Lexikon
Cannabis
Substanz
Cannabis gehört zur Familie der Hanfgewächse. Die drei Arten der Cannabispflanze heißen Cannabis sativa, indica und ruderalis. Bei den zu Rauschzwecken eingesetzten Sorten ist neben dem psychoaktiven Hauptwirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) Cannabidiol (CBD) das für die Wirkung relevanteste Cannabinoid. Neben THC und CBD finden sich in den Pflanzen um die 150 weitere Cannabinoide, deren Zusammenspiel mit bis zu 500 weiteren Inhaltsstoffen für die jeweilige Wirkung verantwortlich ist. Wirkstoffgehalt und Kombination der Cannabinoide variieren je nach Anbaubedingungen und Sorte. Nutzhanf enthält nur sehr geringe Mengen THC und wirkt nicht psychoaktiv.
Es gibt unterschiedliche Cannabisprodukte mit verschiedenen THC-Gehalten:
Marihuana (»Gras«, »Ganja«, »Weed«, »Pot« »Brokkoli« »Bubatz« usw.) = weibliche Blüten mit oder ohne Blätter und Stiele(n), THC-Gehalt: Ø 11-19 %; maximal 35 % möglich;
Haschisch (»Shit«, »Dope« etc.) = gepresstes, oft gestrecktes Harz der Hanfpflanze, THC-Gehalt: Ø 8 – 30 %; je nach Verarbeitungsform kann Haschisch bis zu 70% THC-Gehalt erreichen.
Extrakte = extrahierte Pflanzenreste oder weibliche Blüten in unterschiedlichen Endformen wie z.B. Haschischöl; Butan Hasch Öl (BHO auch »Budder«, »Wax«, »Shatter«); Resin; Pollen; Skuff oder (voll-geschmolzenes) Bubble-Hash. Die Extrakte sind meist weich- bis flüssig und können einen THC-Gehalt von bis zu 80 % erreichen.
Konsumform: Cannabis-Produkte werden meist mit Tabak oder pur in Joints (Prinzip: selbstgedrehte Zigarette) und in Pfeifen jeglicher Art geraucht oder mit Vaporizern gedampft, seltener in Getränken (z.B. in Tee, Kakao) oder Nahrungsmitteln (z.B. in Keksen, Joghurt, Honig) zubereitet. Außerdem gibt es THC-haltige Fertigprodukte zum Essen »Edibles« (z.B. Gummibärchen).
Beimengungen und Streckstoffe: In Produkten aus illegalisiertem Cannabis werden häufig Streckstoffe und Beimengungen gefunden oder vermutet und über Streckmittelmelder / Drug-Checking-Ergebnisse im Internet veröffentlicht. Als Streckstoffe werden zerriebene Teile anderer Pflanzen, Gewürze, Fette, Öle bis hin zu Schuhcreme benutzt. Seltener können Sand, Glas, Wachs, Zucker, Haarspray, Pflanzendünger (wie PK13), Blei(sulfid) oder speziell hergestellte Streckmittel (z.B. »Brix«) enthalten sein.
Synthetische Cannabinoide (»Spice [...]«, »Armageddon«, etc.) stammen nicht aus der Cannabis Pflanze, sondern werden im Labor künstlich hergestellt und als Kräuter- oder Räuchermischungen angeboten. Viele wirken deutlich stärker oder unberechenbarer als natürliches THC und sind oft mit heftigen, unter Umständen lebensbedrohlichen Nebenwirkungen verbunden. Sie werden bspw. auf CBD-Blüten gesprüht, oder Edibles, Vapes und Getränke werden mit dem Wirkstoff versetzt. Wie bei anderen (halb)synthetisch hergestellten Cannabinoiden, gibt es noch keine ausreichenden wissenschaftlichen Erkenntnisse, welche (Neben)Wirkungen oder mögliche Langzeitfolgen der Konsum hat.
In diesem Artikel geht es nicht um synthetische Cannabinoide.
