tätowieren [safer use]

1. Motivwahl

Denk daran: Dein Tattoo nimmst Du mit ins Grab! Wähle Dir Dein Motiv also gut aus. Und: Auch wenn Tattoos mittlerweile akzeptiert sind, heißt das noch lange nicht, dass Dein zukünftiger Chef Deine Finger-, Hand,- oder Halstattoos besonders schick findet... Es ist also manchmal von Vorteil, wenn man ein Tattoo auch verdecken kann.

Sicher kann man mittlerweile Tätowierungen mittels Laser entfernen, nur ist dies nicht nur sehr kostenintensiv, sondern es bleiben in den meisten Fällen Narben zurück oder die Haut ist anders pigmentiert. Für großflächige Bilder ist diese Technik schlichtweg ungeeignet. Es ist auch nicht absehbar, dass sich daran etwas ändert. Denkst Du bei der Motivwahl bereits an den Laser, könnte es sein, dass Tätowierungen nicht unbedingt Deine Sache sind.
Und: Es gibt keine "Biotattoos" oder "Temptoos", die nach ein paar Jahren wieder verschwinden. Wer so etwas erzählt, erzählt Humbug! Ein Tattoo bleibt für immer.

Ein Motiv, egal welcher Stilistik, kommt am besten zur Geltung, wenn es gut "lesbar" ist, d.h. nicht zu klein ist. Man sollte schon aus einer gewissen Entfernung den "Kern" wahrnehmen können. Zu kleine Tattoos verschwimmen mit der Zeit oder wie man in den Staaten sagt: It is bold, it will hold!

2. Von wem tätowieren lassen?

Tattoostudios schießen wie Pilze aus dem Boden. Wie also das richtige finden? Dafür gibt es ein paar Tipps und Regeln.
Schau Dir ein paar Studios an. Du musst nicht das Erstbeste nehmen. Achte auf Sauberkeit! Sieht der Vorraum schon keimig aus, kann man davon ausgehen, dass
nicht unbedingt auf Hygiene geachtet wird.
Rede mit den TätowiererInnen! Es ist vielleicht nicht unbedingt notwendig, aber schöner ist es allemal, wenn er/sie Dir sympathisch ist. Dann kommst Du auch besser mit ihm/ihr klar, wenn ihr später das Motiv besprecht.

Lass Dir Fotos zeigen! Gute TätowiererInnen haben Fotomappen mit ihren Arbeiten ausliegen. Schau, ob es sich um echte Fotos von ihm/ihr handelt oder etwa um aus dem Netz geladene. Das ist nicht so einfach, aber oft sind Fotos aus dem Internet wegen der Komprimierung nicht so plastisch. Manche sind sogar so dreist und haben aus Zeitungen ausgeschnittene Bilder in ihren Alben. Vertraue Deinem Gefühl. Und lass Dich nicht von Pokalen täuschen! Tattoo-Conventions gibt es mittlerweile auf jedem Dorf.

Du kannst Dir auch den Arbeitsraum zeigen lassen. Achte auch dort auf Sauberkeit!
Im Idealfall hast Du ein paar tätowierte FreundInnen, die Dir den/die TätowiererIn ihres Vertrauens empfehlen können. Vertrau aber nicht blindlings!

Sprich mit dem/der TätowiererIn über das geplante Motiv und über Deine Vorstellungen! Nicht alles ist umsetzbar. Hör dem/der TätowiererIn zu. Sie können Dir mit ihrer Erfahrung auch helfen, Dein Motiv auf Dich zuzuschneiden. Das heißt nicht, dass Du Dir einen Drachen aufschwatzen lassen sollst, wenn Du eine Rose willst! Ein/e gute/r TätowiererIn wird Dich auch zu einem/einer KollegIn "überweisen", wenn er/sie meint, dass dieser/diese besser dafür geeignet wäre. So gibt es KünstlerInnen, die sich Porträts verschrieben haben oder japanischen Tätowierungen. Vielleicht musst Du etwas mehr Geld und Zeit investieren; in den meisten Fällen wird sich das aber auch lohnen.

3. Was kostet ein Tattoo?

Das kann man so genau nicht beantworten. Qualität hat ihren Preis. Hygienebestimmungen einzuhalten, gute Farben und Maschinen, Studiounterhalt usw. kosten Geld. Manche TätowiererInnen lassen sich das Motiv bezahlen, arbeiten also gegen Festpreis, manche haben Sitzungspreise, andere nehmen Stundenpreise. Auch wenn sie auf Stundenbasis oder Sitzungspreis arbeiten, sollten sie Dir den Preis des fertigen Tattoos sagen können. Aber: der Preis sollte nicht primär sein und das Motiv bestimmen! Große Projekte brauchen sowieso mehrere Sitzungen, die Du auch separat bezahlst. So kannst Du nach und nach auch einen kompletten Sleeve (also einen komplett zu tätowierten Arm) oder ein großes Backpiece (ein ausladendes, den Rücken überspannendes Bild) machen lassen, ohne gleich Deinen Bausparvertrag kündigen zu müssen.

