Mann an Kokain verloren

Alles fing im September 2016 an. Da mein Mann in Bremen arbeitet, wohnte er ab August 2016 im Kampus. Er fuhr Montagmorgen los und kam am Freitag wieder nach Hause. Er hat einen anstrengenden und verantwortungsvollen Job, der mit viel Stress verbunden ist. Als er an den Wochenenden Heim kam, war er müde und ausgelaugt. Duschen fiel freitags aus, was er sonst als erstes tat, wenn er nach Hause kam. Er war an den Wochenenden stets müde, konnte sich wenig aufraffen und schlief viel. Ich schob dieses Verhalten lange auf den Stress. Im Oktober beschlossen, wir, Nachwuchs zu bekommen. Auf Grund dessen kauften wir im November ein neues Auto, welches auf meinen Namen läuft, er aber die Zahlungen dafür leistet. Im November konnte man meinem Mann bereits ansehen, das was nicht stimmte. Seine Gesichtszüge hingen, er war blass und hatte eine leicht gräuliche Gesichtsfärbung. Bei unseren Einkäufen landete dann kein Weißwein mehr im Einkaufswagen, sondern zwei Flaschen Whisky, damit er mit seinen Jungs mal was trinken kann. Da habe ich schon ein wenig Bedenken gehabt. Er war ständig krank, in Form von Erkältungen, Durchfall, Rückenschmerzen, Herzrasen und Schlafstörungen. Zu diesem Zeitpunkt schliefen wir nicht mehr im gemeinsamen Bett, er zog sich in Gästezimmer zurück. Heiligabend verbrachten wir mit der Familie noch eine schöne Zeit. Kurz vorher ist seine Oma verstorben, die Anfang Januar beerdigt wurde. Im Dezember bat mein Mann mich, noch einen dritten Hund aufzunehmen, den wir aus Griechenland holten. Anfang Januar 2017 haben wir diesen aus Düsseldorf abgeholt. Gleichzeitig schlug im Januar die Stimmung meines Mannes um. Er war nicht nur ständig müde, sondern war unruhig, nervös, gereizt und wirkte getrieben. Auf Fragen, was mit ihm los sei, bekam ich keine Antworten. Er rauchte vermehrt und mied zunehmend den Kontakt mit seinen Freunden, weil diese ihn nervten oder wie er so schön sagte, sie unter seinem Niveau waren. Dies erschrak mich sehr. Sobald er sich von mir kritisiert fühlte, wurde er richtig wütend und schrie mich an, er wäre kein Kleinkind und ich müsse ihn nicht so behandeln. Einmal warf er mir die Frühstücksbretter um die Ohren. Im Februar war es dann so, dass ich auf einem Freitag in der Badewanne lag, er saß im Bad und wollte dann ins Bett. Als er in der Tür stand, fragte ich, ob ich noch einen Kuss bekomme. Er sah mich an, riss die Augen auf und sagte: Bist du bescheuert? Ich habe dir grad einen gegeben, langsam machst du mir echt Angst mit deiner Vergesslichkeit. Dann ging er abends um 8:40 Uhr ins Bett. Am nächsten Abend wollten wir zu einer Feier. Er wollte schon gar nicht mehr mit. Ich konnte ihn dann aber doch überreden. Als ich Ihn bat, mir mein Kleid zu zu machen, schwitzte er massiv, und wurde total aggressiv, weil er den Reißverschluss nicht zu bekam. Ging aus dem Bad ins Gästezimmer, schimpfte, kam 10 min. später wieder und hatte sich einigermaßen beruhigt. Den ganzen Abend schenkte er mir keine Beachtung. Als wir wieder zu Hause waren, eskalierte es und wir stritten heftig. Am nächsten Morgen bin ich dann zu einer Freundin, um den Streit einmal sacken zu lassen und bin dann wieder nach Hause. Als ich fuhr, lag mein Mann noch im Bett. Als ich wieder kam, war er weg, bereits auf dem Weg nach Bremen. Da ich Ihn telefonisch nicht mehr erreichen konnte, machte ich mich am Mittwoch auf den Weg nach Bremen um mit ihm zu reden. Drei Stunden war ich dort, er weinte viel, sagte, er müsse seinen Weg jetzt alleine gehen, es geht nicht anders. Er sah ziemlich „lodderich“ aus und trank vier Gläser Whisky aus Longdrinkgläsern, als sei es Saft. Er hat alle Schuld auf mich geschoben. Hat meiner Mutter geschrieben, er kann und will glücklich sein und alles wäre meine Schuld. Außerdem versteht in eh keiner, keiner fragt wie es ihm geht und warum er das macht. Am Samstag drauf kam er nach Hause (ca. 200 km von Bremen entfernt) und holte seine Klamotten. 