Cannabis als Medizin: Es gibt (halb)synthetische Cannabinoide, die verschreibungsfähige Arzneimittel sind, von denen einige keinen Rausch erzeugen. Auf Grund von krampflindernden, stimmungsaufhellenden, schmerzstillenden, entzündungshemmenden, appetitanregenden und die Bronchien erweiternden Wirkungen werden diese Medikamente bei diversen (chronischen) Krankheiten zur Linderung von Symptomen und zur Verhinderung einer Verschlimmerung der Krankheit eingesetzt; Beispiele sind Epilepsie, Multiple Sklerose, Depressionen, ADHS, Tourette-Syndrom, Glaukom, Morbus Parkinson, Krebserkrankungen oder AIDS. Weiterhin können auch natürliche Cannabisprodukte Anwendung finden und sind für viele Patient*innen verträglicher.
Wirkung
Die Wirkung ist abhängig von Droge, Set und Setting. D.h. die Wirkung verändert sich je nach Wirkstoffzusammensetzung und -gehalt, Dosis, Konsumform, eventuell enthaltenen Streckstoffen der Droge sowie von Gewöhnungseffekten, der psychischen und körperlichen Verfassung der User*in (Set) und den Rahmenbedingungen des Konsums (Setting)
Wirkungseintritt:
Beim Rauchen / Dampfen: nach wenigen Sekunden – 10 Minuten, Höhepunkt nach 20 – 30 Minuten
beim oralen Konsum (in Nahrungsmitteln / Getränken): nach 0,5 – 2 Stunden, Höhepunkt unterschiedlich
Wirkdauer:
Rauchen / Dampfen: 1 – 5 Stunden
oraler Konsum: 4 – 10 Stunden
Wirkungsspektrum:
Im menschlichen Gehirn befinden sich Rezeptoren, an denen körpereigene Cannabinoide wirken. Besonders häufig kommen diese im Hippocampus (Steuerung des Kurzzeitgedächtnisses), Hypothalamus (u.a. Regulierung von Blutdruck, Temperatur und Hungergefühl) sowie im Kleinhirn (Bewegungskoordination) vor. Cannabinoidrezeptoren befinden sich jedoch auch im restlichen Nervensystem des Körpers sowie in Teilen des Immunsystems und in anderen Organen. Der Konsum bewirkt Einschränkungen im Kurzzeitgedächtnis, einen schnelleren Herzschlag, eine leichte Senkung von Blutdruck, Körpertemperatur und Blutzuckerspiegel, ein verstärktes Hungergefühl sowie Beeinträchtigungen der Bewegungskoordination und des Gleichgewichtssinns.
Der Hauptwirkstoff THC wirkt leicht bis stark bewusstseinsverändernd anregend, schmerzlindernd, entzündungshemmend und (niedrig dosiert)gegen Übelkeit. Die Wahrnehmung akustischer (hören) und visueller (sehen)Reize sowie Empfindungen des Tastsinns und des Raum-/Zeiterlebens kann verändert werden. Darüber hinaus sind euphorische Gemütszustände mit erhöhter Kontaktfreudigkeit möglich. Die euphorische Phase hält 1–2 h an, anschließend tritt meist ein beruhigender Effekt in den Vordergrund. Eine aphrodisierende (sexuell anregende) Wirkung kann auftreten.
Die Wirkung von Cannabis sativa wird häufig in stärkerem Maße als energetisch, kreativ und lachlustig machend beschrieben (»high sein«).
Bei Hanfsorten, die über einen höheren Gehalt an Cannabidiol (CBD) und weniger THC verfügen, kommt es neben den THC-Effekten vor allem zu einer beruhigenden sowie körperbetonenden Wirkung (»stoned sein«). Berührungen, Geschmack und Geräusche werden intensiver wahrgenommen; zudem wird die bewusstseinsverändernde Wirkung des THCs etwas abgeschwächt, dessen Wirkdauer aber verlängert.