In vielen Studios ist es Gang und Gäbe, einen Termin anzuzahlen, 50 € sind üblich, mehr sollte es nicht unbedingt sein. Die Anzahlung sollte aber auch nicht verfallen: teile es dem Studio am Besten rechtzeitig mit, wenn Du den Termin mal nicht wahrnehmen kannst.
Viele TätowiererInnen mögen es nicht, wenn man sie als Erstes nach dem Preis fragt, was nichts damit zu tun hat, dass sie ihre Kundschaft abrippen wollen. Vielmehr nehmen sie ihre Arbeit sehr ernst und sehen sich nicht als DienstleisterInnen, die man auf den Preis reduziert. Sprich also das Finanzielle erst an, wenn Ihr Euch schon ein wenig unterhalten habt und vor allem, wenn Du eine klare Motivvorstellung hast!

4. Hygiene

Beim Tätowieren und beim Heilungsprozess besteht Infektionsgefahr!!! Durch das Tätowieren wird die oberste Hautschicht mit vielen kleinen Einstichen verletzt. Das fertige Tattoo ist dann wie eine große Schürfwunde, natürlich viel sauberer und nicht so tief.
Es besteht also das Risiko, sich mit Hepatitis A, B, C, HIV oder anderen Erregern zu infizieren. Um ganz sicher zu gehen, kannst Du Dich natürlich vorher gegen Hep A und B impfen lassen.

Achte auf Sauberkeit! Ein Tattoostudio ist zwar keine Arztpraxis, aber der Arbeitsplatz an sich sollte sauber und aufgeräumt sein und den hygienischen Bedingungen einer Arztpraxis entsprechen.

Die Farben befinden sich in Mehrwegampullen, die nicht direkt auf der Arbeitsfläche stehen sollten. Die Ampullen sollten sauber, also nicht mit Farbresten etc. verschmutzt sein.
Sobald der/die TätowierIn anfängt zu arbeiten - also auch beim Aufbau -, sollte er/sie Einweg-Latexhandschuhe tragen!

Aufbau heißt, den Arbeitsplatz vorzubereiten. Das läuft meist folgendermaßen ab. Da die meisten TätowiererInnen den Bereich nach dem Arbeiten mit Flächendesinfektionsmittel behandeln, ist es normal, dass er/sie das nicht vor dem Arbeiten macht.

Griffstücke (Maschinenteil) und Nadeln sollten bis zur Sitzung eingeschweißt sein! Der Zusammenbau sollte beim Vorbereiten geschehen. Die Maschine an sich muss nicht verschweißt sein, ist es aber in den meisten Fällen. Das Kabel sollte mit Einwegfolie umwickelt sein. Auch die Arbeitsfläche und Teile des Stuhls (Armlehne) auf dem Du sitzen wirst, sollte mit Folie eingewickelt werden.

Die Farben, die er/sie zum Tätowieren braucht, werden aus den Ampullen in kleine Einwegbecher gefüllt. Diese sehen aus wie kleine Fingerhüte. Die Ampullen sollten die Becherchen beim Umfüllen nicht berühren! Zum Verdünnen der Farbe sollte ausschließlich destilliertes Wasser benutzt werden. Die Becher werden meist mit Vaseline auf die Folie/Arbeitsfläche geklebt.

Die Stelle Deines Körpers, die tätowiert wird, wird mit einem Einwegrasierer rasiert. Das ist ganz wichtig, da Haare Horn sind und immer Talg an ihnen haftet. Somit sind sie potenzielle Infektionsquellen! Danach wird die Haut mit einem Hautdesinfektionsmittel desinfiziert!
Macht der/die TätowiererIn zwischendurch etwas Anderes, muss er/sie immer NEUE Handschuhe nehmen, auch wenn er/sie nur telefoniert!!! Zum Rauchen etc. sollten Pausen eingelegt werden.
Oben wurde schon Vaseline erwähnt. Er/sie wird auch Vaseline auf Deine Haut geben, damit die Nadel einfacher darüber rutscht. Das ist normal! Er/sie sollte diese aber entweder aus einem Spender nehmen oder mit Einweghölzchen aus dem Töpfchen, auch wenn er die Becherchen aufklebt. Man könnte nun meinen, die Vaseline ist für die Handschuhe ähnlich gefährlich wie für Kondome. Dies ist aber nicht der Fall. Handschuhe sind viel dicker und widerstandsfähiger als Präservative.

