LSD-Trip Eigendokumentation

Hey zusammen, ganz kurzer Disclaimer zu meinem Erfahrungsbericht: Ich (m), 25 Jahre habe neulich zum zweiten Mal in meinem Leben LSD konsumiert, allerdings zum ersten Mal alleine.

Ich hatte die Idee den Trip komplett zu dokumentieren, um mal einen Bericht direkt am Puls der Substanz zu dokumentieren, auch um mal mehr über mich zu lernen.

Der gesamte Text wurde nicht mehr überarbeitet und ich habe einige Rechtschreibfehler und problematische Grammatik gefunden, aber für den Zustand in dem ich das geschrieben hab ist das alles voll im Rahmen.

Einnahme: 08:56

Erste Wirkung: 09:08, aufgeheitert, Glieder werden schwerer

09:19 schwere Glieder, leichte Müdigkeit. Musik wirkt euphorisierend.

09:27 Grundeuphorie, Entspannung. Wachheit setzt schleichend ein.

09:29 Wunsch nach warmen Socken.

09:38 Kaffee schmeckt nach Fuß.

09:45 Beine wackeln, keine wirkliche Kontrolle darüber.

09:53 erste wahrnehmbare Wirkung tritt ein, Luft fühlt sich sehr kühl an. Gedanken verschlingen sich immer öfter.

09:59 Gerüche werden viel stärker wahrgenommen. Kann das Getränk am eineinhalb Meter weit entfernten Tisch riechen. Habe gerade einen Vogel draußen beobachtet. Länger als ich es mir gerade eingestehen will. Und in dem Moment in dem ich dieses hier schreibe merke ich, wie sich der Schleier um mein Ich herum lüftet. Das Ich ist nur eine Abgrenzung die wir uns auflegen. Eventuell um den Vorteil für den einzelnen herauszuholen, vielleicht aber auch um uns vor der harten Welt, die uns umgibt abzukapseln. Würden wir alle das Ich ablegen, könnten wir gemeinsam diese harte Welt zu einer machen, von der man sich nicht abkapseln will. In unserer kalten Welt ist das aber nicht möglich, da uns vorgelebt wird was wir begehren sollen.

10:06 Dieser Moment gerade ist das Ziel eines Rausches. Mein Kopf ist klar und ich bin mit mir selbst im reinen. Ich sehe nichts, was ich in meinem Leben hätte besser machen können. Denn der alte Spruch stimmt: der Weg ist das Ziel. Und ohne den Weg ist auch das Ziel wertlos.

10:11 Gerade eben habe ich bemerkt wie sich der Raum um meinen Fernseher krümmt. Und während ich das schreibe wird mir mehr und mehr bewusst, wie doch der Fernseher eine Gerätschaft ist um uns unglücklich zu halten. Wir sehen Menschen die mehr haben als wir und hassen sie für ihr Glück und wir sehen Menschen die weniger haben und hassen sie dafür, dass sie mit dem was sie haben glücklich zu sein scheinen. So gesehen ist der Fernseher ein Grund für Unzufriedenheit.

10:24 es setzt in Wogen ein. Ich bin der Strand, die Substanz die Welle. Egal was ich in der Zeit, die ich habe, in den Sand zeichne, die Welle wird es mitnehmen. Mit, nicht weg.

10:25 Das Wetter ist toll. Obwohl alles auf ein Gewitter hindeutet scheint doch noch die Sonne durch grau zerklüftete Wolken und berührt die Bäume mit ihrem warmen Licht. Nehmen wir uns doch ein Beispiel an der Sonne ;).

10:44 Mein Antrag für ein Jobrad wurde mir gerade bewilligt. Fick ja.

10:46 musste gerade nochmal nachschauen warum ich denn so glücklich bin. Fick ja.

10:48 sehe gerade Aufnahmen von Santana - Soul sacrifice auf Woodstock an. Mehr gleichgesinnte Menschen an einem Ort gab es danach wohl nie wieder.

10:50 und natürlich Menschen, die mit solch einer Begeisterung Musik machten als würde es um ihr Leben gehen. Und irgendwie tat es das wohl auch. Tut es das nicht bei allen Musikern immer? Musiker verschaffen uns mit der Musik Auszeit. Und für sie ist Auszeit die Zeit, in der sie keine Musik machen. Ist das nicht seltsam?

10:55 LSD, die Fuge zwischen Künstlern. Kann man das so sagen? Denn es stimmt durch und durch.

10:58 ich lege das letzte Drittel nach, es fühlt sich einfach nicht richtig an diese Briefmarke getrennt zu haben.

11:03 ich bin gerade zu lake shore drive durch die Wohnung getanzt. Das sieht bestimmt lustig aus, wie ein dicker Tanzbär. Wenn mich jemand sehen würde, würde er sich über mich lustig machen oder sich mit mir freuen? In einer perfekten Welt wäre es letzteres, doch in dieser...

11:05 gerade wird mir bewusst dass ich, wenn ich diesen Text hier ins Internet stelle, mir wohl selbst in gewisser Weise ein Monument baue, welches man nicht mehr von der Erde, oder zumindest dem Internet nicht mehr tilgen kann. Darum geht es bei diesem Spiel doch, oder?

Vielleicht sind wir alle viel freiere Geschöpfe, die nur nicht wissen wie sie mit ihrer neu gewonnenen Freiheit umgehen sollen. Es schafft gerade so viel Lust auf mehr mich hier niederzuschreiben, einzumeisseln. Etwas lassen. Und auch wenn ich all das hier lieber auf Papier tun würde, so wäre es doch nie für immer. Bin ich ein Egoist, weil ich mir ein Andenken schaffen möchte? Ich glaube nicht. Ich will nur dass dieses Individuum, welchem mein Geist innewohnt nicht vergessen wird. Ich glaube so einfach ist es. Und wenn ich doch gerade egoistisch bin, dann ist es so. Denn das ist es, was hinter dem Schleier bleibt: Man selbst. Unverblümt, ungeschönt. Und lieber eine hässliche Fratze als die gefällige Maske, die aber doch nur eine Lüge ist.

11:11 vielleicht bist du, der das hier liest, genervt und denkst dir: lass mich doch mit deinem Geschwafel in ruhe. Dann möchte ich dir aber nahelegen einfach weiterzugehen. Denn das ist nunmal das, was ich bin.

11:15 Optics setzen ein. Ziemlich stark. Mama, ich will doch nur mal kucken.

11:17 der Nachbar über mir hämmert. Witzig wie weit die Grenzen verschwimmen. Während er vielleicht einen Nagel einschlägt um eine Uhr oder einen Kalender, Sklaventreiber der Zeit, in seiner Wohnung zu etablieren tue ich hier alles um aus dem Mahlstrom der Zeit auszubrechen.

11:20 Bilder sehen aus als ob sie atmen würden. Gerade mache ich mir Gedanken darüber wie lange ich mich hier wohl noch niederschreiben kann bevor die Strömung mich mitnimmt. Gerade läuft Stuck in the middle with you von Stealers Wheel. Und obwohl ich hier nur dieses Albumcover sehe und mich mit der Band nie beschäftigt habe bin ich mir doch ziemlich sicher dass das ein paar coole Typen waren. Ganz sicher werde ich sie jetzt aber nicht googeln, da das bestimmt nur mein Bild zerstören würde.

11:25 you can't always get what you want von den Stones. Ich sehe das Video und weine vor Glück. Das ist Musik für die Seele.

11:26 ich erinnere mich an den Bruder, der mir dieses Erlebnis schenkte. Er meinte nimm nicht mehr als eine halbe, die sind stark. Ich hab eine ganze genommen. Vielleicht bin ich dumm, vielleicht höre ich nur zum ersten Mal auf meine innere Stimme. Ich fühle wie sich meine Wirklichkeit ausdehnt. So als hätte ich plötzlich mehr Platz für mich und meine kleine Version der Welt.

11:36 Dieser Moment in dem du realisierst dass du die Substanz bist. Jetzt bin ich wohl gut dabei. Ich weiss nicht ob das Bild von Gotalien - Landscapes animiert ist, auf jeden Fall ist es das gerade für mich. Und die Realisation dass das Bild es nicht wagen würde meine Sinne zu täuschen. Ausgemachter Schwachsinn.

11:40 es scheint wohl wirklich animiert zu sein, nicht dass mein Verstand dieses Spiel gerade nicht auch beherrschen würde.

11:50 es ist ein Privileg seine Ruhe zu haben und ungestört sein zu können. Das wird mir nur allzu bewusst.

11:53 gerade habe ich meinem Spiegelbild in die Augen gesehen. Es war als hätten sich zwei uralte Existenzen wiedergefunden. Ich hätte so viele Worte um es auszudrücken und doch Vermögen es keine so wie diese hier.

12:05 und so schnell kann es gehen, die uralte Existenz sitzt im jumpsuit auf ihrem Balkon und mampft Tomaten. Es ist verrückt. Auch wenn die Wolken definitiv nicht von dieser Welt sind. Gerade eben habe ich mich dabei erwischt wie ich meine Glücklichkeit hinterfragen wollte. Tut das nie! Und ich benutze sonst nie Ausrufezeichen. Links neben mir ist das Balkongeländer, die Barriere zwischen der Natur und mir. Oder mir und der Natur? Hat sie doch viel mehr Grund mich zu fürchten als andersherum. Leider. Und hier ist die nächste Talfahrt, ich melde mich wieder. (12:14)

12:14 ich sollte meiner Freundin nicht alle Tomaten wegfressen. Das wird sie tierisch sauer machen.

12:16 ich beobachte eine Fliege am anderen Ende des Balkons, unserer Balkondimension. Nur wir beide in unserer eigenen kleinen Welt.

12:19 wir sind wie Tomaten. Wir bekommen alle den gleichen Regen und die gleiche Sonne. Nur der Boden unterscheidet uns. Und je mehr Sonne wir abbekommen, desto süsser werden wir.

12:23 oh, wenn Wolken uns nur von ihren epischen Schlachten in luftiger Höhe erzählen könnten. Lass doch mal einfach die Wolken reden.

12:26 Neue Seite, neues Glück. Glück bedeutet sich in seinen Gedanken zu gefallen.

12:29 habe gerade versucht Wolken zu formen. Wer hätte nur gedacht dass das nicht funktioniert?

12:31 ich werde diesen Tag nie vergessen, an dem ich einfach mal ganz für mich alleine völlig wahnsinnig war. Möge dein Leben immer sein wie Tomaten am Balkon essen. Kann ein Mensch noch viel mehr Glück empfinden? Gerade eben habe ich aus unerfindlichen Gründen eine Tomate auf meinen Bauch gelegt. Soll die sich doch ein Vogel holen und so glücklich sein wie ich. Denn wenn man Glück nicht teilt nennt es sich Hölle.

12:36 Jaja, auf jeden Fall erstmal ne halbe am Arsch, ich hab auf meine innere Stimme gehört und bin zufrieden. Nennt mich einen Hippie, aber ich lebe für mich. Vermutlich habe ich noch nie mehr gelebt als jetzt. Wie viel Leid man manchmal erzeugen muss um Leben zu können. Aber das ist die Natur. Jeder probiert so gut wie möglich zu sein und viele fallen durch das Raster, nur um dann Boden zu bilden für etwas in seiner Grossartigkeit noch nicht dagewesenes. Ist das nicht Wahnsinn? Wie kann es Menschen geben, welche sich anmaßen diesen Wahnsinn in ganzer Gestalt zu begreifen, wo doch in mir alles zerspringt bei diesen Gedanken.

12:46 Warum verwenden wir das Wort Gefährte nicht mehr? Es sagt viel mehr aus als Freund. Ein Gefährte ist ein Bruder.

12:48 ernsthaft, schmeißt euren Fernseher weg. Wolken sind die besseren Unterhalter.

12:51 ist Musik eigentlich noch Musik oder eher schon ein Sinn? Ich habe mich verloren in once upon a time, dirigiert von Andre Rieu, Gott steh mir bei. Was für ein geniales Stück Musik.

12:53 keine Musik bringt die gleichen Saiten zum schwingen wie Klassik.

13:03 ich habe mir geschworen nichts von dem hier geschriebenen zu löschen. Es ist die Wahrheit und so ehrlich bin ich nun mal zu mir selbst. Ich habe nur einen wahren Freund. Aber er ist alles.

13:03 anderes Lied, andere Stimmung. Lazarus von David Bowie und schon fühlt sich der Boden nicht mehr so beständig an. Unter jedem Boden verbirgt sich ein Abgrund. Und wehe dir er bekommt dich zu fassen.

13:09 ich habe schon die Befürchtung wieder zurückzufallen, aber ich bin gerade mal da. Gepriesen sei die Zeit in all ihrer Zähflüssigkeit.

13:12 langsam zieht ein Gewitter auf und ich sehe ihm dabei von meiner Balkondimension aus zu. Die Fliege ist schon lange weg. Ich bin alleine und kann es genießen.

13:18 ich glaube ich komme immer noch hoch, was für ein Wahnsinn.

13:32 Urlaub fürs Gehirn. Gerade fühlt es sich an als würde mein Kopf jetzt endlich mal zu Ruhe kommen, nachdem er die letzten Stunden alles geben musste.

13:35 hab gerade Schokolade gegessen. Pfui Teufel ist das ekelhaft. Wer kam denn auf diese beschissene Idee? Hat was von süssem Teer.

13:39 Harry Potter Filmmusik in meinem Balkoniversum. Daran kann man sich gewöhnen.

13:42 ich bin plötzlich wieder ziemlich nüchtern. Entweder komme ich also wieder herunter oder das Gegenteil ist Sache, ich nehme es wie es kommt.

13:48 und wieder bin ich in den Strom aus Musik eingetaucht, der mich mitreisst wohin auch immer es ihm gefällt. Warum sollte man die Macht haben das zu steuern? Treiben lassen ist Magie.

13:50 und wieder begreife ich wie lange ich in diesem Zustand noch verweilen darf. Ein Geschenk.

13:59 ich glaube dass ich langsam aber sicher wieder nüchtern werde, bin mir dessen aber weder sicher noch sehen ich es herbei.

14:09 ja, der Trend geht zum ausnüchtern.

Und Schluss. Ich kann nur vom Konsum abraten, wenn man sich nicht absolut sicher ist zu wissen was man tut.

Schönen Tag noch und bleib gesund.

Substanzen: 

Kommentare

Danke!

Danke dir für diese Dokumentation!Um ehrlich zu sein, kann ich kaum glauben, dass diese Worte tatsächlich unter starkem Einfluss entstanden sind. Manchmal sind es einfach zu schöne Pointen und Fehler finde ich im Text fast weniger als in Kommentaren oder Beiträgen, die hier nüchtern geschrieben wurden.Ich habe übrigens noch kein LSD konsumiert und kann daher auch nicht aus Erfahrung heraus beurteilen.

Ich musste häufig schmunzeln oder lachen. Machst einen sympathischen Eindruck. Behalte das, was du während des Trips erfahren hast.Viel Glück noch auf deinem Weg!

Sehr interessant

Eine wirklich gute Idee mein Freund, ich habe es genossen zu lesen. Hört sich nach einem wirklich angenehmen Trip mit wertvollen Erfahrungen an. Die Dosis war aber wohl nicht zu hoch, nachdem du nicht so ausführlich auf die optics eingegangen sind. Mein Trip damals wurde durch die Optics bestimmt und das Schreiben eines Berichts wäre in diesem Zustand unmöglich gewesen. Aber Hut ab dass du das durchgezogen hast :)

Klasse !

Wunderbaren Bericht den du da geschrieben hast. Musst aecht viel lachen. "Kaffee schmeckt nach Fuß." 

Vielen Dank !

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