Bei einer hohen Dosis THC kann es zu gesteigerten Wahrnehmungsveränderungen und bei einer hohen Dosis CBD zu stark vermindertem Antrieb (Mattheit bis Teilnahmslosigkeit) kommen.
Mögliche Nebenwirkungen
bei mittleren bis hohen Dosierungen: Schwindelgefühle, Konzentrationsprobleme, Mundtrockenheit, »rote Augen« und Hustenattacken zusätzlich bei sehr hoher oder Überdosierung: Übelkeit, Erbrechen, Herzrasen, Kreislaufprobleme; bei hohem THC-Gehalt: starke Wahrnehmungsveränderungen bis hin zu Halluzinationen und Angstzuständen; bei hohem CBD-Gehalt: stark verminderter Antrieb, Mattheit bis Teilnahmslosigkeit
bei Konsum über längeren Zeitraum: Bei häufigem, hoch dosiertem Konsum über einen längeren Zeitraum, können sich die Nebenwirkungen verstärken. Durch unangenehme und psychisch belastende Rauscherfahrungen mit Cannabis, können bei dazu veranlagten Personen latente (verborgen vorhandene) Angsterkrankungen bis hin zu Psychosen ausgelöst werden und eventuell bestehen bleiben. Bereits vorhandene Depressionen oder depressive Symptome wie Teilnahmslosigkeit, Antriebsminderung, herabgesetzte Belastbarkeit können verstärkt werden. Einschränkungen der Leistungsfähigkeit und des Kurzzeitgedächtnisses sind möglich.
Lungenkrebsrisiko! Die aufgenommene Menge an krebserregenden Stoffen ist beim Joint- und Bong-Rauchen einer Cannabis-Tabak-Mischung höher als beim Zigarettenrauchen, da:
• Cannabisrauch meist tiefer inhaliert und der Rauch länger in der Lunge gehalten wird,
• Joint-Filter zumeist kleine gerollte Kartonstücke sind, die keine Schadstoffe filtern können,
• das Wasser in einer Bong den Rauch hauptsächlich kühlt und wenig Schadstoffe bindet.
Durch das Rauchen von Cannabis-Tabak-Mischungen können Atemwegserkrankungen wie Asthma sowie chronische Bronchitis und Entzündungen der Nasennebenhöhlen auftreten. Ob das Pur-Rauchen von Cannabis die Atemwege schädigen oder Lungenkrebs begünstigen kann, wurde bisher nicht ausreichend beforscht.
Das häufige Rauchen von gestreckten Cannabisprodukten kann weitere gesundheitliche Probleme nach sich ziehen, z. B. Verklebungen der Lungenbläschen (durch »Brix«, Zucker, Haarspray usw.), Silikose (»Staublunge«, durch quarzhaltigen Sand) bis zu einem erhöhten Krebsrisiko und / oder Vergiftungserscheinungen (vgl. »Beimengungen und Streckstoffe«).
Die Entwicklung einer psychischen Abhängigkeit ist möglich.
Nachweis
Die Nachweiszeiten sind u. a. abhängig von der Konsumhäufigkeit und -menge, der Geschwindigkeit des Stoffwechsels, der Menge des Körperfettes sowie der Konzentration des Urins. Die folgenden Werte dienen deshalb nur zur Orientierung. Das Abbauprodukt THC-COOH wird im Fettgewebe eingelagert und ist daher lange nachweisbar.
Nach dem letzten Konsum
im Blut: aktives THC = 12 – 72 Stunden; THC-COOH = 2 – 4 Tage (einmaliger Konsum), 3 – 7 Tage (gelegentlicher Konsum), bis zu 4 Wochen (häufiger / dauerhafter Konsum)
im Urin: THC-COOH = 3 – 5 Tage (einmaliger Konsum), 5 – 20 Tage (gelegentlicher Konsum), bis zu 12 Wochen (häufiger / dauerhafter Konsum)
In Haaren mehrere Monate nachweisbar, abhängig von der Haarlänge.
