Schlaganfall-Verdacht wegen Kokainkonsum?

Hallo zusammen,

eigentlich war ich kein regelmäßiger Konsument, habe aber hin und wieder beim Feiern dabei Gefallen gefunden es zusätzlich zum Alkohol zu nehmen.

Ich habe Kokain konsumiert seit Sylvester 2019/2020 diesen Jahres, bis Juni 2020 gelegentlich ca. eimal im Monat und nicht wirklch viel (für meine Verhältnisse), maximal 0,3-0,5 gr pro Abend.

Im Juni hatte ich krasse Schwindelanfälle und das WE davor Kokain zu mir genommen, ich war zwar beim Arzt aber keine Diagnose auf einen Schlaganfall, unwahrscheinlich da ich sowieso erst 35 Jahre alt bin.

Letzte Woche ist es dann passiert. Verschluss der Halsarterie durch ein Blutgerinnsel. Schlaganfall.

Eigenlich bin ich absolut kein Risiko-Fall, treibe Hochleistungssport (5-6x Training in der Woche), die Ernährung ist geplant und ausgewogen, aus der Familie gibt es auch keine bekannten Fälle. 

Ich mache mir jetzt Vorwürfe dass ich mir das selber eingebrockt habe und wollte hier mal nachfragen wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass durch meinen (meiner Meinung nach wenig und unregelmäßigen) Konsum ich mir selber geschadet habe.

MfG


Dr.-Frühling-Team:

Hallo,


danke für Deine Anfrage. Zunächst wünschen wir Dir, dass Du Dich gut von dem Schlaganfall, dem Schock darüber und den möglichen Folgen davon erholen kannst. Wir können Deine Gedanken nachvollziehen, leider können wir jedoch Deine Frage, inwiefern Dein Kokain- (und Alkohol)konsum zu dem Vorfall beigetragen hat, nicht abschließend beantworten. Welche (körperlichen) Umstände die Ursache für Deinen Schlaganfall waren, kann nur von Mediziner*innen geklärt werden.

Prinzipiell steigert Kokainkonsum das Risiko für Herz-Kreis-Lauf-Notfälle wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Zwar verringert sich natürlich das Risiko, je seltener man konsumiert, dennoch können negative Folgen auch bei gelegentlichem Konsum nicht ausgeschlossen werden.
Durch die erhöhte Ausschüttung von Dopamin und Noradrenalin während des Kokainrausches werden der Puls und der Blutdruck erhöht. Das Herz benötigt mehr Sauerstoff. Gleichzeitig wird die Sauerstoffzufuhr jedoch durch die Verengung der Blutgefäße behindert.
Alkohol weitet zwar die Blutgefäße und senkt den Blutdruck, doch diese gegenteilige Wirkung stellt, nicht wie man im ersten Moment vielleicht vermuten könnte, eine Ent- sondern eine zusätzliche Belastung für den Herz-Kreislauf dar. Der Körper ist neben den gegenteiligen Wirkmechanismen auch mit der Verarbeitung der (toxischen) Wirkung beider Substanzen (sowie etwaiger weiterer Inhaltsstoffe, wie Streckstoffe, Nebenprodukte im Kokain) beschäftigt und muss daher ganz schön viel Leistung erbringen. Dies erhöht vor allem das Risiko während des Rausches.

Auch bei gelegentlichem Konsum kann die gefäßverengende Wirkung gefährliche Folgen für die Blutgefäße auch nach dem Rausch haben. Neben einer Versteifung der Blutbahnen kann deren innere Schutzschicht (namens „Endothel“), die als Barriere zwischen Blut und Gewebe fungiert, beschädigt oder zerstört werden. Dadurch erhöht sich das Risiko für die Ablagerung von Blutplättchen, was eine Verstopfung (Thrombosen) und Blutgerinnsel zur Folge haben kann. Wandert der entstandene Blutpfropfen ins Gehirn, können bestimmte Gehirnareale entweder aufgrund der Gefäßverstopfung oder aufgrund von Gefäßrissen und dadurch entstehenden inneren Blutungen nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. In beiden Fällen spricht man von einem (ischämischen oder einem hämorrhagischen) Schlaganfall.

Regelmäßiger Sport, eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Flüssigkeitsaufnahme stärken das Herz-Kreislauf-System, tragen zur Elastizität der Blutgefäße bei und verringern somit das Risiko für Blutgerinnsel. In jedem Fall eine gute vorbeugende Maßnahme. Dennoch (ver)arbeitet jeder Körper anders, kommt also unterschiedlich gut mit dem Konsum psychoaktiver Substanzen zurecht. Die Risiken für einen Schlaganfall hängen zudem von mehreren Faktoren ab, die Du z.B. auf der Webseite der „Stiftung Deutsche Schlaganfall Hilfe“ nachlesen kannst: https://www.schlaganfall-hilfe.de/de/verstehen-vermeiden/risiken-erkennen-und-vermeiden/schlaganfall-risiken

Wir können Dir trotzallem nicht sagen, ob und falls ja, in welchem Maße Dein Kokainkonsum zu dem Schlaganfall beigetragen hat. Auch wenn es sinnvoll ist, die Ursachen für den Schlaganfall medizinisch klären zu lassen, für Deine psychische Verfassung kann es hilfreich sein, Dich nicht in Vorwürfe hineinzusteigern. Die Vergangenheit lässt sich nicht mehr ändern. Entscheidend ist, wie Du in Zukunft mit Deinem Körper umgehst. Krankheiten sind immer Zeichen des Körpers, dass ein bestimmter (Lebens-/ Körper-)Bereich Aufmerksamkeit und ggf. Veränderung bedarf. Nach einem Schlaganfall steht fest, Kokainkonsum ist für die Zukunft keine gute Idee. In nächster Zeit ist es ratsam, die Aufmerksamkeit darauf zu richten, wie Du Deinen Körper bestmöglich beim Gesundwerden und –bleiben unterstützten kannst.


Wir wünschen Dir gute Besserung und alles Gute für Deinen Weg.

Dein Dr.-Frühling-Team


Die Informationen in unserer Antwort sind keine Anleitung oder Motivierung zum Drogenkonsum! Aufgeführte Substanzen können dem BtMG [Betäubungsmittelgesetz] unterliegen. Besitz, Erwerb und Handel damit sind strafbar! Wenn die Stoffe frei verfügbar sind, heißt das nicht, dass ihr Gebrauch ungefährlich wäre. Dieser Text wurde nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Dennoch können Irrtümer nicht ausgeschlossen werden. Die Drug Scouts übernehmen keine Haftung für Schäden, die durch irgendeine Art der Nutzung der Informationen dieses Textes entstehen.