5. Voraussetzungen

Wenn Du Dich tätowieren lassen möchtest, solltest Du volljährig sein. Falls Du noch minderjährig bist, brauchst Du eine Einverständniserklärung von beiden Erziehungsberechtigten bzw. kannst Du beide auch mit ins Studio bringen, um dort alles zu klären. Aber es gibt auch Studios, die trotz der Einverständniserklärung keine Termine an Minderjährige vergeben. Falls das passiert, hast Du die Möglichkeit, Dir entweder ein anderes Studio zu suchen oder zu warten, bis Du volljährig bist. Hast Du Allergien oder Hautkrankheiten wie Neurodermitis, teile das dem Tätowierer/der Tätowiererin vorher mit, damit Ihr beraten könnt, ob das gewählte Motiv überhaupt umsetzbar ist oder nur auf eine andere Körperstelle sollte bzw. andere Farben verwendet werden müssen. Des Weiteren dürfen Muttermale und Leberflecken nicht tätowiert werden. Ob Narbengewebe tätowiert werden kann, muss von Fall zu Fall besprochen und dann entschieden werden.

Hast Du die Voraussetzungen erfüllt, das Studio Deiner Wahl und Dein Motiv gefunden, kann es auch schon losgehen. Hier ein paar Tipps!

Ausreichend Schlaf. Ist Dein Körper ausgeruht, wird Dir das Tätowieren wesentlich angenehmer erscheinen.
Ausgewogene Ernährung. Iss vorher gut, um ausreichend Energie zu haben. Zwar sitzt oder liegst Du die ganze Zeit, aber tätowiert zu werden, ist eine körperlich anstrengende Sache.
Achte darauf, dass Du genug trinkst! Dein Körper sollte ausreichend mit Flüssigkeit versorgt werden. Dazu eignet sich am besten Wasser.
Ungünstig sind Alkohol, auch Restalk, und blutverdünnende Medikamente wie Aspirin, weil Du dann stärker blutest. Weitere Infos, auch zu illegalisierten Substanzen, findest Du unter 7. Substanzen und Tätowierungen. Verzichte vor Deinem Termin auf Solarium, denn das ist Stress für Deine Haut und erschwert dem/der TätowiererIn die Arbeit.

6. After Care/Pflege

Ein frisch gestochenes Tattoo braucht Pflege, um nicht zu vernarben.
Direkt nach dem Stechen wird der/die TätowiererIn ein wenig panthenolhaltige Salbe oder spezielle Tattoosalbe auf das Tattoo geben und es mit Frischhaltefolie abdecken. So ist es vor Außeneinwirkung geschützt und kann sich erstmal beruhigen.
Diese Folie sollte dann ein paar Stunden draufbleiben.
Unter der Folie sammelt sich Wundflüssigkeit und Farbe. Nach dem Entfernen der Folie: Tattoo vorsichtig mit lauwarmem Wasser waschen. Dazu kannst Du auch pH-hautneutrale, milde Waschgels nehmen, die für Wundversorgung gedacht sind (gibt es in der Apotheke). Die Stelle vorsichtig tupfend abtrocken. Auf gar keinen Fall reiben!
Ist die Stelle trocken, cremst Du sie mit einer Wund- und Heilsalbe (Panthenolsalbe), die mindestens 5% Dexpanthenol enthält, schön flächig ein. Solche Salben gibt es in der Apotheke von verschiedenen Anbietern. 100g kosten zwischen 5 und 12 Euro. In manchen Studios erhältst Du eine Tattoosalbe dazu, aber das ist kein Standard.

Viele Studios bieten diese Salben auch zum Verkauf an. Melkfett oder Vaseline eignen sich dafür nicht, da sie eine Art Film über die Haut ziehen und so die Haut am Atmen hindern. So kann es auch zur Bildung von Pickeln kommen, was man während des Heilungsprozesses eigentlich vermeiden will. Bis auf den Schutz vor bestimmten äußeren Umwelteinflüssen haben sie auch keine weitere Wirkung, die den Heilungsprozess unterstützt. Ebensowenig eignen sich andere Hautcremes, insbesondere Penatencreme.
Es gibt unterschiedliche Meinungen, ob man nach dieser "Erstversorgung" nun das Tattoo wieder mit frischer Folie abdecken sollte. Notwendig ist es nicht unbedingt, schädlich aber auch nicht. Günstig ist es, das Tattoo nochmals über Nacht abzudecken, wenn es sehr flächig ist oder stark nässt. So können Textilien nicht antrocknen, was sehr unangenehm sein kann.