Im Speichel kann Cannabis bis zu 24 Stunden nach dem letzten Konsum nachgewiesen werden.
Dosierung:
In Deutschland liegt der durchschnittliche THC-Gehalt derzeit für Gras bei ca. 14% und für Haschisch bei ca. 20% (Stand 2025, vgl. Bundesministerium für Gesundheit).
Der Wirkstoffgehalt und das THC / CBD-Verhältnis können sich jedoch stark unterscheiden. Haschisch enthält meist mehr THC als Gras. Es gibt jedoch auch hochgezüchtetes Gras mit sehr viel THC und kaum CBD.
Zudem gelangt je nach Konsumform unterschiedlich viel Wirkstoff in den Blutkreislauf. Beim Vapen kann man bspw. deutlich mehr Wirkstoff aufnehmen als beim Joint rauchen, d.h. die Bioverfügbarkeit ist höher. Menschen, die regelmäßig Cannabis rauchen, dosieren oft höher. Daher dienen die Dosierungsangaben unten nur zur Orientierung.
Orientierungswerte beim Rauchen / Inhalieren:
Geht man von den oben genannten Durchschnittswerten von THC/CBD einer Bioverfügbarkeit von ca. 25% beim Joint rauchen aus (25% des Wirkstoffs gelangen in den Blutkreislauf), ergibt sich für eine erwachsene Person mit ca. 75kg Körpergewicht:
Geringe Dosis (2,5 – 5mg THC): ca. 70 – 140mg Gras und 50 – 100mg Haschisch
Mittlere Dosis (5 – 15mg THC): ca. 140 – 430mg Gras und 100 – 300mg Haschisch
hohe Dosis (15mg THC und mehr): ab 430mg Gras und 300mg Haschisch
Für einen risikoarmen Konsum ist nicht nur die Dosierung wichtig, mach dir auch Gedanken zu Set und Setting und beachte die Safer Use Hinweise!
Safer Use
Risikofreien Konsum gibt es nicht! Die Anwendung von Safer-Use-Regeln kann helfen, Risiken zu minimieren:
Set und Setting:
(Sehr) Jungen Menschen raten wir vom Cannabiskonsum ab. Je früher Du mit dem Cannabiskonsum beginnst, desto höher ist das Risiko von Entwicklungsbeeinträchtigungen bzw. andauernden Nach- und Nebenwirkungen.
Auch Menschen mit psychischer Labilität oder psychischen Erkrankungen raten wir vom Cannabiskonsum ab. Personen mit Herzerkrankungen bzw. Herz-Kreislauf-Problemen sollten auf Grund der gefäßerweiternden und pulssteigernden Wirkung keine Cannabis-Produkte konsumieren. Personen mit Lungen- oder Atembeschwerden sollten Cannabis-Produkte möglichst nicht rauchen.
Konsumiere (möglichst) nur:
wenn es Dir gut geht
an einem Ort, an dem Du Dich wohlfühlst
wenn eine Person bei Dir ist, der Du vertraust und die notfalls Hilfe leisten oder holen kann
Lass Dich nicht zum Konsum überreden.
Droge: Achte darauf, was Du kaufst. Nutze nach Möglichkeit »Drug Checking« (Substanzanalysen), Schnelltests oder Streckmitteltests. Mit niedriger Dosis antesten. Sollten sehr starke unerwartete Nebenwirkungen auftreten, konsumiere nicht weiter.
Pass die Dosierung Deinem Körpergewicht und der Qualität Deines Grases an.
Gras kann schimmeln – erkennbar an weiß-gräulichen »Spinnweben«, braun-schwarzen Verfärbungen der Blüten oder am Geruch. Verschimmeltes Gras nicht rauchen – erhöhtes Risiko von Vergiftungen oder Atemwegserkrankungen.
Es ist für die Lunge grundsätzlich schonender Cannabis ohne Tabak zu rauchen.
