Piercing

(engl.: Durchstechen) ist das Anbringen von Schmuck an verschiedenen Stellen des menschlichen Körpers, bei dem Ringe oder Stifte (Studs, Barbells) durch die Haut und das darunter liegende Fett- oder Knorpelgewebe gezogen werden. Piercings werden heutzutage mit Venen-Verweilkanülen (für intravenöse Infusionen vorgesehene Kanülen, werden als Piercingnadeln verwendet) oder Biopsiehohlnadeln (Nadeln zur Gewebeprobenentnahme, werden für Punchings benutzt) gestochen. Als Schmuckmaterial geeignet ist 750er Gold, Platin, Niob, Titan, PTFE oder medizinischer Edelstahl. Auch Holz- und Hornmaterialien finden Verwendung.

Motive

Motive für Piercings sind in der westlichen Welt vor allem der Abgrenzungs- und Verwirklichungswunsch der eigenen Individualität. Bei Genitalpiercings und Piercings im Mund- und Lippenbereich werden als Motive oft auch Empfindungsänderungen und -verstärkungen angegeben. In Indien gilt Piercing als Schmuck, den fast jede Frau und jedes Mädchen trägt. Bei naturbezogenen Stämmen und Völkern wurde und wird Körperschmuck sehr stark mit Traditionen und Ausdrucksriten verbunden. 

Von dort stammen auch die in Piercingkreisen immer beliebteren "Fleshtunnel". Dabei werden die Piercinglöcher nach und nach mit einer Dehnsichel (sichelförmiges Stück Metall, Durchmesser wächst von der einen auf die andere Seite) geweitet oder durch Punching (=Ausstanzen) ein Loch ausgestanzt. Diese Methode findet vor allem beim Stechen von Ohrlöchern Anwendung.

Vor dem Piercen

  • gut essen
  • reichlich trinken (kein Kaffee o.ä.), am besten Wasser oder Fruchtsaftschorle
  • keine Schmerzmittel, die Acetylsalicylsäure enthalten, wie z.B. Aspirin, ASS 500 o.ä., diese erhöhen die Blutungsneigung [erhöhte Bereitschaft des Organismus zu Blutungen bzw. erschwerte Blutungsstillung]
  • keine psychoaktiven Substanzen konsumieren, da dies die Wundheilung behindern könnte

Zur Durchführung

Da generell beim Stechen eines Piercings eine offene Wunde erzeugt wird, besteht Infektionsgefahr (möglich mit Eitererregern, Tetanus, abszessbildenden Erregern etc.). Deshalb sind nicht nur beim Piercingvorgang selbst sterile Bedingungen notwendig (Feld der Einstichstelle großzügig desinfizieren; Handschuhe, Piercingutensilien und der Schmuck müssen steril sein). Aufgrund der notwendigen sterilen Vorgehensweise und der Gefahr von Lähmungen durch das Treffen eines Nervs sollten Piercings nur von Personen mit gutem medizinischen Wissen und einer Piercing-Ausbildung durchgeführt werden. Einige professionelle Tattoo- & Piercingstudios bieten dazu Seminare an.

Für den Ersteinsatz sollte sterilisiertes Titan, Niob oder PTFE-Kunststoff verwendet werden (wie es der Gesetzgeber in der EU-Richtlinie 2004/96/EG vorschreibt), da auf diese Materialien bisher keine Allergien bekannt sind.
Der Nickelgehalt aller Schmuckmaterialien muss unter 0,05% der Gesamtmasse liegen, damit diese körperverträglich sind. Bei einer bestehenden Nickelallergie sind nickelfreie Materialien zu verwenden.

Risiken

Wird das Piercing nicht fachgerecht vorgenommen, kann es zu Komplikationen kommen: Piercings durch den Ohrknorpel führen leicht zu Entzündungen. Beim Augenbrauenpiercing und beim Nasenflügelpiercing könnten Ausläufer des Trigeminusnervs getroffen werden. Dadurch besteht die Gefahr, dass Teile der Gesichtsmuskulatur gelähmt werden. 

