Kokain

Substanz

Kokain ist der Hauptwirkstoff verschiedener Cocastraucharten und ein starkes Stimulans.
Meist liegt es in kristalliner Form oder als weißes Pulver (Kokainhydrochlorid) vor. Es ist geruchlos, hat einen bitteren Geschmack und wirkt örtlich betäubend.
Andere Bezeichnungen sind z.B. Koks, Charly, Coke oder Schnee.

Der Wirkstoffgehalt der von saferparty in der Schweiz analysierten Proben war 2015 sehr unterschiedlich, betrug 2015 im Durchschnitt 71,7 %. In der BRD gab das BKA 2013 einen durchschnittlichen Wirkstoffgehalt von 61,3 % an. Auf dem Schwarzmarkt erhältliches Kokain enthält meist Streckstoffe, die eine höhere Reinheit vortäuschen bzw. eine stärkere oder verlängerte Wirkung hervorrufen (sollen). Typische nicht-psychoaktive Beimengungen sind Milchzucker, Stärke oder Zellulose. Das am häufigsten beigemischte psychoaktive Streckmittel war 2015 das Entwurmungsmittel Levamisol (in ¾ aller Proben!), weitere waren das Schmerzmittel Phenacetin sowie Medikamente zur örtlichen Betäubung (z.B. Lidocain), Koffein und das Anti-Allergiemittel Hydroxyzin.

Kokain wird meist gesnieft, seltener gespritzt oder chemisch aufbereitet als Base geraucht (Informationen zu Crack/Freebase findest Du hier).


Wirkung

Die Wirkung ist u. a. abhängig von der Dosis, der Konsumform, dem Wirkstoffgehalt, der Konsumhäufigkeit, eventuell enthaltenen Streckstoffen sowie von Set (psychische und körperliche Verfassung, Gewöhnungseffekte) und Setting (Umfeld) der konsumierenden Person.

Dosierung
Eine genaue Dosierung ist auf Grund des stark schwankenden Wirkstoffgehalts und fehlender Möglichkeiten zum Drug Checking in der BRD schwierig.
Mittlere Dosis beim Sniefen von reinem Kokain: 0,5 – 0,8 mg pro kg Körpergewicht; bei einer 75 kg schweren Person entspricht das 37,5 – 60 mg. Gewöhnte User_innen dosieren jedoch oft deutlich höher.
Bei intravenösem Konsum sollte deutlich niedriger dosiert werden (Anfangsdosis: nicht mehr als 10 mg)!

Wirkdauer
Beim Sniefen: Wirkungseintritt nach 2 – 3 min, Wirkdauer 30 – 60 min, zum Teil auch länger
Beim Spritzen: Wirkungseintritt innerhalb von Sekunden, die Wirkdauer liegt bei etwa 5 – 20 min, bei Dauer-User_innen ist sie kürzer.

Wirkungsspektrum
Kokain erhöht die Konzentration der Botenstoffe Noradrenalin, Serotonin und vor allem Dopamin im synaptischen Spalt zwischen den Nervenzellen im Gehirn, indem es deren Wiederaufnahme in die Nervenzellen hemmt. Eine erhöhte Dopaminkonzentration bewirkt u.a., dass bestimmte Tätigkeiten und Ereignisse mit Belohnungsgefühlen verknüpft werden, so dass man diese wiederholen möchte.
Es kommt zu einer Beschleunigung des Stoffwechsels und der Atmung, der Puls wird schneller, Blutdruck und Körpertemperatur steigen an, die Pupillen sind erweitert, Hunger, Durst und Müdigkeit werden unterdrückt und das Schmerzempfinden vermindert.
Dies zeigt sich in erhöhter Konzentration, Aufmerksamkeit, „athletic performance“, gesteigertem Bewegungs- und Rededrang (»Laber-Flash«).
Euphorie, stark gesteigertes Selbstvertrauen, Ausgelassenheit, Wegfall von Hemmungen und Ängsten, Gefühl der Stärke, erhöhte Risikobereitschaft und Abnahme der (Selbst) Kritikfähigkeit sind möglich.
Viele User_innen berichten von starkem sexuellen Verlangen sowie von großem Lustempfinden beim Sex, jedoch sind auch verminderte Lust/vermindertes Begehren und Erektionsstörungen möglich.

Nachweis

Nachweiszeiten sind u. a. von der Konsumhäufigkeit und -menge, der Geschwindigkeit des Stoffwechsels, von der Konzentration des Urins sowie vom Testverfahren abhängig. Die folgenden Werte dienen daher nur zur Orientierung.