Der Gebrauch von Aktivkohle-Filtern reduziert die Aufnahme krebserregender und lungenschädigender Stoffe und somit das Risiko von Atemwegsproblemen und Krebserkrankungen. Das Verdampfen von Cannabis in Vaporizern ist eine schonendere Konsumform. Da beim Vapen mehr Wirkstoff in den Blutkreislauf gelangt (höhere Bioverfügbarkeit) muss hier deutlich niedriger dosiert werden.
Cannabis in Nahrungsmitteln oder Getränken zu konsumieren ist besser für die Atemwege. Wichtig beim Essen/Trinken: Niedriger dosieren als beim Rauchen. Die Wirkung tritt im Vergleich zum Rauchen verzögert ein und hält auf Grund des Verdauungsprozesses länger an. Während des Rausches können zudem Schwankungen in der Wirkungsstärke auftreten – deshalb besteht ein höheres Risiko für Überdosierung. Auch wenn die Kekse gut schmecken, auf die gewünschte Dosierung achten, lange warten und nicht sofort wieder konsumieren, wenn die Wirkung zwischendurch nachlässt.
Mischkonsum gut abwägen, da Wechselwirkungen zum Teil schwer vorhersagbar sind.
Bei Unwohlsein / Überdosierung: versuche, möglichst Ruhe zu bewahren und schaffe ein möglichst angenehmes Umfeld (Setting), z.B. Musik / Lautstärke ändern, Ort wechseln, Wärme regulieren / Kopf, Nacken und Unterarme kühlen, ruhige Umgebung, frische Luft, Gespräch mit Freund*innen.
Wirkt der Konsum sexuell stimulierend, werden Risiken beim ungeschützten Verkehr eventuell nicht mehr so ernst genommen. Kondome und Lecktücher schützen vor Ansteckung mit HIV und anderen Krankheitserregern.
Cannabis beeinflusst die Wahrnehmung, die Reaktionsfähigkeit, die Bewegungskoordination und den Gleichgewichtssinn – fahre deshalb kein Auto unter Cannabiseinfluss und vermeide auch andere Tätigkeiten, die Dich und andere in Gefahr bringen können, z. B. die Bedienung von Maschinen oder das Klettern auf Dächer. Auch wenn Du nicht unter Einfluss fährst, kannst Du auf Grund der (sehr) langen Nachweisbarkeit Probleme mit Deinem Führerschein bekommen.
Cannabiskonsum beeinträchtigt vorübergehend die Konzentrations- und Merkfähigkeit. Konsumiere deshalb nicht in Situationen, in denen Du auf diese Fähigkeiten angewiesen bist (Schule, Ausbildung, Uni, Kinder beaufsichtigen etc.).
Achte darauf, dass der Cannabiskonsum nicht zur Gewohnheit wird oder Deinen Alltag bestimmt. Hinweise dazu findest Du im Eintrag »Konsumreflexion«. Wenn Du Deinen Konsum verändern willst, beenden möchtest oder einfach nur Fragen hast, scheu Dich nicht, mit jemanden, dem Du vertraust darüber zu reden und/oder professionelle Hilfe zu suchen.
Verhütung/Schwangerschaft/Stillzeit
Durch regelmäßiges Rauchen einer Cannabis-Tabak Mischung können die Zeugungsfähigkeit und die Fruchtbarkeit vermindert werden. Ob das auch auf reinen Cannabiskonsum zutrifft, konnte wissenschaftlich bisher nicht eindeutig geklärt werden Menschen, die mit der Pille verhüten, gehen beim Rauchen einer Mischung mit Tabak ein erhöhtes Risiko ein, Durchblutungsstörungen, eine Thrombose, Krampfadern und hierdurch einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder einen Verschluss von Blutgefäßen in der Lunge (Embolie) zu erleiden.