Bei allen Formen des Piercings kann es zu lokalen Schwellungen kommen, die meist nach einer Weile abklingen. Bei jedem Piercing kann die Abheilungsphase bis zu einem halben Jahr dauern. Weiterhin können Piercings mit viel Pech natürlich ausreißen, sowie sich durch das Fleisch schneiden (vor allem im Genitalbereich), indem sie herauswachsen (Käseschneidereffekt). Ob die dadurch entstehenden Narben, Löcher oder Schlitze wieder komplett verheilen oder dauerhaft bleiben, ist von der Stelle des Piercings abhängig, also von der Art des Körpergewebes, durch das gestochen wurde. Vor allem im Ohr- und Lippenbereich kann es vorkommen, dass die Löcher auch nach der Entfernung des Piercings nicht wieder verheilen, oder dass Narben zurückbleiben.

Personen mit genetisch oder krankheitsbedingten Wundheilungsstörungen (z.B. bei Diabetes, Hämophilie [Bluterkrankheit], Durchblutungsstörungen, Erkrankungen des Immunssystems etc.) ist generell von einem Piercing abzuraten, da unklar ist, ob die Wunde jemals abheilen würde und eine stark erhöhte Infektionsgefahr besteht.

Nach dem Piercen

Die Einstichstelle während der Heilungsphase gut pflegen, um die Abheilung zu fördern (Wund-und-Heilsalbe verwenden); wegen der Infektionsgefahr niemals mit ungewaschenen Händen an ein frisches (neues) Piercing fassen. 

Für die Abheilung eines Piercings im Mund und Lippenbereich ist es sehr heilungsförderlich, während der ersten Woche auf folgendes zu verzichten:

  • Rohmilchprodukte wie Joghurt, Käse, Quark, Milch usw.
  • Fruchtsäfte, Früchte
  • Hefe, Hefeprodukte
  • Laugengebäck
  • Oralsex, auch kein Knutschen
  • scharfe oder saure Speisen
  • Rauchen (mind. 3 Tage)

Das Zungenpiercing sollte besonders aufmerksam gepflegt werden, solange die Zunge noch geschwollen ist. Dazu mehrmals täglich der Mund mit einem antibakteriellen Mundwasser spülen. Ab und zu einen Eiswürfel lutschen, das hält die Schwellung in Grenzen. Wenn die Eiswürfel aus Kamillentee hergestellt sind, hat dies eine zusätzliche heilungsfördernde Wirkung. Bei größeren Schmerzen sind Lutschtabletten oder Mundspülungen aus der Apotheke zu empfehlen, die eine schleimhautbetäubende Wirkung haben, gleichzeitig desinfizieren und die Schleimhaut etwas abschwellen lassen.

Beim Intimpiercing ist Sauberkeit ein absolutes Muss. Die Pflege ist ähnlich der des Hautpiercings. Da jedoch die Schleimhäute empfindlicher auf Desinfektionsmittel reagieren, ist es ratsam schonendere Alternativen zu verwenden (Wasserstoffperoxyd in 3%iger Lösung o.ä. aus der Apotheke). Auch eine Behandlung mit Eigenurin hat sich bewährt.

Da Haut- und Knorpelpiercings schnell verkrusten, sind diese in den ersten Wochen zwei- bis dreimal täglich zu pflegen. Dazu zuerst die Hände gründlich waschen oder desinfizieren (mit Arztseife oder Hautdesinfektionsmittel aus der Apotheke). Danach die gepiercte Stelle mit Wasser einweichen, damit sich die Verkrustungen mit einem nassen Wattestäbchen leichter entfernen lassen (dabei äußerst vorsichtig vorgehen, damit das abheilende Gewebe nicht verletzt wird). Dann etwas Kochsalzlösung oder Kamillosan auf die beiden Einstichstellen auftragen und den Schmuck mehrmals in beide Richtungen bewegen, damit das Mittel seine Wirkung entfalten kann.

Hier gilt: je weniger, desto besser. Bei einem Pflegemittel bleiben und nicht ständig wechseln, weil sich der Körper sonst nicht auf das Mittel einstellen kann.