First-Pass-Effekt

ist die Grundeigenschaft des Stoffwechsels des menschlichen Organismus, alle oral aufgenommenen Wirkstoffe, wie Medikamente oder psychoaktive Substanzen, vom Verdauungskanal aus [die meisten Partydrogen z.B. im Dünndarm] zuerst in die Leber zu transportieren. In der Leber werden diese Wirkstoffe zu einem Großteil oder auch vollständig in andere chemische Verbindungen umgewandelt, bevor diese wieder in den Blutkreislauf abgegeben werden. Erst jetzt können die Stoffe an das Gehirn [Ort der Wirkung] weiter transportiert werden.

Bei nasaler oder intravenöser/intramuskulärer Applikation [Aufnahme durch die Nase oder Injektion in Ader/Muskelgewebe] wird der First-Pass-Effekt umgangen, die Bioverfügbarkeit der jeweiligen Substanz erhöht und der Eintritt ihrer Wirkung beschleunigt. So gelangt die Substanz praktisch augenblicklich und ohne Umweg über den Verdauungskanal in den Blutkreislauf. Die Bioverfügbarkeit bezeichnet den prozentualen Anteil des Wirkstoffs einer Substanzdosis, der unverändert im systemischen Kreislauf zur Verfügung steht.

Die Bioverfügbarkeit ist also eine Messgröße dafür, wie schnell und in welchem Umfang ein Arzneimittel oder eine andere psychoaktive Substanz resorbiert wird und am Wirkort zur Verfügung steht. Für die Wirkung einer Substanz, die geschluckt/gegessen wird, ist entscheidend, ob sie den Weg aus dem Darm über die Leber in den Blutkreislauf bis zum Wirkort unbeschadet übersteht oder nicht. Wird der wirksame Stoff während der ersten Leberpassage durch Umwandlung weitgehend inaktiviert, nennen PharmakologInnen das einen ausgeprägten "First-Pass-Effekt".
Einige psychoaktive Substanzen wirken nicht oder nur wenig, wenn sie oral konsumiert werden. Kokain wird beispielsweise durch den First-Pass-Effekt in der Leber zu einem Großteil [ca. 90% der Substanz] in eine Verbindung verstoffwechselt, die nicht psychoaktiv wirksam ist. Da der First-Pass-Effekt die Bioverfügbarkeit von Kokain soweit reduziert, dass eine Wirkung auf diesem Wege praktisch nicht oder nur sehr schwach eintreten kann, ist die orale Einnahme als Konsumform ungeeignet.