Verhütung: Cannabiskonsum kann besonders in hohen Dosierungen und in der Mischung mit Tabak oder Alkohol Übelkeit und Erbrechen hervorrufen. Geschieht dies innerhalb von 4 Stunden nach Einnahme der Pille, gelangt evtl. zu wenig Wirkstoff in den Blutkreislauf – deshalb zusätzlich Kondome oder andere nicht-hormonelle Verhütungsmittel benutzen!
Während der Schwangerschaft wird THC über die Plazenta [Mutterkuchen, der das Embryo während der Schwangerschaft ernährt] an das Ungeborene weitergegeben. Ob und welche Auswirkungen das auf das Ungeborene haben kann, ist wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt. Fest steht, dass das Nikotin vom Tabak äußerst zellschädigend ist, außerdem können sich Streckstoffe und Pestizide, die bei der Aufzucht verwendet wurden, negativ auf die Entwicklung des Ungeborenen auswirken.
Stillzeit: Die Muttermilch ist sehr fettreich und die THC-Konzentration darin im Vergleich zum Blut höher. Somit gelangt auch mehr in den Organismus des Kindes.
Um jedes gesundheitliche Risiko für Dich und Dein Kind auszuschließen, ist es besser während Schwangerschaft und Stillzeit auf Cannabiskonsum und in jedem Fall auf Tabakkonsum zu verzichten.
Wechselwirkungen
Die Risiken beim Mischkonsum sind höher als beim Einzelkonsum; Körper und Psyche werden stärker belastet. Einzelne Substanzwirkungen können verstärkt oder geschwächt werden. Es können unerwartete Effekte auftreten, die nicht der Summe der Einzelwirkungen entsprechen. Da die Wirkungen der Substanzen zu verschiedenen Zeiten eintreten und unterschiedlich lange anhalten können, ist es möglich, dass Wechselwirkungen zeitverzögert auftreten.
Cannabis + Tabak: Die Kombination erhöht das Risiko von Übelkeit und Erbrechen sowie von Atemwegserkrankungen. Nikotin unterdrückt die THC-Wirkung, während THC die Nikotinwirkung steigert. Gleichzeitig birgt diese Kombination ein
erhöhtes Risiko einer körperlichen Gewöhnung im Vergleich zum Pur-Konsum von Cannabis.
Cannabis + Alkohol: Die Alkoholwirkung wird verstärkt und die Cannabiswirkung überdeckt, die Kombination kann Übelkeit und (starke) Kreislaufprobleme verursachen.
Cannabis + Upper (z. B. Speed, Crystal, Kokain): Es besteht das Risiko von hohen Kreislaufbelastungen. Die Kombination kann Angst- oder Panikzustände fördern. Der dauerhafte Konsum erhöht das Risiko, eine Psychose und/oder Angsterkrankung zu entwickeln.
Cannabis + Ecstasy (MDMA): Es kommt zu einer gegenseitigen Wirkverstärkung. Die Gedächtnisleistung kann temporär eingeschränkt sein. Es besteht das Risiko von hohen Kreislaufbelastungen.
Cannabis + Halluzinogene (z. B. Pilze, LSD, 2C-B): Eine gegenseitige Wirkverstärkung ist möglich. Die Kombination kann psychotische, von Angst begleitete Zustände auslösen oder verstärken.
Cannabis + Downer (z. B. Benzodiazepine, GHB, Ketamin):
Beide Substanzen wirken dämpfend auf das zentrale Nervensystem. Die Kombination kann starke Müdigkeit, verlangsamte Reaktionsfähigkeit verursachen. Das Risiko für Bewusstlosigkeit und schwere Kreislaufprobleme ist deutlich erhöht. Bei sehr hohen Dosierungen ist eine lebensgefährliche Atemdepression nicht ausgeschlossen.
Cannabis + Antidepressiva (z. B. SSRIs, SNRIs, MAO-Hemmer):
Cannabis kann die Nebenwirkungen von Antidepressiva wie Schwindel, Übelkeit oder Angstzustände verstärken. Gleichzeitig kann es die Wirkung der Medikamente verändern oder abschwächen. Der Mischkonsum erhöht das Risiko für Stimmungsschwankungen, Panikattacken und psychische Krisen.