14 Tage später kam er wieder um eine Stehlampe und einen Akkuschrauber zu holen. Er war etwas über eine Stunde da und trank mit mir Kaffee. Er wirkte niedergeschlagen und ausgelaugt, traurig und sprach sehr leise, dabei konnte er mir nicht in die Augen schauen. Auch an diesem Tag sah er sehr ungepflegt aus, was überhaupt nicht zu ihm passt, da er sehr gepflegt und eitel ist. Er weinte, nahm mich ganz zärtlich in den Arm und streichelte mir den Kopf. Er hätte sich einen Nachsendeantrag für die Post gemacht, ich müsse aber keine Angst haben, Scheidung wäre noch lange kein Thema. Er nahm an dem Tag noch Bilder mit, die wir zur Hochzeit geschenkt bekommen haben. Bevor er sich verabschiedete, nahm er mich wieder in den Arm und sagte: jetzt, hier und heute gibt es kein wir, mein Leben ist so durcheinander ich muss das erstmal sortieren, das kann in einem halben Jahr schon wieder alles ganz anders sein. Er liebt mich und für ihn ist das auch nicht einfach. An diesem Tag bezog er seine Wohnung in Bremen. Etwa zwei Wochen später bekam ich von ihm eine Mail, die ich bis heute nicht aus dem Kopf bekomme. Der Text war dermaßen von oben herab, arrogant, zynisch und boshaft. Er kündigte mir an, dass er die Scheidung einreichen werde. Er würde nur aus Mitleid mit mir zusammen bleiben und das wolle er mir nicht antun. Und das er geweint hat, lag daran, dass er nun weiß, dass seine Träume geplatzt sind. Den Kontakt zu seinen Freunden hat er ebenso abgebrochen mit dem Spruch, er müsse seinen Weg jetzt alleine gehen. Er meldete sich dann in Abständen von 1 ½ bis zwei Wochen per SMS bei mir, stellte aber immer nur Fragen, die er sich hätte selbst beantworten können. Wir haben im Jahr 2014 ein Haus gebaut. Hier mussten wir im Nachgang noch Zahlungen leisten, die der Kredit nicht mehr hergab. Sodass wir noch einen Kredit aufnahmen. Der Kredit läuft auf meinen Namen ich bekam das Geld von meinem Mann dann immer überwiesen, da er € 8.000,00 verdient. Im März blieb die Rate in Höhe von € 300,00 das erste Mal aus. Ich fragte ihn, ob das einen bestimmten Grund hätte. Seine Antwort: oh, das ist ja ein Dauerauftrag, das muss ich mal prüfen. Dabei blieb es dann auch. Er kam am 02. April noch einmal zu uns ins Haus. Und hier wird es komisch. Er ist ja nun ausgezogen, hat sich getrennt und die Scheidung eingereicht. Der Scheidungsantrag war der Hammer, demnach sind wir schon seit Februar 2016 getrennt. Allerdings hatten wir im Juli 2016 noch kirchlich geheiratet. All seine Sachen sind noch im Haus. Alles, was ihm wichtig ist. Es stehen noch Schuhe im Hauswirtschaftsraum, hängen noch zwei Jacken an der Garderobe, im Bad stehen noch Duschgel und Deo. Im Prinzip sieht es aus, als würde er jeden Moment durch die Tür kommen. Seine Kommode ist noch da und all seine Habseligkeiten, die ihm wirklich wichtig sind und an denen sein Herz hängt sind in unserem Haus. Im Prinzip alles, was er besitzt. Er hat nichts im Haus verändert, nicht einmal seine ihm so wichtigen Wandbilder hat er mitgenommen. Er kam nun im April. War wieder traurig, keine Mimik, blass, leise und in sich gekehrt. Es saß dort die ausgelutschte Hülle meines Mannes. Trägt keine Brille mehr, und setzt sofort seine Sonnenbrille auf, wenn er das Haus verlässt. Ihm ginge es gut. Da habe ich ihm widersprochen und ihm ganz klar gesagt, dass das