Nach der letzten Einnahme im Blut / Serum: Kokain 6 – 24 h, Abbauprodukt Benzoylecgonin 2 – 3 Tage
Nach der letzten Einnahme im Urin: Kokain einige Stunden, Abbauprodukt Benzoylecgonin bis zu 4 Tage, bei häufigem Konsum 15 – 22 Tage

Kurzzeitnebenwirkungen

Durch den Anstieg der Herzschlagfolge, die Verengung der Blutgefäße, den (stark) erhöhten Blutdruck sowie den höheren Sauerstoffbedarf des Herzens wird das Herz-Kreislaufsystem sehr belastet.
Außerdem kann Kokain Verkrampfungen der Herzkranzgefäße auslösen, was zusätzlich zu einer geringeren Durchblutung von Teilen des Herzens, einer geringeren Sauerstoffversorgung und dadurch zu einem Absterben von Herzmuskelgewebe führen kann. Es besteht somit ein erhöhtes Risiko, eine Angina Pectoris oder einen Herzinfarkt zu erleiden.
Typische Symptome einer Angina Pectoris sind plötzlich auftretende Brustschmerzen, ein Druck- oder Engegefühl über dem Brustkorb sowie in die linke Körperhälfte ausstrahlende Schmerzen.

Mögliche psychische Nebenwirkungen sind Unsicherheit, Angst, Störungen im Denkablauf, innere Unruhe, gesteigerte Aggressivität. Weiterhin kann es durch konsumbedingten Schlafmangel zu Angstzuständen, Verfolgungswahn, Desorientierung und Sinnestäuschungen kommen.

Bei einer Überdosierung kann es zu Übelkeit/Erbrechen, Koordinationsstörungen, leichten Krämpfen und Zittern, starkem Anstieg der Körpertemperatur, Herzrhythmusstörungen, Angstzuständen bis hin zu paranoiden Anfällen, depressiven Verstimmungen und Wahnvorstellungen kommen. Eine Überdosis kann zum Tod durch Atemlähmung führen.

Nach dem Konsum bzw. Abklingen der Wirkung sind körperliche und psychische Erschöpfung, Niedergeschlagenheit und depressive Verstimmungen möglich.

User*innen berichten von einem hohen Drang, nachzulegen, um den unangenehmen Gefühlen beim Runterkommen zu begegnen.

Langzeitnebenwirkungen

Bei häufigem Kokainkonsum über einen längeren Zeitraum können sich die Nebenwirkungen verstärken.

Das psychische Verlangen nach der Substanzwirkung (»Craving«) wird als sehr stark beschrieben. Es kann auch nach längerer Abstinenz wieder auftreten und durch bestimmte Trigger (Personen, Orte, Situationen) ausgelöst werden. Das Risiko, eine psychische Abhängigkeit zu entwickeln, ist daher sehr hoch.

Auch bei jungen Menschen besteht durch permanenten Bluthochdruck, ständige Gefäßverengung, Verkrampfung der Herzgefäße und die somit starke Belastung des Herzens ein erhöhtes Risiko von Herzrhythmusstörungen und Herzinfarkt.

Außerdem sind Veränderungen des Denk-Bewegungs-Ablaufs (nervöse Zuckungen, gesteigerte Aktivität), Zittern, Krampfanfälle, Schädigungen an Zähnen, Nerven, Blutgefäßen, Leber und Nieren (v.a. durch Streckmittel) möglich.

Auf Grund der Schwächung des Körperabwehrsystems bei mangelnder Zufuhr von Mineralstoffen/Vitaminen besteht eine erhöhte Infektionsanfälligkeit. Gewichtsverlust als Folge des verminderten Hungergefühls ist möglich. Sexuelle Funktionsstörungen können auftreten.

Beim Sniefen werden Nasenschleimhaut und Nasenscheidewand stark angegriffen; häufiges Nasenbluten und eine starke Beeinträchtigung bis zum Verlust des Geruchssinnes sind möglich. Außerdem kann es zu chronischen Entzündungen sowie in extremen Fällen zu einer Durchlöcherung der Nasenscheidewand kommen.

Mögliche psychische Langzeitbegleiterscheinungen sind z. B. Gereiztheit, starke Stimmungsschwankungen, Depressionen, Wahnvorstellungen, »Kokainhalluzinationen« (»Tiere unter der Haut«) und starke Veränderungen der Persönlichkeit.
Wissenschaftlich diskutiert werden bleibende Störungen des Kurzzeitgedächtnisses bzw. intellektueller Fähigkeiten.