Cannabis + Opioide (z. B. Morphin, Tilidin, Fentanyl):
Cannabis kann die schmerzlindernde Wirkung von Opioiden verstärken, gleichzeitig steigt aber auch das Risiko starker Sedierung und für Bewusstlosigkeit. Bei sehr hohen Dosierungen kann die Kombination zu einer lebensgefährlichen Atemdepression führen.
Rechtliche Infos:
Seit dem 1. April 2024 ist der Besitz und Transport von bis zu 25 Gramm für Erwachsene unter bestimmten Voraussetzungen legal. Auch der Anbau von bis zu drei weiblichen Pflanzen und der Besitz von bis zu 50 Gramm im Wohnraum ist für Personen ab 18 Jahren legal. Cannabis darf dabei ausschließlich für den Eigenkonsum genutzt werden, eine Weitergabe oder der Verkauf bleiben strafbar. Auch nach der Legalisierung bleibt die Polizei verpflichtet, bei Verstößen zu ermitteln, beispielsweise wenn die erlaubte Menge überschritten wird oder Cannabis außerhalb der gesetzlich erlaubten Rahmenbedingungen genutzt wird.
Mehr zu den Rechtlichen Rahmenbedingungen findest Du in unseren Infoblättern zu Cannabis:
Die medizinische Verwendung von Cannabisprodukten ist von dieser Regelung unabhängig weiterhin möglich und erfolgt unter ärztlicher Kontrolle. Für Patient*innen mit ärztlich verschriebenem Cannabis ist der Besitz von Cannabis als Medikament legal ist. Die Verschreibung erfolgt bei bestimmten Indikationen, wenn andere Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sind. Die Kostenübernahme durch die Krankenkassen hängt von der Schwere der Erkrankung und der Aussicht auf Linderung ab.
Cannabis im Straßenverkehr
Mit der Legalisierung von Cannabis in Deutschland gelten neue Regelungen für den Straßenverkehr. Für Personen, die Cannabis konsumieren, liegt der gesetzlich festgelegte Grenzwert bei 3,5 Nanogramm aktivem THC pro Milliliter Blutserum. Dieser Wert wurde eingeführt, da ab dieser Konzentration eine Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit als möglich gilt. Vergleichbar ist der Wert mit einer Blutalkoholkonzentration von 0,2 Promille. Wird der Wert überschritten, müssen Konsument*innen in der Regel ein Bußgeld zahlen, bekommen ein Fahrverbot und müssen mit weiteren rechtlichen Konsequenzen wie bspw. Einer »MPU« rechnen.
Für Fahranfänger*innen in der Probezeit sowie Personen unter 21 Jahren gelten strengere Vorschriften: Hier ist jeglicher THC-Nachweis im Blut untersagt. Das entspricht der Null-Toleranz-Regelung, die auch bei Alkohol gilt.
Medizinische Cannabispatient*innen
Für Medizinische Cannabispatient*innen gelten Ausnahmen: Wird der THC-Gehalt im Blut durch die von Ärzt*innen bestimmte Einheit eines verschriebenen Cannabisarzneimittels verursacht, stellt das keinen Verstoß dar. Dabei müssen Patient*innen trotzdem eine Fahrtüchtigkeit vorweisen. Personen, die medizinisches Cannabis einnehmen, sollten also darauf achten, dass diese nach dem Konsum keine Einschränkungen in der Fahrtüchtigkeit zeigen, da bei Verdacht auf Beeinträchtigungen auch hier ein Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung vorliegen kann.
Mischkonsumsituationen erhöhen das Unfallrisiko und führen zu schwereren Sanktionen, darunter höhere Bußgelder und längere Fahrverbote.
Trotz der neuen Grenzwerte bleibt der Grundsatz: konsumiere nicht, wenn Du noch vorhast, selbst ein Fahrzeug zu führen, dies gilt auch für E- Roller und Fahrräder.
Die Informationen in unserer Antwort sind keine Anleitung oder Motivierung zum Drogenkonsum! Aufgeführte Substanzen können dem BtMG [Betäubungsmittelgesetz] unterliegen. Besitz, Erwerb und Handel damit sind strafbar! Wenn die Stoffe frei verfügbar sind, heißt das nicht, dass ihr Gebrauch ungefährlich wäre. Dieser Text wurde nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Dennoch können Irrtümer nicht ausgeschlossen werden. Die Drug Scouts übernehmen keine Haftung für Schäden, die durch irgendeine Art der Nutzung der Informationen dieses Textes entstehen.
Stand der Informationen: August 2025
Erfahrungsberichte
Hier findest Du Erfahrungsberichte von Cannabis Konsument_innen.
Hier ein Rechner zur (ungefähren) Nachweisdauer von Cannabiskonsum: http://www.marijuanacentral.com/drug_testing/marijuana_drug_test_calculator_guest_form.html (in englisch)
Interessante Links und Quellen:
Studien
Marihuana und Lungenkrebs
Marihuana kann, wenn die Droge geraucht wird, ebenso zum Lungenkrebs führen wie Tabakrauchen
Recht
- Warum mußte Cannabis verboten werden? - Die Rolle der USA und der UN - Hausarbeit von Gerrit Wiebe + Moritz Gottwald
- Hanf im Recht (Archiv von Hanflobby.de)
- Cannabis und Führerschein - die rechtliche Situation
- Das Verbot von Cannabis ist ein „kollektiver Irrweg“ Deutsches Ärzteblatt 97, Heft 43 vom 27.10.00
- Stephan Quensel: Cannabis, Straßenverkehr und junge Leute. Ein Dispositiv im Generationskonflikt
- Cannabis in Deutschland - Ein Ratgeber der Deutschen Anwaltshotline AG (Stand: Januar 2016)
Hilfe
- Die Deutsche Hauptstelle für Suchtgefahren e.V. zu Cannabis
- Medizinische Nutzung von Cannabis - internationale AG
- Grüne Hilfe Deutschland
- Rauchmelder B.A.C.
weitere Literatur
- Auswirkungen des Cannabiskonsums - Eine Expertise zu pharmakologischen und psychsozialen Konsequenzen
Dieter Kleiber, Karl-Artur Kovar im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit
Sonstiges
- Für alle, die Cannabis legal haben möchten - www.cannabislegal.de
- Hanf Museum Berlin
NEUE QUELLEN:
THC Anteil bis zu 35% möglich: https://www.gruenhorn.de/live-bestand/cannabisblueten/?order=live-bestand-bluten&p=1&properties=044cb9449cb844eeaf2cb2b0a9b9aefc
Haschisch-THC-Gehalt: https://eurogrow.es/de/blog/wie-viel-thc-hat-haschisch-n1136
Auswirkungen von Cannabis auf das ungeborene Kind und auf neugeborene, die gestillt werden (Englisch)
https://www.frontiersin.org/journals/psychiatry/articles/10.3389/fpsyt.2020.586447/full
https://abm.memberclicks.net/assets/DOCUMENTS/PROTOCOLS/ABM%20Clinical%20Protocol%2021%20SUD_English.pdf
DISCLAIMER
Die Informationen in diesem Text sind keine Anleitung oder Motivierung zum Drogenkonsum! Die hier aufgeführten Substanzen können dem BtMG [Betäubungsmittelgesetz] unterliegen. Dann sind (unerlaubter) Besitz, Erwerb, Handel usw. strafbar! Auch wenn die Stoffe frei verfügbar sind, heißt das nicht, dass ihr Gebrauch risikofrei ist. Dieser Text wurde nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Dennoch können Irrtümer nicht ausgeschlossen werden. Die Drug Scouts übernehmen keine Haftung für Schäden, die durch irgendeine Art der Nutzung der Informationen dieses Textes entstehen.