nicht der Fall ist. Seine Antwort: Es ist eh egal, was ich dir sage, ich bin wie ein offenes Buch für dich. Er wolle mir nicht wehtun. Und er wisse auch nicht, was das alles wird und ob das alles richtig ist, das könne in einem halben Jahr alles wieder ganz anders sein. Als ich ihn bat, einen Schritt zurück zu machen, sagte er, er habe Angst einen Schritt zurück zu machen. Er fragte nach Kaffee und war etwa eine Stunde da. Lieb. Ich erzählte ihm, dass meine Mutter uns bei der Taufe meiner Nichte entschuldigte, da waren wir grad getrennt und ich konnte nicht da hin. Da ich den Streit damals angezettelt habe, sagte meine Mutter eben genau das. Das konnte er nun gar nicht verstehen, dass meine Mutter mir in den Rücken fällt. Er war fassungslos über das Verhalten meiner Mutter .Er spricht, als wäre er ein kleiner Junge. Draußen stand er dann lange vor mir, ganz dicht und sah mir durch seine Sonnenbrille in die Augen. Ich habe von ihm eine Küchenmaschine geschenkt bekommen, er dachte nun, dass ich diese verkaufen wollte und war total empört. Wie er darauf kam, weiß ich nicht. Ständig dreht er sein Armband in Position. Er hat es von mir bekommen und ich denke, er wollte mir zeigen, dass er es trägt. Eine andere Idee habe ich dafür nicht. Er nahm eine Pfeffermühle mit, eine Flasche Öl und meine Vegetarischen Kochbücher. Dazu ein wenig Deko. Dann schlug seine Stimmung um. Er war gereizt. Bekam irgendwie Panik und hatte es furchtbar eilig weg zu kommen. Er fährt jetzt los nach Bremen, NACH HAUSE. Die Aussage klang wie die eines trotzigen Kindes. Ihm ist auch alles egal. Seine Gesundheit, unser Haus und sein Sohn, den er mit einer anderen Frau hat. Er ist sieben und wohnt hier bei uns in der Nähe. Das einzige, was er mittlerweile zugibt, ist, dass ich nicht an allem Schuld bin, er auch viel Schuld an dieser Trennung hat. Auf dem Weg schrieb er meiner Mutter: geh bitte, bitte rüber zu Julia, ich habe Angst, sie tut sich was. Der Besuch gab mir zu denken. Und da ich weiß, dass er vor Jahren Kokain konsumierte, fragte ich ihn per SMS, ob er das wieder täte. Seine Antwort: Was soll das???????? Woher nimmst du deine blühende Fantasie. Das war für mich Antwort genug. Eine Woche Später fragte er, ob ich ihm den Kreditvertrag einscannen und mailen kann. Ich denke, er wollte gucken, ob man die Zahlungen stunden kann. Ich habe es ihm nicht geschickt. Mittlerweile bekomme ich seit April auch Post von VW. Die Zahlungen für den Wagen, die am 15. Eingezogen werden, gehen per Rücklastschrift zurück. Das heißt, mir fehlen monatlich € 500,00. Seitdem habe ich nichts mehr von ihm gehört. Anfang Mai erhielt ich bei der Arbeit ein Fax, Absender anonym. Hallo Julia mit einem Herz. Das Fax stammt eindeutig von meinem Mann. Er hat meine Komplette Familie noch bei WhatsApp und guckt sich diesen Bilderstatus an, wenn da Bilder drin sind, das tut er auch bei mir. Da ich mittlerweile wirklich davon ausgehen, dass mein Mann dem Kokain verfallen ist und ganz offensichtlich schon derbe Geldsorgen hat (€ 8.000,00 die am 15. Schon ausgegeben sind, weil das Konto wohl stark überzogen ist) frage ich mich, wie das weiter gehen soll und vor allem, wie tief er da schon drin steckt, er hatte ja schon im letzten Jahr gesundheitliche Probleme. Da ich mir im Klaren darüber bin, dass ich ihm nicht helfen kann, hatte ich ihm im April nur geschrieben, dass ich weiß, dass er Probleme hat, ich ihn gerne wieder hier hätte, aber nur, mit der ganzen Wahrheit. Ohne Vorwürfe. Ich mache mir große Sorgen um ihn und kann die ganze Situation nicht einschätzen. Vor allem aber sein Verhalten. Über Rückmeldungen würde ich mich freuen.

Substanzen: 

Kommentare

Süchtig

Mir sind die Tränen gekommen als ich das alles Gelesen habe...

ich stecke selber in dieser Situation und habe Angst alles zu verlieren.

ich habe Schulden bin dabei meine Frau zu verlieren und kümmere mich einfach um nichts...

ich kann mich nur zu gut in die Lage versetzten und wenn man an einem gewissen Punkt angekommen ist, dann schafft man es alleine nicht mehr raus.

ich bin heute zu dem Entschluss gekommen etwas zu ändern und mit meiner Familie darüber zu reden aber ich habe sehr große Angst das ich es nicht schaffen werden weil ich immer wieder rückfällig geworden bin....

ich drück allen die Daumen das alles gut wird und sie selber niemals in die Lage kommen werden 

 

LG

Dein letzter Beitrag

es tut mir schrecklich leid, dass ihr nun machtlos zugucken müsst, wie er in den Abgrund fällt! Ich sehe nun die Zukunft meines Freundes. er ist abhängig von Amphetaminen, oder wie man so schön auf der "Straße" sagt, Pep. Wir sind nun seit über zwei Jahren zusammen und leben seit einem Jahr in unserer gemeinsam angemieteten Wohnung. Das er dieses Zeug konsumiert weiß ich seit ca. 1 1/2 Jahren. Ich habe es runtergeschluckt und versucht ihm zu vertrauen, dass er es im Griff hat, wie er immer beteuert hat. Nun stehe ich kurz vor der Entbindung unserer Tochter (war eigentlich nicht geplant)...er hat mir seit Erkenntnis der Schwangerschaft hoch und heilig versprochen das er aufhören wird. Tja, nun habe ich nur noch 10 Tage bis zum ET und er nimmt dieses verfluchte Zeug immer noch, obwohl er immer wieder versprach es "ab morgen" nicht mehr zu tun...aber immer wieder tut er es dann "heimlich", wie er denkt...Aber ich bemerke es immer...Er hat sich sehr verändert, ist ohne das Zeug heftigst agressiv und gereizt...gestern hatten wir zum Beispiel einen heftigen Streit, wobei er mich mit der Faust in die Seite schlug, am Hals und Kiefer packte...Hals und Kiefer tun heute echt weh...Ich habe ihm immer alles verziehen, immer versucht zu verstehen...aber nun bin ich am Ende. Ich warte nun nur noch auf die Geburt meiner Tochter, und wenn er das Zeug nur einmal in die Wohnung bringt, wo meine Tochter lebt, dann werf ich ihn raus, wenns nötig ist, mit Hilfe von der Polizei....

Ich verstehe deinen Schmerz! Ich leide selbst unglaublich darunter, weil ich ihn immer noch sehr liebe und meine Familie wegen Drogen nicht aufgeben will, was ich aber tun werde, wenn er mein Kind in Gefahr bringt....

Es schmerzt so sehr, ich würde am liebsten nur noch heulen...

Fühl dich gedrückt  und alles erdenklich Liebe wünsche ich Dir!

Hallo 

Hallo 

ich bin in der gleichen Situation wie du, mit einem Kind sogar und das seit 5 jahren! Ein Rat von mir lass die Finger von solchen Menschen, die ziehen dich mit in den Wirbel, sind egoistisch gefühlslos und unberechenbar einfach nur schlimm. Diese Menschen machen die ganze Familie krank, brechen hunderte Therapien ab und sind einfach lebenslang süchtig! Ich rate dir nur eins rette dich, du kannst einem Süchtigen nicht helfen 

Ich bin so in etwa in der

Ich bin so in etwa in der Situation wie Dein Mann. Eben umgekehrt. Meine Frau weiss es nicht.

Es könnte vielleicht Dir, mir oder unseren Partnern helfen, wenn wir uns austauschen.

Du hast dich aber hoffentlich

Du hast dich aber hoffentlich noch nicht von ihr getrennt? Hast du den Willen damit aufzuhören? Für dich? dann rede mit ihr. Auch wenn du wahrscheinlich die berechtigte Angst hast, dass sie dir Vorwürfe macht. Versuche ihr zu erklären, warum du es nimmst.

Wenn du damit nicht aufhören willst, denke ich, dass eure Ehe wirklich in Gefahr ist. Du wirst dich verändern, wenn du es nicht schon getan hast. Sie wird leiden, früher oder später. Und es wird schlimmer. Wie ist denn dein Konsummuster?

Danke für Deine Antwort.

Danke für Deine Antwort. Inzwischen habe ich es meiner Frau gesagt.

Und ich muss sagen, es ist unglaublich, hätte nie gedacht, dass ein Mensch so viel Liebe geben kann und dass sie mich eben trotz allem so sehr unterstützt. Wir haben uns lange unterhalten. Alles was passiert ist während meines Konsums war wirklich schrecklich für sie. Ich war schon im Begriff mich zu einem anderen Menschen zu wandeln. Die Droge macht Dich so emotionslos, so unglaublich kalt gegenüber Deinen liebsten Freunden. Dieser Teufel in Dir will Dich mit einer Scheinwelt locken, so lange, bis Du Dich frei gibst für eine neue Zeit. Eine Zeit, die Dich sicher in den Abrund führt.

 Ich habe mich schon bildlich auf einer hohen Klippe gesehen und habe mich fallen lassen. Im allerletzten Moment habe ich nach hinten gegriffen und da war der Halt, der mich vor dem Sprung gerettet hat.

Hätte ich nicht doch noch die Reißleine gezogen und wäre da nicht die Hand meiner Frau gewesen, die mich gehalten hat, wäre ich wohl in einer unglaublichen Euphorie und einem unbeschreiblichen Glücksgefühl nach unten gesprungen. Sicher wäre dieser Sprung ein irrsinniger Glücksmoment gewesen, nur eben von sehr kurzer Dauer, bis zum Aufprall, der in einer abgrundtiefen, tief verletzenden und wohl nie mehr gutzumachenden Tragödie geendet wäre. Vielleicht bis zum Tod. Zum vermeintlich glücklichen Ende das wohl mit dem letzten Schmerz des plötzlichen bewusst werdens alles zerstört zu haben doch eine tiefe Trauer erzeugt hätte, die ich ins Grab mitgenommen hätte.

All das bedenkst Du aber nicht, wenn Du das Zeug nimmst. Ich habe es als "Medizin" genommen. Das klingt bescheuert, aber ich kann es nur so erklären: Wenn Du Migräne hast, nimmst Du eine Tablette. Damit ist der Schmerz weg. Aber er kommt wieder. Dann nimmst Du wieder eine Tablette. Du kannst aber auch das eigentliche Problem angehen. Das dauert lange. Du brauchst Geduld, Kraft und es ist mühsam. Deswegen nimmst Du die Tablette.

So habe ich Koks genommen, statt eben meine Probleme anzugehen. Ich habe es anfangs nicht übertrieben, es war unter Kontrolle. Bis zu dem Moment, wo Du realisierst, Du hast es seit langem nicht mehr unter Kontrolle. Es bestimmt Dein Leben. Du willst das nicht aber jede andere Lösung ist in diesem Augenblick noch viel schmerzhafter.

Das ist ein wirklich schlimmer Teufelskreis. Warum nicht gleich das Kernproblem angehen? Das ist so leicht gesagt..nun manchmal ist es sicher auch leichter, als man zuerst denkt. Aber warum nehmen so viele Menschen für jedes Wehwehchen eine Tablette? Warum geht man nicht zum Heilpraktiker wegen seiner Migräne um z.B. festzustellen, dass das Problem durch Umstellung bei der Ernährung (Hystaminintoleranz) vielleicht weg ist? Weil es dauert. Es dauert Monate und Du hast keine Garantie. Weil es viel Geld kostet. Weil es soooo einfach ist diese Scheiss Tablette gegen Migräne zu nehmen und nach einer Stunde ist es weg. Es ist aber nicht weg. Es ist noch da. Du hast es nur für einen Moment beiseite geschoben. So ist es mit dem Koks. Zumindest bei mir. Meine Probleme waren "vertagt". Leichter zu ertragen. Besser zu bewältigen, weil nicht mehr alles so negativ war und so präsent.

Ein Trugschluss, den wohl die meisten Menschen in wesentlich abgeschwächter Form praktizieren mit legalen Drogen Aspirin, Iboprophen oder ähnliches. Das ist immer "o.k.". Drogen sind ein "nogo". Die Beweggründe sind die gleichen. Nur die "Medizin" ist eine andere. Menschen, die Drogen nehmen sollte man nicht verdammen. Man sollte sie nicht ausschließen, nicht an den Pranger stellen. Um ihnen zu helfen, muss man ihnen die Hand reichen, sie wertschätzen, ihnen ein glückliches, soziales Umfeld schaffen, ihnen Wege zeigen, die Probleme anders zu lösen. Verständnis aufbringen und Liebe geben. Dieses "Pistole auf die Brust setzen" hilft niemandem. Weder dem Süchtigen, noch dem Partner. Alle werden unglücklich. Leider ist unsere Gesellschaft noch so sehr von diesen "Drogensüchtige sind Aussätzige" Gedanken geprägt. Das ist falsch. Schizophrene Menschen, paranoide Menschen, die können oft nichts für ihren Zustand. Es sind arme Menschen, deren Zusatand mich so unglaublich traurig macht. Ich habe solche Menschen kennengelernt, weil ich mich mit meiner Frau gemeinsam entschlossen habe mich in die Klinik einliefern zu lassen. Es war die "Klapse". Das ist aber nichts anderes als eine psychiatrische Abteilung für Menschen, die ihr Leben aus welchem Grund auch immer nicht mehr im Griff haben. Einen Tag nach Einlieferung war ich wieder klar im Kopf. Und ich habe diese Menschen gesehen. Ich habe mich mit ihnen unterhalten. Sie beobachtet. Zwei Tage später habe ich mich selber entlassen. (War ja freiwillig dort). Heute noch und wohl mein Leben lang werde ich diese Momente nicht vergessen. Ein Patient, der unglaublich bösartig zu mir und allen war sass im Raucherraum mit mir. Er hat sich benommen, wie wenn er alle Menschen hasst, weil alle Menschen schlecht sind und jeder musste es büßen. Dann habe ich ihm ein Klavierstück von mir auf dem handy vorgespielt, dass ich in meiner traurigen Koks zeit geschrieben habe. Es war still, bis auf die Musik. Kein Atmen, innehalten. Als das Stück aus war kam er zu mir mit einem freudestrahlenden, glücklichen und überschwenglichem Gesicht und sagte mir "Bravo, bravo, bravo, dieses Lied ist wundervoll. Ich werde ein Orchester gründen mit 600 Mann und ich werde dieses Lied spielen lassen". Dann hat er nach unten gesehen, seine Zigarettenschachtel geöffnet, eine Zigarette leicht herausgezogen und mir entgegengestreckt. Oh mein Gott, es überkommt mich gerade wieder und ich muss weinen. Dieser Moment, einem kranken Menschen einen Glücksmoment beschert zu haben, ein Mensch, der sich nun öffnet und freundlich ist, ein Mensch, der zeigt, wie sehr ihm doch die Zuneigung und Freundschaft gut tut, es ist unglaublich. Ich werde das niemals vergessen. Es macht mich glücklich und gleichzeit so unglaublich traurig.

Das ist nun doch alles nichst so wirklich was Dir hilft, denke ich. Es ist ein kleiner Teil meiner Geschichte. Ich habe begriffen, dass Du all diese Liebe, all die Unterstützung auch Deinem Mann gegeben hast. Und ich verstehe, dass Du irgendwann einfach nicht mehr die Kraft dazu aufbringst. Das ist nur allzu verständlich. Ich glaube, ich hätte nicht einmal halb soviel Kraft, wie meine Frau gehabt. Du hast das wohl noch viel länger durchleben müssen und bist bestimmt nicht zu dem Punkt gekommen, an dem Du ihn hasst. Wahrscheinlich liebst Du ihn immer noch, wünscht Dir, dass Du aufwachst und dieser böse Traum zu Ende ist, dass er neben Dir liegt und wieder der Mensch ist, den Du kennen und lieben gelernt hast. Der Mensch, wegen dem Du so lange gekämpft hast. Aber die Kraft und Energie geht bei jedem Menschen mal zu Ende. Es tut mir Leid für Euch beide.

Meine Frau hat den Mensch zurückbekommen. Sie hat geweint vor Glück und gesagt "ich habe meinen Mann wieder". Nicht, weil ich anwesend war, sondern, weil ich mich wieder zu der Person zurückentwickelt habe, für die sie aufopfernd gekämpft hat.

