. Aus dieser Feier wurden 5 Tage, durchgemacht und dann ist man auch nicht mehr klar im Kopf. Pillen waren nicht ausgeschlossen. (Auch davor waren mir andere Drogen wie xtc und Pilze nicht fremd) Der ausschlaggebende Punkt war einfach dass ich nach diesen Tagen zur Arbeit musste. Ich zog weiter und es funktionierte. Die Angst dass ich auf Drogen nicht Arbeiten könnte, fiel. Die Dealer waren irgendwann dann da, demnach auch die Drogen. Der Konsum stieg ganz klar an. Doch ich hatte immer ein Prinzip: Niemals werde ich aufgrund der Drogen mal nicht zur Arbeit gehen. Das ist bis heute geblieben. Inzwischen wissen auch ein paar Arbeitskollegen davon und ich bin sicher einer meiner Chefs auch, nein, ich vermute sogar dass er selber konsumiert. Man entwickelt eine Art Radar und bekommt einfach eine unglaubliche Menschenkenntnis. Bald wird mein Dauerkonsum vier Monate alt OHNE nennenswerte Pause. Diese gingen nie länger als drei Tage. Ich wurde gefühlskalt und weinen kann ich eh nicht mehr, außer wenn mir in seltenen Momenten bewusst wird, wo ich gelandet bin. Ich habe über 10kg abgenommen und wiege nun bei einer Größe von 1,70m noch 47kg. Man sieht also jeden Knochen und ich werde oft darauf angesprochen, sogar hinter meinem Rücken beginnt das Gerede über meine Figur sogar von Leuten die mich vorher nicht gesehen haben. Meine Ränder unter den Augen sind eintätowiert und meine natürliche Augenfarbe schwarz. Ich achte jedoch IMMER auf ein top gepflegtes und gestyltes Aussehen, hab ich ja auch Nachts genug zeit für. Soviel zur Optik, die ich persönlich als sehr gut empfinde. Körperlich bin ich an dem Punkt angelangt an dem ich oft trotz Konsums totmüde bin und schlafen kann, Der Heißhunger inzwischen auch in "Druppski-statien" vorhanden. Die Hände sind kalt und Kreislauftechnisch bin ich auch nicht mehr so die fitteste. Beim tiefen Einatmen schmerzt oftmals die Lunge was wohl nicht gesund sein kann. Das alles ist aber völlig trivial denn das was am ehesten stirbt ist die Seele. Häufig bin ich völlig verklatscht und wundere mich dann dass ich in solchen Momenten eine Konversation geradeaus führen kann. in den Minuten/Stunden zwischen den Nasen habe ich tierisch schlechte Laune aber die Euphorie ist noch vorhanden, jedoch fahre ich mir auch immer häufiger die sogenannten "Miesen". Doch das alles ist für mich dennoch keine Motivation aufzuhören, es ist Alltag. Filme fahren auf sinnlosen Tätigkeiten, ob mit Freunden oder alleine sind Normalität. Ob Songtexte schreiben, PC-games, Schmuck basteln oder Fingernagelmodellage... Klingt albern aber man kann sich stundenlang damit beschäftigen während im Hintergrund die typische "Drogenmusik" läuft die man sich selbst erwählt hat. Das alles ist auf irgendeine Art erfüllend. Doch an manchen Tagen frage ich mich warum ich das tue... Nie weiß ich darauf eine Antwort und während dem Gedanken greife ich wieder zum Spiegel. Ich weiß dass irgendwann der Punkt kommen wird an dem ich die Nase im wahrsten Sinne des Wortes voll habe, doch ich weiß dass ich es ohne Therapie kaum schaffen würde. Vielleicht wird der Punkt in einem Monat sein, vielleicht Morgen. Aber vielleicht wird er auch noch Jahre auf sich warten lassen oder sogar erst dann kommen wenn es zu spät ist. Doch es ist momentan mein Lebensstil. Meine Prinzipien gebe ich um keinen Preis der Welt auf und das halte ich für wichtig um noch das bisschen Kontrolle was man in der Beziehung überhaupt haben kann zu behalten. Ab dem Moment in dem du der Abhängigkeit gegenüber eine gleichgültige Haltung einnimmst, bist du schneller abhängig als du gucken kannst... Ich weiß es, mir ist es egal geworden. Der schlimmste Fehler ist nicht die Überdosierung, sondern das Unterschätzen. Respekt sollte man haben, Drogen sind KEIN Spielzeug. Haltet euch eure EIGENEN Gründe vor Augen und fragt euch ib es das wert ist. Ich persönlich kann auch begründen warum ich Drogen nehme bzw angefangen habe sie zu nehmen, doch die sind für alle anderen Menschen unwichtig. Konsum lässt sich mit NICHTS im Rahmen des gesunden Menschenverstandes begründen. Doch irgendwas scheint es zu geben was die Selbstzerstörung derart reizvoll macht. Hoch und tief gehen beinahe nebeneinander... Dabei sollte man allerdings nie vergessen dass auch in den Hochphasen eigentlich nur das Tief regiert.

Substanzen: