Mit Drogen umgehen lernen, statt sie zu verteufeln.

"Mit viel Reden über Drogen kommt man mit Jugendlichen nicht weit"

Zedlitz. "Mit viel Reden über Drogen kommt man bei Jugendlichen nicht weit." Diese Meinung hatten die etwa 20 Teilnehmer in der Diskussionsrunde
vorgestern in der Zedtlitzer Pfarrscheune. Für die drei Mitarbeiter vom Leipziger Drogen-Info-Laden "Drug Scouts" keine leichte Aufgabe, die richtige Herangehensweise rüberzubringen: Drogen akzeptieren und nicht verteufeln. Es gehe nicht vorrangig darum, ob man auf einer Party Marihuana raucht oder eine bunte Pille schluckt. "Die Jugendlichen müssen lernen, bewusst damit umzugehen" meinte Beraterin Susie Deckelmann. Dieser Satz stieß auf völliges Unverständnis in der Runde. Frank Müller, der im Bornaer Kirchenbezirk für Kinder- und Jugendarbeit zuständig ist, war der Meinung, dass man Drogen prinzipiell verbieten müsste. Doch wie, wenn es laut einem anderen Gast .. an jeder Ecke das Zeug zu kaufen gibt?" Sie haben Angst um ihre Kinder. Woher soll man auch wissen, ob sie die Wahrheit sagen. "Das Gespräch zwischen Eltern und Kindern ist ein grundsätzliches Problem", meinte Susie Deckelmann. Die DDR-Eltern-Generation kenne den Umgang mit Drogen nicht, kann ihren Kindern also keine Erfahrungen im vernünftigen Umgang damit weitergeben.

Oft gingen die Erwachsenen mit dem eigenen Konsum von Zigaretten, Kaffee oder Alkohol als schlechtes Vorbild voran. Die Zedlitzerin Heike Schlenz arbeitet im Pfarramt. Sie wollte Ratschläge dafür haben, wenn Jugendliche mit Drogenfragen auf sie zukommen. Ihre 19-jährige Tochter Claudia ließ sich die Diskussionsrunde ebenfalls nicht entgehen. Sie wusste, dass Drogen zur Disko oder Feten mittlerweile eine große Rolle spielen. "Das finden die meisten sehr cool", so die angehende Krankenschwester, die selber gar keinen Gefallen "an dem Zeug" findet. Ob Poppers, Schnüffelstoffe oder
Zauberpilze- "Drug Scouts" bietet den Leuten Labor-Analysen der mitgebrachten Substanzen an. Damit wolle man kein Zertifikat für die Qualität
ausstellen, "sondern größerer Gefahr vorbeugen." Schließlich spreche sich gute Pillenqualität von alleine herum. Oft würden allerdings die Originale innerhalb weniger Tage von Panschern billig in Farbe und Substanzen nachgeahmt, mit verheerenden Folgen. Frank Müller, selbst Vater von zwei Kleinkindern, war nach der anderthalbstündigen Diskussion überzeugt, dass ein Akzeptieren der neuen Gewohnheiten unter Jugendlichen tatsächlich mehr bringt als das bisherige Verteufeln. (Peter Kirschunas)

Zeitungsartikel

Magazin: Leipziger Volkszeitung

Erscheinungsdatum: 

11.02.2003