Es tut mir wirklich sehr Leid für Dich. Nachdem ich meine erste Nachricht geschrieben habe konnte ich bis jetzt noch alles rückgängig machen. Ich bin nicht ganz durch. Habe noch Angst, wie meine Frau, dass ich rückfällig werde. Ich kann DIr nicht mit Sicherheit sagen, dass es in 6 Monaten noch so ist wie jetzt. Ich hoffe es aber es kann in 1 Jahr, in 2 oder nie passieren. So lange ich mit meiner Frau glücklich bin, meine Freunde habe, meine Kinder und meine Probleme im Griff habe ist wohl alles gut.

Was kann ich Dir mitgeben? Ich weiß es nicht. Vielleicht kannst Du etwas aus diesen Zeilen für Dich gewinnen. Falls Du nochmal die Chance hast und willst, dann versuche Deinem Mann nochmal einen Ausweg aufzuzeigen. Vielleicht nimmt er diesen Strohhalm doch, wenn er sich sicher fühlt, Dir alles (und zwar ALLES) erzählen zu können, was er in dieser Koks-Zeit gemacht hat, ohne, dass ihm Konsequenzen drohen. Wer Koks nimmt ist ein anderer Mensch. Nicht der, der man sein will. Da ist ein Teufel in Dir, der Deinen Körper benutzt. Es ist schrechlich für alle. Und ja, es ist dumm das Zeug zu nehmen. Man(n) macht Dummheiten. Große, kleine. Wer war nicht schon in der Situation oder kennt jemanden der sagt "ich bin schwanger". Mann. Das ist auch dumm, wenn man das nicht wollte. Man weiß es doch, oder? Trotzdem macht man es. Wunschkinder, geplant? Ja gibt es auch. Ich habe einen Sohn, der durch, wie sagt man so schön, einen "unfall" entstanden ist und einen Sohn, der geplant war. Wie fühlt man sich, wenn man doch genau weiß, dass eine Schwangerschaft "gerade jetzt" ziemlich scheiße ist. Klar, meistens entscheidet man sich für das Kind. Aber dass sowas passiert, was man nicht wollte, das gesamte Leben verändert, und nur, weil man "nicht aufgepassst hat", weil man "dumm" war? Ja, das sind alles Dummheiten und man macht sie. Nur ein Kind ist dann natürlich doch etwas anderes als Drogen. Entstanden aber aus "Dummheit". Drogen sind sozialer Abstieg und Abgrenzung. Eine schwangere Mutter, die ihre Ausbildung blöderweise nicht zuende führen kann, naja, "Mädchen das bekommen wir schon hin. Wir halten zusammen...." Warum nicht bei Drogen? Ja...wieder dieser gesallschaftspolitische Gruppenzwang...irgendwann wird es Menschen wie Dir leichter gemacht, weil man umdenken wird. Portugal macht es schon vor. Ich hoffe, das bleibt so.

Wenn ich irgendetwas für Dich tun kann, wenn Du etwas wissen willst, bitte schreib. Ich wünsche Dir so sehr, dass Du glücklich wirst, vielleicht doch wieder mit Deinem Mann. Alles Gute!!! Und danke, für Deine Antwort. Genau das ist es, was Du sagst. Man muss darüber reden. Vielen Dank. Ich habe das gemacht und alles ist gut. Und ja, sie musste leiden, wie Du. Es ist schlimm. Alle müssen leiden und ich hoffe, Dein Schmerz ist nicht mehr so stark und lähmend. Wenn es wirklich aus ist, dann hoffe ich, dass Du wieder jemanden findest, der Dich verdient! Du bist eine starke und liebenswerte Frau. Für mich hoffe ich, dass ich hier nicht mehr schreiben muss, dass ich wieder Koks nehme. Danke für Dienen Rat. Du hast das alles durchgemacht, was auch meine Frau durchmachen musste. Nur noch länger und mit einem schmerzhaften Ende. Es tut mir Leid für Dich. Alles, alles Gute.

 

 

Das ist toll und sehr mutig

Das ist toll und sehr mutig von dir! Mein Mann ist gegangen. Nun will er unser Haus verkaufen, was wir gemeinsam gebaut haben. Ich habe ihm meine Hand noch einmal entgegen gestreckt, ohne Erfolg. Er ignoriert mich. Ich muss ihn ziehen lassen, so weh es auch tut. 

danke für deine Worte. Es ist schrecklich und so unverständlich, wenn man sich mit der Substanz nicht auskennt, zu verstehen, was diese Menschen verändern und was es bedeutet, ein Mensch zu sein, der man nicht sein will.

ich drücke dir fest die Daumen, dass du es schaffst. Aber das wirst du!