Das Waschen und Eincremen solltest Du dann mehrmals täglich (4-6 mal) wiederholen, bis der Schorf runter ist. Nicht am Schorf kratzen bzw. versuchen, diesen zu entfernen, denn das kann zu Narben führen! Dann immer noch schön eincremen, da der Heilungsprozess noch nicht abgeschlossen ist. Bis die Haut ihre ursprüngliche Widerstandsfähigkeit erreicht hat, vergeht noch einige Zeit. Sechs Wochen sind es mindestens, manche sprechen sogar von 6 Monaten.
Bei nicht sorgfältiger Pflege nach dem Stechen kann es zu schmerzhaften Wundinfektionen kommen.

Nach dem Tätowieren solltest Du auch aufs Baden verzichten, Duschen ist aber ok, wenn auch nicht so ausgiebig und nicht mit Duschgel das frische Tattoo waschen!
Sport solltest Du möglichst auch eine Woche lang nicht treiben, da Schweiß die Wundheilung negativ beeinflusst. Und auf gar keinen Fall Schwimmen gehen!
Ebenfalls verzichten solltest Du auf Sonnenbäder, Solarium und Sauna. Und das mindestens 6 Wochen! Aber auch danach gilt: Die Sonne ist der größte Feind der Tätowierung! Sonnen- und vor allem UV-Strahlung lässt die Haut und somit auch das Tattoo schneller altern. Außerdem hat die Strahlung Einfluss auf die Farbpigmente unter der Haut. Wenn Du in der Sonne brutzelst: Tattoo mit guter Sonnencreme schützen! Auf das Solarium sollte man sogar gänzlich verzichten, denn diese konzentrierte UV-Strahlung schadet dem Tattoo.

7. Psychoaktive Substanzen und Tätowierungen

Die Rede ist hier von Konsum vor oder während einer Session. Ist das Bild erstmal in der Haut, ist es zumindest dem Tattoo egal, was konsumiert wird. Ausnahme bilden hier Konsumformen, bei denen man die Substanz injiziert. Die Injektion sollte nicht im Bereich einer frischen, noch nicht abgeheilten Tätowierung gesetzt werden! Das könnte zu einer Entzündung führen, die gesundheitlich nicht weiter gefährlich ist, aber auf dem Tattoo eine hässliche Narbe hinterlässt. Auch Injektionen im Bereich einer verheilten Tätowierung können Entzündungen hervorrufen, die einen negativen Einfluss auf das Tattoo haben können.

Vor einer Sitzung zu konsumieren, ist bei den meisten Substanzen nicht ratsam. Substanzen haben Einfluss auf die Wahrnehmung. Es kann also durchaus sein, dass die Sitzung sehr unangenehm erscheint, weil das taktile Empfinden gesteigert ist oder Dir die Maschine unglaublich laut vorkommt etc.
Alkohol hat z.B. auch eine blutverdünnende Wirkung, was dem/der TätowiererIn die Arbeit erschwert.
Überleg Dir gut, ob Du den Tag vorher feiern gehst. Bekommst Du genug Schlaf? Sind die Substanzen aus dem Körper (z.B. Restalk)?

Schmerzmittel, um die Schmerzen beim Tätowieren besser zu verkraften, sind nicht unbedingt empfehlenswert. Viele wirken nicht spezifisch für diese Anwendung und Aspirin beispielsweise hat eine blutverdünnende Wirkung. Am besten erstmal testen, wie man das Tätowieren empfindet. Viele TätowiererInnen haben dafür Verständnis. Sollte es gar nicht gehen oder es kommt zu unwillkürlichen Zuckungen etc., gibt es die Möglichkeit, die Haut oberflächlich zu betäuben. Dazu gibt es in der Apotheke eine Salbe namens EMLA. Der Nachteil: es muss kurz vorher aufgetragen werden, die Wirkung hält nicht lange an und die Anwendung ist recht kostenintensiv. Das Nachlassen der Wirkung wird als sehr unangenehm beschrieben. Viele TätowiererInnen arbeiten aber nicht gern mit EMLA, da es ihrer Meinung nach die Haut etwas aufschwämmt und so die Farbe nicht gut eingebracht werden kann.

Female Special

Frauen in der Schwangerschaft ist vom Tätowieren abzuraten, da die Konzentrationen von Schwermetallen, vor allem von Blei und Arsen (beide krebserregend) zu Schädigungen (z.B. Geburtsdefekten und Zeugungsunfähigkeit) des ungeborenen Kindes führen können.