Wechselwirkungen

Grundsätzlich: Die Risiken beim Mischkonsum sind höher als beim Monokonsum; Körper und Psyche werden stärker belastet. Einzelne Substanzwirkungen können verstärkt oder geschwächt werden; unerwartete Effekte können auftreten und Wechselwirkungen zeitverzögert eintreten.

Kokain + Alkohol: Solange die Kokainwirkung anhält, spürst Du die Alkoholwirkung kaum und kannst die getrunkene Menge schwer einschätzen – eine Alkoholvergiftung ist leicht möglich. Große Belastung für Leber und Niere; die Kombination trocknet den Körper aus und kann zu einem Wärmestau bzw. zu Überhitzung führen.

Kokain + Nikotin: führt zu Gefäßverengung – ein Schlaganfall ist möglich.

Kokain + andere Stimulanzien (Speed, Koffein/Energy Drinks) sind eine hohe Belastung für das Herz-Kreislauf-System. Gereiztheit, Überspanntheit, Zittern, Herzrasen, Überhitzung, Kreislaufkollaps und Herzstillstand sind möglich.

Kokain + Ecstasy (MDMA): Koks mindert die »typische« Ecstasywirkung. Dies kann schnelleres Nachlegen und dadurch eine MDMA-Überdosierung zur Folge haben. Die stimulierende Wirkung beider Substanzen bleibt erhalten, was zu einer starken Belastung des Herz-Kreislaufsystems führt. Durch hohen Flüssigkeitsverlust ist eine Überhitzung möglich. Die Kombination kann zu innerer Zerrissenheit und Ziellosigkeit führen, aber auch einen harmonischen Effekt haben; gutes Set und Setting sind besonders wichtig.

Kokain + Cannabis: hohe Kreislaufbelastung. Diese Kombination kann Angst- oder Panikzustände fördern. Der dauerhafte Konsum erhöht das Risiko, eine Psychose und/oder Angsterkrankung zu entwickeln.

Kokain + MAO-Hemmer, Sympathomimetika, Betablocker und trizyklische Antidepressiva: exzessive Blutdrucksteigerung und damit lebensgefährliche Zustände möglich.

Informationen zu Wechselwirkungen von Kokain und HIV-Medikamenten findest Du auf www.hiv-drogen.de

Safer Use

Risikofreien Konsum gibt es nicht! Die Anwendung von Safer-Use-Regeln kann jedoch helfen, Risiken zu minimieren:

(Sehr) jungen Menschen raten wir vom Kokainkonsum ab. Je früher Du mit dem Konsum beginnst, desto höher ist das Risiko von Entwicklungsbeeinträchtigungen bzw. andauernden Nach- und Nebenwirkungen.

Menschen mit folgenden psychischen oder körperlichen Erkrankungen sollten kein Kokain konsumieren: Depressionen, Angst- und Panikerkrankungen, Schizophrenie, Herz-Kreislauf-Probleme, Bluthochdruck, Epilepsie, Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes, Asthma, Leber- und Nierenerkrankungen. Auch bei hier nicht aufgeführten Krankheiten können gesundheitliche Risiken bestehen.

Kauf möglichst nicht bei Dir unbekannten Personen. Nutze nach Möglichkeit »Drug Checking« (Substanzanalysen oder Schnelltests). Ohne Drug Checking weißt Du fast nie, wie hoch der tatsächliche Wirkstoffgehalt ist – deshalb erstmal mit einer niedrigen Dosis antesten.
Übrigens: Mit dem Finger und der Zunge/dem Zahnfleisch anzutesten, ob das Koks gut ist, hat keinen Sinn, da auch andere lokale Anästhetika wie Lidocain enthalten sein können.

Pass die Dosis auch Deinem Körpergewicht an.
Oft kannst Du nicht mit bloßem Auge erkennen, welche Substanz als Line vor Dir liegt. Wenn Dir etwas angeboten wird, frag, um welche Substanz es sich handelt.

Kokain entzieht Deinem Körper wichtige Mineralstoffe und Vitamine; trink deshalb immer genügend vitaminreiche Fruchtsäfte und iss frisches Obst, Gemüse und Nüsse.

Kokainkonsum führt bei vielen User*innen zu einer verstärkten Gesichtsmotorik (»Kau-Flash«, Zähneknirschen). Ein Kaugummi kann helfen, Zähne, Zahnfleisch und Wangen zu schonen, gegen (Kau-) Muskelkater hilft das allerdings nicht. Einige User*innen empfehlen Magnesium und Kalzium zur Muskelentspannung.

Ruhepausen während des Konsums einlegen, um Überhitzung und Überanstrengung zu vermeiden. Beim Tanzen im Club: Gönn Dir auch mal eine Pause und geh an die frische Luft!

