Zu Risiken und Nebenwirkungen..

Zu Risiken und Nebenwirkungen... Günter Amendts »letztes Wort« über Drogen [von Lilian-Astrid Geese, Neues Deutschland 27.10.03] Ritalin für den kleinen Zappelphilipp, Prozac (in Deutschland: Fluctin) für den gestressten Manager, Valium für die Hausfrau unter Druck, Viagra gegen die Erektionsstörungen des alternden Mannes, Epo, damit die Radprofis bei der Tour de France Übermenschliches leisten können, Marinol (Dronabinol), die synthetische Form von Cannabis, als Heilmittel, Methadon für den substitutions- und therapiewilligen Junkie: Wir müssen uns von der Illusion einer drogenfreien Gesellschaft verabschieden, fordert Günter Amendt in seinem jüngsten Buch. In »No Drugs, No Future« diskutiert er, elf Jahre nach »Die Droge, der Staat, der Tod. Auf dem Weg in die Drogengesellschaft«, erneut die Frage der gesellschaftlichen Mechanismen und der Doppelmoral in der Drogenpolitik im Umgang mit erlaubten und verbotenen Betäubungs-, Aufputsch- und Rauschmitteln. Amendt hält all denen den Spiegel vor, die bei der Vorstellung legalisierter Heroinabgabe an Abhängige Schreikrämpfe bekommen, und Haschisch nach wie vor für eine Einstiegsdroge halten, sich aber nicht wirklich an den anpassungsfähigen Ecstasy-konsumierenden Ravern stören. Sag mir, welche Droge du nimmst, und ich sage dir, welcher Klasse du angehörst ­ und ob dein Drogengebrauch akzeptabel oder kriminell ist. Auch die fortschrittlichen Vertreter akzeptierender Drogenarbeit kommen nicht kritiklos davon. Sie müssen sich damit auseinandersetzen, dass sich heute auch die »law and order«-Politiker für Fixerstuben und Spritzenautomaten stark machen, die schlicht »saubere Innenstädte« ohne Beschaffungskriminalität und Prostitution wollen. Kein Grund für die seit Jahrzehnten um gesellschaftliche Anerkennung ringenden Drogenarbeiter, sich als »Hofnarren« der etablierten Gesellschaft zu fühlen, sagt Amendt. Schließlich geht es um Menschenleben. »Drogen im Zeitalter der Globalisierung« (Untertitel) haben auch eine internationale Dimension: Amendt erörtert die politisch-ökonomische Seite des Drogenproblems ­ das Volumen der »Branche« liegt bei acht Prozent des Welthandels. Er schreibt über den Zusammenhang von Drogen, Terror, Mafia und Waffenhandel in Asien (Afghanistan, Pakistan) und Südamerika (Kolumbien, Bolivien, Peru). Er diskutiert die Rolle der EU, das Tabak-Werbeverbot und die widersprüchliche Rolle der Medien. Auf knapp 200 Seiten fasst Amendt die Fakten und Argumente zusammen, die sein Plädoyer für eine »Drogenpolitik der praktischen Vernunft« stützen. Es soll sein »letztes Wort« zu diesem Thema sein, denn: »Es ist Alles gesagt.« Ein Grund mehr, sein schon fast als »handliches Kompendium« zu bezeichnendes Büchlein zu lesen. Denn man muss kein Pessimist sein, um zu befürchten, dass die Fragen nach der Logik des neoliberalen Modernisierungsprozesses, die Günter Amendt am Beispiel des so genannten Drogenproblems aufwirft, morgen noch nicht beantwortet sein werden. Günter Amendt: No Drugs ­ No Future. Drogen im Zeitalter der Globalisierung. Europa Verlag, Hamburg/Wien 2003. 206 Seiten, geb., 17,90 EUR. Copyright: © Neues Deutschland Website: http://www.neues-deutschland.de/ Online: https://www.neues-deutschland.de/artikel/43464.html  achso: ich poste diesen artikel hier weil er einfach auf die scoutssite gehört. ihr müsst aber mal dafür ne eigene rubrik dro-po oder so einrichten. da haben bestimmt ein paar leute was zu schreiben dazu. ciao und dank euch, c.

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