Ich habe ähnliches erlebt

Hallo! Ich bin schon seit einiger Zeit hier auf dieser Seite unterwegs und was du (ich sage mal Du) da schreibst, kommt mir sehr vertraut vor. Zu aller erst möchte ich sagen, dass es mir sehr leid tat, das zu lesen. Ich habe vor einigen Monaten mit meinem engsten Freund ähnliches durchgemacht, aber mit Marihuana. Wir sind schon sehr lange befreundet und hatten nie Probleme. Aber irgendwann konnte er nicht mehr aufhören. Rauchte manchmal sehr viel an einem Tag, vergaß unsere Verabredungen und auf Fragen zu seinem Konsum reagierte er zumeist gereizt oder genervt, ich solle mich nicht so spießig haben und ihn machen lassen, er wisse was er tut. Versteh mich nicht falsch, Gras und Kokain sind zwei verschiedene Welten, aber ich kann deine Angst nachvollziehen, glaube ich. Ich habe ihn mit vielen Worten, stillen Tränen und eindringlichem Bitten dazu bekommen, alles umzukrempeln und ich hatte eine zerstörende Angst um dieses Verhältnis, denn außer ihm habe ich nicht viele Menschen auf der Welt und ich vertraue niemandem so sehr wie ihm. Doch wie es scheint, wirken bloße Worte bei deinem Mann nicht, das ist wirklich schrecklich. Alles, was ich dir sagen kann, ist, dass du durchalten musst. Gib dich nicht auf, niemals. 

Ich hoffe, und das meine ich ganz ernst, dass es zu einer Lösung kommt, ob nun für euch beide oder euch beide als Einzelpersonen.

Ich wünsche dir von Herzen alles Gute. Ich habe großen Respekt vor deinem Durchhaltevermögen.

M.

Danke

Hallo,

ja, es ist schrecklich. Ich weiß, dass ich ihn da nicht raus bekomme. Er gibt es nicht zu und wir haben nun auch seit zwei Monaten keinen Kontakt mehr. Er verspielt sein ganzes Lbene, alles, was er hat und ich weiß nicht, ob es ihm in der Tragweite überhaupt bewusst ist.

Ich frage mich auch ständig, ob er überhaupt noch in der Lage ist vernünftig zu arbeiten, da ich sein Konsummuster nicht kenne. Ich hatte immer das Gefühl, wenn er da war, dass er mir was sagen möchte und sich nicht traut. Ich habe die ganze zeit falsch gedacht. Ich bin davon ausgegangen, dass er Burnout hat.

Danke für deine Liebne Worte! Ich werde mcih nicht aufgeben.

.

Hallo , grüß dich ! ((Ich du'ze dich einfach mal) 

 

Was ich dir sagen kann ist, dass dein Mann / Exmann sich der Tragweite seiner Handlungen definitiv nicht bewusst ist! 

Ich habe einen sehr sehr guten Freund , der früher einmal Koksabhängig war und auch selbst 3,4 mal in meinem Leben eine Nase gezogen , jedoch nicht so wie er. Kurz zu mir , bin absolut kein suchtaffiner Mensch , aber bis heute bekomme ich ab und zu Lust auf dieses Zeug .. ich denke eine sehr deutliche Sprache was das Zeug anrichtet! 

Mein guter Freund hat selbst mich damals beklaut um seine Sucht zu finanzieren! Da dein (Ex-)Mann gut verdient , aber es den Anschein hat, dass es wohl doch nicht reicht , bewegt er sich gerade in die selbe Richtung ! 

 

Ohne mich in Angelegenheiten einmischen zu wollen , die mich nichts angehen , rate ich dir EINDRINGLICH Verwandte deines Mannes zu kontaktieren und offen mit Ihnen darüber zu reden ! Ich denke es ist unstrittig , dass er dir immer noch wichtig ist & selbst wenn er danach bzw. auch jetzt nichts von dir wissen will (verblendet durch das Koks) möchtest du ihn sicher nicht in sein Verderben laufen lassen.. Kontaktiere seine Familie , Angehörige .. sprich offen mit Ihnen darüber , dass er sehr wahrscheinlich rückfällig geworden ist. 

Ich wünsche dir und auch deinem (Ex-)Mann alles erdenklich Gute! Bin zwar kein extrem gläubiger Christ, aber möge Gott seine Hand über ihn halten.. 

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