Durch Kokainkonsum kann es passieren, dass Du enthemmter bist und Dich selbst überschätzt. Tu deshalb möglichst nichts, womit Du Dich und andere in Gefahr bringen kannst.
Auch wenn Du Dich fit und wach fühlst: Nicht Auto fahren!

Versuche den unangenehmen Gefühlen beim Runterkommen nicht durch weiteres Nachlegen zu begegnen.

Beachte die folgenden Tipps beim Ziehen:
Zerkleinere das Pulver bzw. die Kristalle so fein wie möglich, achte auf eine saubere Unterlage. Benutze immer Dein eigenes, sauberes Röhrchen – am besten eins mit stumpfen oder abgerundeten Rändern. So beugst Du Infektionen wie Herpes und Hepatitis vor. Weitere wichtige Hinweise gibt es hier.

Beim Spritzen niedriger als beim Sniefen dosieren! Nutze immer nur Dein eigenes, möglichst steriles Spritzbesteck, um Infektionen (Hepatitis, HIV, bakterielle Endokarditis = Entzündungen der Herzinnenhaut und der Herzklappen) und Abszesse zu vermeiden. Achtung: Beim Spritzen von mit Lidocain oder Tetracain versetzem Koks besteht Lebensgefahr!

Achte darauf, dass Kokainkonsum nicht zur Gewohnheit wird und Deinen Alltag bestimmt. Hinweise dazu findest Du im Faltblatt »Konsumreflexion« und hier.

Wenn Du Deinen Konsum verändern willst, beenden möchtest oder einfach nur Fragen hast, scheu Dich nicht, eine Einrichtung Deiner Wahl zu kontaktieren!

Verhütung / Schwangerschaft / Stillzeit

Wirkt der Konsum sexuell stimulierend, werden Risiken beim ungeschützten Verkehr eventuell nicht mehr ernst genommen. Kondome und Lecktücher schützen vor Ansteckung mit HIV und anderen Krankheitserregern.

Kokainkonsum kann eine Veränderung des Hormonhaushalts bewirken. D.h. Menstruationsbeschwerden können verstärkt und der Monatszyklus gestört werden (unregelmäßige oder ausbleibende Periode). Eine Schwangerschaft ist dennoch möglich.

Konsumierst Du häufig Kokain und nimmst eine Anti-Baby-Pille ein: Durch den angeregten Stoffwechsel können die Wirkstoffe der Pille schneller abgebaut werden. Bei Erbrechen oder Durchfall innerhalb von 4 Stunden nach der Pilleneinnahme gelangt evtl. zu wenig von ihren Wirkstoffen in den Blutkreislauf. Möglicherweise vergisst Du die Pille regelmäßig einzunehmen. Aus all diesen Gründen ist die empfängnisverhütende Wirkung der Pille nicht gewährleistet.
DESHALB: mit Kondomen oder anderen nicht-hormonellen Verhütungsmitteln vor einer ungewollten Schwangerschaft schützen!

Kokain geht während der Schwangerschaft über die Plazenta in den Organismus des ungeborenen Kindes über. Die (Neben-) Wirkungen des Kokainkonsums können zu einer frühzeitigen Plazentaablösung, zu Fehl- und Frühgeburten oder zu einer Mangelversorgung des Fötus führen. Vielfältige körperliche und psychische Entwicklungsstörungen sind möglich.
Eine zusätzliche Belastung können konsumbedingter unausgeglichener Schlaf-/ Wachrhythmus oder eine nicht ausreichende Versorgung mit Flüssigkeit und Nährstoffen sein.
Um jedes gesundheitliche Risiko für Dich und Dein Kind auszuschließen, verzichte während der Schwangerschaft auf den Konsum!

Kokain gelangt auch über die Muttermilch in den Organismus des Kindes. Verzichte auch hier auf den Konsum.

Stand der Informationen: November 2016

 

Erfahrungsberichte

Hier findest Du Erfahrungsberichte von Kokain Konsument_innen.

Quellen/Infos

Infos von saferparty.ch zu Kokain-Streckmitteln 2015

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Haftungsausschluss: 

Diese Informationen sind keine Anleitung oder Motivierung zum Drogenkonsum! Kokain ist in Anlage II & III des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) aufgeführt und gehört somit zu den nicht verkehrsfähigen Betäubungsmitteln. Jeder Umgang wie unbefugter Besitz, Erwerb und Handel sind strafbar!
Dieser Text wurde nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Dennoch können Irrtümer nicht ausgeschlossen werden. Die Drug Scouts übernehmen keine Haftung für Schäden, die durch irgendeine Art der Nutzung der Informationen dieses Textes entstehen.